Julien-Toma in Balvi, Latvia // 2. Bericht

Manchmal erkennen wir die besten Dinge die wir haben erst wenn sie uns fehlen.

So geht es mir zumindest gerade mit dem richtigen Winter, während es bei uns langsam taut und heute sogar geregnet hat. Es ist einfach ein so viel ekligeres Wetter als die trockenen, hohen Minusgrade, die uns bisher den ganzen Winter begleitet haben. Aber die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn dir beim laufen die Wimpern gefrieren werde ich wohl immer im Kopf behalten.

Die letzten Wochen, ja praktisch die letzten 2 Monate waren wesentlich Energiegeladener, als der Dezember davor. Ich schätze mal nachhause zu fliegen und dabei seine Familie und all seine Freunde wieder zu sehen hat mir einfach die Energie und Motivation gegeben die ich gebraucht habe um wieder voll im Projekt dabei zu sein.

Aber ich hatte auch dafür gesorgt, dass mein Start in 2026 der absolute Hammer wird. Denn direkt an meinem Zweiten Wochenende zurück in meiner kleinen zweiten Heimat habe ich mich auf den Weg nach Riga auf eine Comic-Convention, die sogenannte Wintercon begeben. ^^

Ich hatte mich mit einer anderen deutschen Freiwilligen und ein paar anderen Freunden verabredet um gemeinsam im Kostüm auf die Messe zu gehen. Ich hatte sogar extra noch einige Kleidungsstücke organisiert um das ganze möglichst authentisch wirken zu lassen.

Und wie es auch nicht anders zu erwarten war, war das Wochenende der absolute Hammer. Ich glaube ich hatte selten in meinem Leben so unfassbar viel Spaß auf einem Event und war dabei zugleich in so grandioser Gesellschaft.

Die Tage haben wir als Duo oder Trio in den Hallen der Messe verbracht. Ob nun durch auslagen streifen, coole Cosplayer treffen, unsere Schmuck Vorräte auffüllen, lustige Sticker kaufen, K-Pop Tanzshows bestaunen oder D&D spielen, es gab mehr als genug zu tun und wir haben dabei auch versucht absolut nichts auszulassen. Ich habe es sogar geschafft mir 2 Tattoos aufsprayen zu lassen. Die sahen schon echt cool aus. 😀

Und die Abende habe ich dann mit ihr und ihrem Mitbewohner beim Schachspielen, quatschen, musikhören oder kochen verbracht. Ich hatte einfach eine grandiose Zeit mit den beiden.

Aber alles Gute endet einmal und so kam auch dieses wunderschöne Wochenende am Sonntagnachmittag zu einem Ende, als ich dann schließlich doch schwer beladen und mit noch schwererem Herzen in meinen Bus zurück Nachhause steigen musste.

Doch die Erinnerung bleibt und ich werde diesen besonderen Moment so lange ich kann in meine Herzen tragen, auch wenn die Entzugserscheinungen von einem so imposanten Event mir dann noch 2 Tage später zu schaffen gemacht haben. xD

Aber auch die Woche danach war nicht allzu langweilig. Wir hatten eine von Miris Freundinnen für die Woche zu Besuch und damit erstmal einiges an Gesprächsstoff und es war so schnell erstmal nicht Langweilig.

Das Einleben in den Alltag viel mir erstaunlich schwer. Ich habe bestimmt 3 Wochen gebraucht um meine Routine vollkommen wieder zu finden, doch ich finde das ist auch ganz in Ordnung, dafür bin ich jetzt mehr am Start denn je. ;D

Die Workshops der letzten Zeit haben sich auch, verglichen mit unseren früheren Werken, etwas aufgebessert. So hatten wir etwa eine ganze Menge Kochworkshops, die allen zu gefallen scheinen. Ich meine, wie soll einem das auch nicht gefallen, es gibt ja schließlich was zu essen. Aber wir versuchen auch ein wenig mehr interaktive Dinge einzubauen, so gab es etwa einen Kalender, Kerzen und Mafia (das ist ein Spiel, ähnlich dem deutschen Werwolf) Workshop, die alle ganz gut angekommen sind.

Damit haben wir uns auch, besonders In Vilaka, eine kleine Stammtruppe aufgebaut. Das es den Kids gefällt ist dabei wahrscheinlich die größte Belohnung die man mir je geben könnte.

Über die Wochenenden habe ich meist einen recht klaren Ablaufplan. Am Samstag fahre ich mit Miri in unsere Nachbarstadt, damit sie ihre Klavierstunden bei einer unserer gemeinsamen Freundinnen nehmen kann und wir dann mit besagter Freundin noch etwas unternehmen. So etwa, aber nicht ausschließlich: Eislaufen, Handstände, Lesen, Spazieren und einfach nur rumhängen und quatschen.

Am Sonntag geht es dann meist an meine Häuslichen Pflichten, wie Wäsche waschen, mein Zimmer reinigen, meine Wochenberichte für meine Familie und meine Koordinatorin schreiben sowie ins Fitnessstudio gehen. Diese Routine hat sich irgendwie ein wenig so eingespielt. Alle verbleibende Zeit nutze ich meist um zu lesen oder ein paar Spiele mit den Mädels zu spielen.

Ich habe mich auch erstaunlich gut an die alltäglichen Pflichten angepasst über die man sonst nie so wirklich nachdenkt. Sei es jetzt essen Kochen, Putzen, Wäsche waschen oder auch einfach nur die Kunst zu existieren und bei allen Veranstaltungen pünktlich zu sein (selbst wenn es sonst niemand ist xD). Ich schätze das heißt ich habe mich hier zumindest ein wenig weiterentwickelt und bin somit zu einem eigenständigeren Menschen geworden.

Aber auch an großen Events hat es uns hier in keiner Weise gemangelt. So etwa die Zeremonie zu Ehren der besonders engagierten Jugendlichen in der Region Ende Januar, bei der ich selbst mit den beiden Mädels 2 Auszeichnungen übergeben durfte. Danach habe ich als Teil der Crew mitgearbeitet um dafür zu sorgen, dass alle Verleiher auch tatsächlich die Namen der ausgezeichneten erhalten. 😀 Das war ganz cool, aber dann doch mehr Arbeit als Vergnügungsevent.

Außerdem unser unvergessliches Midterm Training, Anfang Februar, auf dem wir nochmal viele bekannte und unbekannte Freiwillige aus ganz Lettland kennengelernt haben. Ob nun bei Spieleabenden, einem penibel geplanten Programm, bei dem wir unseren Horizont erweitern durften; oder bei langen gemeinsamen Spaziergängen über den anliegenden gefrorenen See, Ausflügen zu einem Streifen zugefrorenen Meeres (Ich habe selten etwas so beeindruckendes gesehen), kleinen Schlitten-fahr Episoden am späten Abend oder einfachen Gesprächen bis tief in die Nacht über alles, nichts, die Welt und so viel mehr.

Für mich sind auf diesem Event mal wieder Freundschaften fürs leben Entstanden und ich hoffe jeder mit und nach mir wird dieselbe Erfahrung machen.

Der folgende Zetoni (sowas wie ein Abi tanz) unserer 12. Klasse, in der sich der Großteil unserer Freunde hier befindet, war einfach nur atemberaubend. Der Aufwand der in diesem Programm, den Tänzen, den Kostümen und selbst der Zeremonie steckten waren mit keiner mir bekannten Schulveranstaltung zu vergleichen. Es war wirklich einfach nur krass. Für gute anderthalb Stunden gab es Tänze und Unterhaltung, ohnegleichen.

Die Folgende Afterparty war dann eher nicht so mein Fall, auch wenn ich endlich mal wieder die Chance hatte meine Mentorin wieder zu sehen waren es einfach zu wenig Leute die ich tatsächlich kannte. Ich hatte trotz allem ein paar coole Gespräche, aber das Highlight war auf jeden Fall das Programm der Schüler.

Ich fange auch langsam an Tanzauftritte zu haben und ich möchte meinen ich schlage mich ganz gut. Es ist zwar noch verbesserungspotential da, aber mit vollem Kostüm und 15 anderen einen Tanz aufzuführen ist schon ein krasses Gefühl und ich bin wirklich dankbar für diese Möglichkeit.

Damit verabschiede ich mich aber auch schon wieder. Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in meine letzte Zeit gefallen, denn mir hat die Zeit auf jeden Fall Ultra viel Spaß gemacht. Die Ereignisse nehmen einfach immer weiter Fahrt auf und ich bin echt glücklich darüber wie gut sich alles entwickelt. Denn auch wenn es manchmal etwas anstrengend ist und ich oft müde oder erschöpft bin ist es doch eine einmalige Chance und ich werde sie voll auskosten.

Ata und bis Bald!
Julien

Julien-Toma verbringt seinen Freiwilligendienst bei NGO Kalmars, ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert .

Wenn du etwas Ähnliches wie Julien erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.