Grüße aus Aruba!
Vier Monate fühlen sich gleichzeitig lang und kurz an. Am Anfang war alles neu: die Sprache, das Klima, die Abläufe. Inzwischen gibt es so etwas wie einen Alltag. Wir wissen, welcher Supermarkt am besten ist, welche Wege man lieber meidet, wo man gut parken kann und dass sich 25 Grad mit Wind plötzlich kalt anfühlen können. Was am Anfang wie Urlaub wirkte, ist längst ein normales Leben geworden.
Wir haben uns für den ESC entschieden, weil wir einen neuen Ort sehen und neue Menschen kennenlernen wollten. Bewusst raus aus unserem gewohnten Umfeld in Deutschland, rein in einen anderen Kontext, andere Arbeitsweisen, andere Prioritäten. Diese Entscheidung hat unseren Blick erweitert auf die Insel, aber auch auf uns selbst.
Pia arbeitet weiterhin im After-School-Programm. Dort malt sie mit den Kindern, spielt Schach und Ping Pong und unterstützt sie im Alltag. Es ist schön zu sehen, wie schnell Beziehungen entstehen, wenn man regelmäßig da ist. Kleine Routinen wie ein bestimmtes Spiel und ein gemeinsames Lachen bekommen plötzlich Bedeutung.
Auch Viki unterstützt weiterhin mit Social Media und hat dazu verschiedene kreative Workshops organisiert. Besonders im Comics-Workshop sind ganz unterschiedliche Geschichten entstanden, viele humorvoll, direkt oder persönlich. Es war beeindruckend zu beobachten, wie konzentriert alle gearbeitet haben und wie ernst sie ihre eigenen Ideen genommen haben. Diese Arbeit hat gezeigt, dass kreative Fähigkeiten nicht nur etwas Individuelles sind, sondern auch geteilt und weiterentwickelt werden können.
Zusätzlich war Viki im Cat Shelter tätig. Dort ging es weniger um kreative Prozesse und mehr um Verantwortung: Tiere versorgen, sauber machen und Strukturen einhalten. Diese Mischung aus gestalterischer Arbeit und praktischer Unterstützung hat den Alltag hier geprägt und für Ausgleich gesorgt.
Ein besonderes Erlebnis war der Karneval. Hier bedeutet das nicht nur ein paar Umzüge, sondern eine ganze Saison. Die Insel kommt in dieser Zeit fast zum Stillstand, Schulen haben Ferien, überall finden Paraden statt. Uns ist aufgefallen, wie hoch die Priorität dieses Festes hier ist. Wochenlang werden Kostüme vorbereitet, mit unzähligen Schmucksteinen verziert und bis ins Detail ausgearbeitet. Karneval ist nicht nur ein Event, sondern ein zentraler Teil der Kultur.
Das eindeutige Highlight bleibt jedoch das Meer. Es verändert den Rhythmus des Tages. Nach der Arbeit noch schwimmen zu gehen oder am Wochenende einfach am Strand zu sitzen, verschiebt den Umgang mit Stress. Die Nähe zur Natur schafft Abstand zu kleinen Problemen und bringt Ruhe in den Alltag.
Herausfordernd war vor allem die Organisation. Wir teilen uns zu fünft ein Auto. Auf einer Insel ohne verlässlichen öffentlichen Nahverkehr bedeutet das ständige Abstimmung: Wer fährt wann? Wer muss warten? Wer verzichtet? Das hat immer wieder zu Frustration geführt. Gleichzeitig war genau das eine der wichtigsten Lernerfahrungen. Wir haben gemerkt, wie entscheidend klare Kommunikation ist. Nur wenn Bedürfnisse offen angesprochen werden, funktioniert Zusammenleben wirklich.
Die Insel ist wunderschön, aber klein. Nach einigen Monaten merkt man die Begrenzung. Wege wiederholen sich, Orte werden vertraut, Abläufe bekannt. Gleichzeitig hat uns genau diese Begrenzung aus unserer gewohnten Bubble herausgeholt. Wir mussten uns neu orientieren, neue Kontakte knüpfen und uns auf andere Strukturen einlassen.
Wir würden diesen Freiwilligendienst auf jeden Fall weiterempfehlen. Man sammelt nicht nur praktische Erfahrungen, sondern lernt viel über Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit und die eigenen Grenzen. Diese Zeit hat uns gezeigt, wie viel Wachstum außerhalb der eigenen Komfortzone möglich ist. Sie hat uns Geduld gelehrt, Offenheit und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Wir nehmen nicht nur Erinnerungen an Meer, Sonne und Karneval mit, sondern vor allem neue Perspektiven, Erfahrungen und Begegnungen, die uns nachhaltig prägen werden. Aruba ist für uns mehr geworden als nur ein Ort auf der Landkarte. Es ist ein Abschnitt unseres Lebens, an den wir gerne zurückdenken werden.
Viktoria und Pia‑Ricarda verbringen ihren Freiwilligendienst bei CEDE Aruba (Centro pa Desaroyo di Aruba), ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn ihr etwas Ähnliches wie Viktoria und Pia‑Ricarda erleben möchtet, schaut euch unsere Calls hier an.





