Vom angenehm-warmen und sonnigen Spätsommer in Skopje zurück in den feucht kühlen Herbstbeginn im Südwesten Deutschlands – oder in anderen Worten: Meine beinahe elf Monate Freiwilligendienst in Nordmazedonien sind zu Ende gegangen. Mit unglaublich vielen Erinnerungen im Gepäck und neuen Menschen und Orten in meinem Herzen habe ich mein Projekt im Volunteers Centre Skopje (VCS) zu Ende gebracht und bin zurück nach Deutschland gereist. Im vergangenen Jahr viele Mitfreiwillige willkommen geheißen und verabschiedet, dass mir mein eigner Abschied noch immer surreal erschienen ist. Doch als ich in Vorbereitung auf diesen Bericht mein Notizbuch voller festgehaltener Momente und Begegnungen aus meiner Zeit in Skopje aufgeschlagen habe, hat mich die Erkenntnis eingeholt: die elf vergangenen Monate sind tatsächlich geschehen und sie waren so schön und bunt wie nie zuvor.
Ganz besonders bunt durchmischt waren auch die letzten drei Monate in Skopje. Der Juni hat den Sommer mit all seiner strahlenden Energie eingeläutet. Die Stadt war belebt und gefüllt von der Musik zahlreicher Festivals und Konzerte, von denen wir einige besucht haben. So wie die Tage länger wurden, haben wir zu Beginn des Sommers, vor Einbruch der Hitzewelle viel Zeit zusammen in den Cafés im alten Basar verbracht und haben viele lauwarme abendliche Spaziergänge genossen. Vor den immer weiter steigenden Temperaturen in der Hauptstadt bin ich gegen Ende des Monats dann für zwei Wochenenden erst in den Nationalpark Mavrovo und dann meine Lieblingskleinstadt Prilep ausgewichen. Zwischen all diesen Erlebnissen habe ich im Büro auch endlich die Zeit gefunden meinen dritten, aber ersten allein organisierten und durchgeführten Workshop zu veranstalten. Dieser Nachmittag zum konstruktiven Umgang mit Nachrichten hat mir erneut unter Beweis gestellt, wie besonders und inspirierend es ist, sich mit anderen jungen Menschen zusammenzutun und gemeinsam voneinander zu lernen. Im Juli hat sich mit dem European Youth Olympic Festival (EYOF), das dieses Jahr in Skopje stattgefunden hat, auch gleich eine Chance ergeben diese Erkenntnis auf viel größerer Ebene zu erfahren.
In den Wochen vor den zehn Tagen der Sportveranstaltung haben wir bei der Vorbereitung verschiedener Gruppen von Freiwilligen auf ihren Einsatz beim EYOF geholfen. Dabei war unsere Organisation hauptsächlich für die Versorgung und Koordinierung von über 30 ESC-Kurzzeitfreiwilligen aus ganz Europa und darüber hinaus verantwortlich. Von den ersten On-Arrival Trainings bis zur feierlichen Übergabe der Abschlusszertifikate, war es eine besondere aber auch sehr intensive Zeit mit dieser wunderbaren, bunten Truppe. Diese unfassbar ereignisreichen Wochen, waren eine echte, aber auch eine willkommene Herausforderung über die die sowieso schon rasende Zeit nur so davonzufliegen schien. Und schon stand der August vor der Tür und damit ein ganzer Monat voller Abschiede.
Jede Woche Abschied von Mitfreiwilligen, Mitbewohnern, Freunden und letzten Endes Herzensmenschen zu nehmen, war nicht einfach, gerade weil darunter auch die allgemeine Stimmung stets einen traurigen Unterton hatte. Auch wenn es dadurch nicht immer einfach war im Moment zu bleiben und nicht gedanklich in der Zukunft oder Vergangenheit zu verweilen, haben wir unsere letzte gemeinsame Zeit in Skopje noch einmal voll ausgekostet. Ich habe versucht mir bewusst Zeit für die Menschen zu nehmen, die mir ans Herz gewachsen sind, und all die Seiten von Skopje zu erleben, die ich zu lieben gelernt habe. Der letzte Monat war gefüllt mit dem Geschmack von Kaffee, dem Geruch der von Grass und Gewässern bei Dämmerung ausgeht und dem Geräusch von geteilten Worten. Im Büro habe ich meine angefangenen Projekte zu Ende gebracht: ich habe zum letzten Mal den Buchclub mitorganisiert, der jetzt bei meiner Mitorganisatorin in guten Händen ist, und zwei Artikel fertiggeschrieben, die in den letzten Monaten noch nicht zur Veröffentlichung bereit waren. Natürlich habe ich auch noch einen letzten Workshop veranstaltet, ein Anliegen, das mir sehr am Herzen lag. Es ist erstaunlich zu sehen, dass etwas das mir vor Beginn des Projekts beängstigend vorkam, jetzt zu einer meiner liebsten Aktivitäten und etwas, das ich unbedingt fortsetzen möchte, geworden ist. Mit dem Thema des Workshops, Inspiration, hat sich für mich der Kreis der positiven gegenseitigen Einflussnahme für mich geschlossen, der für mich an diesem Ort begonnen hat. Genau so wie mich dieser Ort und die Menschen, denen ich dort begegnet bin, inspiriert haben über mich hinauszuwachsen, hoffe ich damit meinen Beitrag dazu geleistet zu haben, das Bewusstsein dafür geschärft zu haben wie wir uns alle gegenseitig inspirieren und auf positive Weise beeinflussen können.
Manchmal braucht es nicht viel für positive Veränderung. Ich habe dafür nur ganz zufällig und noch nichts ahnend den für mich richtigen Ort auf einer Karte von Europa angeklickt und bin so zum Bewerbungsportal für den Freiwilligendienst gekommen, der die unglaublichste Erfahrung meines Lebens geworden ist. Rückblickend bin ich einfach nur dankbar die Möglichkeit gehabt zu haben, diese Zeit mit diesen Menschen zu verbringen. Zurück an dem Ort zu sein, den ich schon immer mein zu Hause genannt habe und an den Ort rund 1300 km entfernt zu denken, der mein zu Hause geworden ist, erfüllt mich einerseits mit Wärme und Freude, aber auch etwas Traurigkeit und Sehnsucht. Aber in jedem Fall lässt dieser Gedanke mich auch voller Vorfreude und Tatendrang in die Zukunft blicken. Am Anfang meiner Reise mit diesem Projekt stand ich zum ersten Mal vor einer Zukunft, die mir völlig unbekannt war, und habe mich gefragt, wie ich diese Zeit überstehen werde. Mit dem Wissen wie viel ich in den vergangenen elf Monaten gewachsen bin, wie mein Blick sich geweitet hat und ich aus mir selbst herausgekommen bin, stehe ich erneut vor dem nächsten Kapitel, einer ungewissen Zukunft – und dies im besten Sinne.
Sophia verbringt ihren Freiwilligendienst im Volunteer Centre Skopje, ihr Projekt wird ko-finanziert von der Europäischen Union.
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