Lilia in Blanes, Spanien // 1. Bericht

Die Anreise nach Blanes war für mich ein kleines Abenteuer. Ich bin mit dem Auto gefahren und musste leider unterwegs einen Zwischenstopp in der Werkstatt einlegen. Nachdem aber sicher war, dass mein Auto repariert werden kann, konnte ich die Reise genießen und es war eine gute Gelegenheit einfach mal durchzuatmen. Ich übernachtete in einem Vorort von Dijon, bevor ich weiter nach Blanes fuhr. Bei meiner Ankunft wurden wir sehr herzlich von unserer Mentorin Gisela empfangen. Sie hatte ein kleines Starterpaket vorbereitet, inklusive einem Rezept für ein typisches katalanisches Gericht.

Ich wollte den Freiwilligendienst anfangen, weil ich irgendwie immer das Gefühl hatte, dass mir etwas fehlt. Ich wollte einfach mal erleben, wie es ist, im Ausland zu leben, besonders in einem Land wie Spanien. Die Sprache hat mich schon lange interessiert und da ich vorher nie die Chance hatte Spanisch zu lernen, war das jetzt die perfekte Gelegenheit. In Kombination mit der Freiwilligenstelle im Botanischen Garten war es einfach perfekt für mich, weil ich ein großes Interesse für Pflanzen entwickelt habe und mich mein Job im Büro nicht mehr erfüllt hat.

Meine Arbeit im botanischen Garten teile ich mit Sonja, einer anderen Freiwilligen aus Deutschland. Drei Tage pro Woche arbeiten wir mit den Gärtnern im Garten. Der Garten ist in drei Bereiche aufgeteilt, so arbeiten wir jede Woche mit anderen Pflanzen und übernehmen neue Aufgaben. Die Aufgaben wechseln sich immer wieder ab, beispielsweise jäten wir Unkraut, schneiden Pflanzen für den Winter zurück, bereiten Kompost auf und pflanzen kleine Ableger. Das Pflanzen von Stecklingen gehört dabei zu eine meiner Lieblingsaufgaben, weil es sehr beruhigend ist. Wir haben auch schon ein altes Gewächshaus geräumt und beim Umzug der Pflanzen in ein neues Gewächshaus geholfen. Zudem haben wir Tomaten-Hochbeete für die Saat nächstes Jahr vorbereitet. Eine Aufgabe, die ich aus nachhaltiger Sicht besonders interessant fand, war das Zerkleinern alter Pflanzenreste, die wir anschließend als Mulch verwendeten. So werden die Nährstoffe optimal genutzt und die Pflanzenreste wiederverwertet.

Die anderen zwei Tage verbringen wir im Büro. Dort sammeln wir Daten bei der Vogelbeobachtung darüber, wie die Vögel mit dem Garten interagieren. Unsere Beobachtungen geben wir dann an das Projekt „Ocells dels Jardins“ weiter, wo Wissenschaftler*innen sie auswerten, um die Vogelarten in den Gärten zu untersuchen und deren Vorkommen über die Zeit zu beobachten. Zusätzlich gestalten wir Blackboards für die Besucher, mit dem Ziel wissenschaftliche Themen möglichst visuell an die Besucher weitergeben zu können. Wir bereiten Stecklinge für Schulkinder vor oder extrahieren Kürbissamen für das nächste Jahr. Besonders die Vogelbeobachtung macht mir Freude, weil sie ein schöner und entspannender Start in den Morgen ist und ich dabei langsam immer mehr Vogelarten erkenne.

Natürlich gab es auch Herausforderungen. Mein Körper war anfangs nicht daran gewöhnt, wieder körperlich zu arbeiten, wodurch ich ein paar Mal krank wurde. Dazu kommt, dass die Verständigung manchmal schwierig ist, weil die Gärtner nicht so gut Englisch sprechen und ich noch kein gutes Spanisch. Dank Sonja klappt die Kommunikation aber meistens gut. Die ersten zwei Wochen waren persönlich am schwersten, besonders die Wochenenden, weil ich noch niemanden kannte und mich einsam fühlte. Die Arbeit gab mir in dieser Zeit einen schönen Rückhalt, und über Gruppen und Apps konnte ich schnell neue Kontakte knüpfen, in der ruhigen Stadt Blanes ist das besonders hilfreich. Insgesamt fühle ich mich sehr gut aufgehoben, da die Menschen im Garten alle offen, freundlich und hilfsbereit sind.

Anfang Oktober konnte ich sogar noch schwimmen gehen. Außerdem besuchte ich mit Erasmus-Studenten das Fest „The Fires of Sant Narcís“ in Girona. Dort habe ich zum ersten Mal einen Human Tower gesehen und ein Correfoc, den sogenannten „Feuerlauf“. Beim Correfoc verkleiden sich Menschen als Teufel, tragen Feuerwerkskörper und rennen durch die Straßen, während das Publikum den Funken und Feuerfontänen ausweicht. Die Stimmung war laut, voller Adrenalin und ein unvergessliches Erlebnis. Besonders überrascht hat mich, wie präsent Katalanisch ist, und ich habe mich über die Einblicke in die Kultur gefreut

Auch der milde Winter hier ist angenehm, da die Sonne trotz der kühleren Temperaturen für ein positives Gefühl sorgt. Außerdem gehe ich regelmäßig zu Techno-Events in Barcelona, was mir viel Spaß macht und eine gute Möglichkeit bietet, neue Leute kennenzulernen. Im November habe ich auch meinen ersten Roadtrip mit einer Freundin nach Valencia gemacht. Die Stadt und das Wetter haben mir sehr gefallen, und der Ausflug war eines meiner Highlights der letzten Wochen.

Insgesamt habe ich gelernt, dass es am Anfang wichtig ist, nicht zu hart zu sich selbst zu sein, wenn man sich einsam fühlt. Man lernt sich selbst kennen, findet nach und nach Anschluss und baut Routinen auf. Ich freue mich darauf, weiterhin neue Erinnerungen zu sammeln, Freundschaften zu schließen, mein Spanisch zu verbessern und noch viele Roadtrips zu unternehmen. Der Freiwilligendienst in Blanes war bisher die absolut richtige Entscheidung.

 
 

Lilia verbringt ihren Freiwilligendienst bei Marimurtra Botanical Garden, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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