Sonja in Blanes, Spanien // 1. Bericht

Neben den zahlreichen neuen Eindrücken und Erfahrungen, die ich in den vergangenen zweieinhalb Monaten sammeln durfte, habe ich viele bereichernde Gespräche führen und mich vielseitig austauschen können. Besonders die kulturellen Einblicke haben mein Interesse geweckt und mich schon jetzt viel über Sprache, Traditionen, Politik, Kulinarik und die Menschen Kataloniens lernen lassen. Doch beginnen wir von vorne.

Meine Ausreise nach Spanien startete Anfang Oktober. Nach einer langen Fahrt mit Bus und Bahn kam ich eines Abends erschöpft, aber voller Vorfreude in Blanes an. Blanes ist eine Küstenstadt an der spanischen “costa brava”. Sie beherbergt ungefähr 40.000 Einwohner und ist Teil von Katalonien. Die ersten Tage waren bewusst ruhig und entgegenkommend gestaltet, sodass ich Zeit hatte, anzukommen, durchzuatmen und alles auf mich wirken zu lassen. Relativ schnell habe ich dann auch meinen neuen Wohnort als auch meinen Arbeitsplatz kennengelernt: den botanischen Garten Marimurtra.

Das Ankommen war zunächst mit sehr viel Input verbunden, insbesondere durch die zahlreichen Informationen rund um den Garten. Die Verantwortlichen nahmen sich jedoch viel Zeit für meine Mitfreiwillige und mich. Uns wurden die verschiedenen Bereiche des Gartens gezeigt, wir erfuhren viel über die Geschichte und Vision von Karl Faust und konnten jederzeit Fragen stellen.

Auf diese Weise lernte ich auch schnell viele Mitarbeitende kennen, von meiner Mentorin und der Koordinatorin über die Gärtner bis hin zu den Büroangestellten. Darüber hinaus wurde stets auf unsere persönlichen Anliegen eingegangen und großer Wert auf Integration gelegt. Das hat nicht nur Druck abgenommen, sondern machte die Eingewöhnung deutlich angenehmer.

Inzwischen hat sich ein klarer Arbeitsalltag für mich etabliert. Ich arbeite fünf Tage die Woche, davon drei Tage im Garten und zwei Tage im Büro. Die Gartenarbeit war meine erste praktische Tätigkeit hier, weshalb ich es als sehr angenehm empfand, zunächst draußen zu starten und dort meine ersten Erfahrungen zu sammeln.

Der botanische Garten Marimurtra ist in drei große Bereiche unterteilt, für die jeweils unterschiedliche Teams zuständig sind. Wir rotieren wöchentlich zwischen diesen Bereichen, was für viel Abwechslung sorgt und es ermöglicht, immer wieder mit neuen Menschen zusammenzuarbeiten.

Im Garten durfte ich bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben übernehmen, vom Einpflanzen neuer Pflanzen über den Umgang mit dem Häcksler bis hin zum Bedienen eines Mini-Krans, um eine Strelitzie von ihren abgestorbenen Blättern zu befreien (und eventuell die Aussicht zu genießen). Weitere Aufgaben waren Instandhaltungsarbeiten in der garteneigenen Werkstatt, die Renovierung eines alten Gewächshauses sowie die Einrichtung eines Neuen und die Erneuerung von Tomatenhochbeeten.

Mindestens genauso abwechslungsreich gestaltet sich die Arbeit im Büro. Neben wiederkehrenden Aufgaben wie der Vogelbeobachtung, dem Überprüfen von QR-Codes und dem sogenannten Blackboard-Projekt, gibt es auch saisonale und einmalige Tätigkeiten. Zu den Saisonalen gehören das Extrahieren und Konservieren von Kürbiskernen und das Befüllen der Vogelfutterbehälter, wobei die Veranstaltung zu Ornithologie und das Feuerschutztraining zu Präventions- und Evakuierungsmaßnahmen zu den einmaligen Ereignissen gehören.

Ich freue mich sehr sagen zu können, dass ich mich mittlerweile in beiden Arbeitsbereichen wohl und gut aufgenommen fühle. Die Mitarbeitenden sind herzlich, offen und unterstützend. Die Arbeitsbelastung für uns Freiwillige ist gut angepasst und insgesamt sehr schonend, was zu einer angenehmen und entspannten Arbeitsatmosphäre beiträgt. Inzwischen verstehe ich auch die Abläufe im Arbeitsalltag gut und kann mich sicher orientieren.

Natürlich gab es auch kleinere Herausforderungen, die sich jedoch auf ein Minimum beschränken. Dazu gehörten lästige Mücken, schmerzende Dornen und sprachliche Hürden. Während Mücken und Dornen nur eine vorübergehende Rolle spielten, bleibt die Sprache weiterhin eine Herausforderung. Trotz meiner Vorkenntnisse im Kastilischen (Spanisch) lässt sich Katalanisch nicht einfach daraus ableiten, da es sich eben nicht um einen Dialekt, sondern um eine eigenständige Sprache handelt. Mithilfe des Katalanisch-Sprachkurses geht es Schritt für Schritt voran.

Womit es jedoch gut voran geht, sind die regelmäßigen Reflexionsgespräche und die Unterstützung durch meine Mentorin. Sie kümmert sich intensiv um unsere Integration und organisiert vieles, ob Anliegen in unserer Wohnung oder alltägliche Dinge, wie zum Beispiel der Suche nach einem Fußballverein. So habe ich hier wieder mit dem Fußballspielen begonnen und zudem Origami für mich entdeckt. Tagestrips nach Barcelona und Girona sowie Museumsbesuche, Feste und Stadtführungen habe ich auch schon unternehmen dürfen.

Rückblickend erkenne ich bei mir eine deutlich steigende Lernkurve. Ob persönlich, beruflich oder kulturell, es ist unglaublich toll zu sehen, wie viel ich in dieser Zeit bereits lernen durfte und weiterhin lernen kann.

 
 
 

Sonja verbringt ihren Freiwilligendienst bei Marimurtra Botanical Garden, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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