Darüber nachzudenken, dass bereits die Hälfte meines Freiwilligendienstes vorbei sein soll, eröffnet einen seltsamen Blick auf das Zeitgefühl der letzten Monate. Zum einen scheint es mir so als wäre ich gerade erst in Tbilisi aus dem Flugzeug gestiegen, um mein Auslandsjahr in Georgien zu beginnen, zum anderen, sind da all die neuen Erinnerungen, Begegnungen und Eindrücke, die bereits jetzt schon eine prägende Erfahrung darstellen und kaum in fünf Monate zu passen scheinen. Hier also ein Versuch die letzten Wochen zu skizzieren.
Um mit etwas Struktur zu beginnen, zunächst ein par Worte über meine Arbeit. Im Office fühle ich mich mittlerweile vollständig angekommen und, dank meiner Mitfreiwilligen und der DRONI Mitarbeiter, sehr wohl. Ich kenne die Abläufe, Regeln und Strukturen der NGO und habe Freude daran, neuen Herausforderungen auf Arbeit zu begegnen, denn arbeiten in DRONI erfordert oft eine gewisse Offenheit neuen und vielleicht ungewohnten Aufgaben gegenüber. So habe ich vor allem in Bezug auf meine technischen Fähigkeiten viel gelernt, da das Berichten über Workshops und Events auf sozialen Medien für die Präsenz der NGO unverzichtbar ist. Doch ich berichte nicht nur über Workshops von georgischen Mitgliedern DRONIs, sondern habe auch selbst die Möglichkeit, mich im Workshop-Format mit Themen, die mich interessieren, auseinanderzusetzen und schließlich vorzustellen. Dieser Arbeitsbereich führt regelmäßig dazu, mein Wissen zu erweitern und meine sozialen Kompetenzen zu verbessern, indem ich lerne, selbstbewusst und mit non-formalen Methoden, Workshops zu halten. Des Weiteren bringt die Arbeit in Ponichala, einem Jugendzentrum etwas außerhalb von Tbilisi, immer wieder Abwechslung in meinen Arbeitsalltag. Dort unterrichte ich nämlich deutsch und englisch, ebenfalls eher spielerisch und lerne stets mindestens genauso viel von meinen Schülern und Schülerinnen wie sie (hoffentlich:) von mir.
Ein weiterer sehr einnehmender und teilweise herausfordernder Arbeitspunkt der letzten Wochen war das Schreiben eines eigenen Erasmus+ Projektes. Es wurde uns freigestellt, ob wir uns daran versuchen wollen, selbst durch den Prozess des Projektschreibens zu gehen und motiviert startete ich mit zwei Mitfreiwilligen auch schon an Workshops über das Schreiben von Erasmus+ Projekten teilzunehmen. Unser Projekt hatte als Fokus die persönlichen und gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von Hassrede, ein Thema, das uns allen als besonders relevant erschien und so gelang es uns mit stetiger Hilfe einer Mitarbeiterin, die bei Fragen und Problemen tatkräftig zur Seite stand, tatsächlich, das Projekt pünktlich zur Deadline einzureichen. Der Arbeitsprozess und die Planung des Projektes hat definitiv dazu beigetragen, mich in Geduld und Ausdauer zu üben, mich tief in das Thema Hassrede einzulesen und vielschichtig über die verschiedensten Komponenten eines Jugendaustausches nachzudenken. Besonders spannend fand ich die Zusammenarbeit und Koordination mit internationalen Partnern, die sich für unser Projekt interessiert haben und jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob der Youth Exchange tatsächlich von der Europäischen Kommission bewilligt wird.
Soviel erst einmal zur Arbeit, denn unsere Freizeit lässt sich in der georgischen Hauptstadt natürlich ebenso gut verbringen. Nach wie vor genieße ich die Abende mit meinen Mitfreiwilligen und sammle stetig neue Freundschaften und wertvolle Begegnungen an Supra Tischen ein. Doch auch die Reiselust, sowohl für in Georgien als auch außerhalb hat mich in den letzten Monaten ergriffen und so war ich mittlerweile in Ozurgeti, einer kleinen Gemeinde im Westen Georgiens, um eine weitere ESC Freiwillige zu besuchen und die abgelegenen Gegenden Georgiens zu erkunden. Meine “Bucket-List” für Reiseziele in Georgien ist damit aber natürlich nicht abgehakt und ich freue mich nun umso mehr darauf, in den kommenden Monaten, vor allem bei wärmerem Wetter, auch weitere Orte in Georgien zu entdecken. Einen weiteren Abstecher habe ich mit zwei Freundinnen und Mitfreiwillige nach Usbekistan gewagt, da uns nur das kaspische Meer von dem zentralasiatischen Land trennt, entschieden wir uns kurz nach Neujahr für ein kleines Abenteuer. Die kulturellen Eindrücke und Erfahrungen von dort werden mich ebenfalls noch lange begleiten und bereichern.
Zusammenfassend bleibt mir also nur die Freude auf den zweiten Teil meines Freiwilligendienstes, denn ich bin motiviert sowohl auf Arbeit als auch in meiner Freizeit weiterhin neue Perspektiven, Herausforderungen und Erfahrungen zu sammeln, hier in meiner mir bereits ans Herz gewachsenen neuen kleinen Heimat Georgien.
Valentine verbringt ihren Freiwilligendienst bei DRONI, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
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