„Verstehst du, was er sagt?“ „Nein, keine Ahnung. Lächle und nicke einfach.“
Ich glaube, diese Worte habe ich in den letzten Wochen so oft wiederholt, dass es eigentlich schon ein persönlicher Inside-Joke geworden war.
Wenn ich morgens mit einer anderen Freiwilligen im Kindergarten ankomme und den Kindern laut „Hello“ zurufe, dann scheint es eine Art Startschuss für sie zu sein, uns alles zu erzählen, was in ihrer kleinen Welt passiert ist. Meistens verstehen weder ich noch meine Freundin, was genau sie uns jetzt so dringend mitteilen wollen.
Aber sie sind so unglaublich niedlich dabei, dass wir darüber hinwegsehen können, wenn sie statt des englischen Wortes zu wiederholen, uns zum sechsten Mal erzählen, dass sie eine Katze zu Hause haben. Oder dass sie unsere Stunde langweilig finden. Oder wann der Englischunterricht vorbei ist. Oder dass sie etwas anderes machen wollen – wie gesagt, ihr Niedlichkeitsfaktor lässt mich darüber hinwegsehen, dass ihr größtes Interesse meistens darin besteht, mich mit Umarmungen zu überwältigen.
Als ich mit den Stunden vor zwei Monaten begann, da war ich mir noch sicher, dass sie kaum etwas lernen würden. Doch umso stolzer macht es mich, wenn sie so viele Vokabeln, die wir ihnen vor Wochen beigebracht haben, wie aus den Kanonen geschossen durch den Raum schreien – ja, schreien. Für die frühe Stunde haben sie meist viel zu viel Energie.
Umso interessanter ist es, dass nicht nur sie von dem Unterricht profitieren, sondern auch ich unglaublich viel Türkisch durch sie lerne. Jetzt fragt man sich, wie kann das funktionieren? Naja, ganz einfach: Sie korrigieren mich einfach ständig!
Ja, ist wirklich so passiert. Da sitze ich mit einer Gruppe Kinder am Tisch und versuche, ihre Stimmen runterzukurbeln, und – natürlich – fehlt mir das Wort. Da teilt mir eine Vierjährige mit, dass es nicht „Sakin“ (ruhig) heißt, sondern „Susun“ (seid leise). Und tatsächlich, auf einmal sind alle leise. Unglaublich. Also vielen Dank an das kleine Mädchen, das unweigerlich meine Türkischlehrerin geworden ist.
Obwohl ich vielleicht nicht das größte Naturtalent bin, wenn es darum geht, gut mit Kindern zu sein, würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass ich sie nicht alle in mein Herz schließe, wenn sie mir nach jeder Stunde zurufen: „Komm wieder!“
Ich glaube, mein Ich vor zwei Monaten würde nicht glauben, dass ich jemals so etwas sagen würde, aber ich bin froh, dass es so gekommen ist. Denn ich glaube, ich würde die Englischstunden im Kindergarten vermissen, hätte ich sie nicht getan. Denn während ganz sicher nicht alles immer perfekt läuft und die Kinder nicht immer kleine Engel sind, habe auch ich eine Menge durch sie gelernt. (Ja, Acrylfarbe lässt sich wirklich nicht von nagelneuen Klamotten entfernen.)
Mein Sprachunterricht fiel mir am Anfang noch viel schwerer als der im Kindergarten. Denn tatsächlich ist es ziemlich schwer, anderen eine Sprache beizubringen (wer hätte das gedacht?). Ich war so fokussiert darauf, alles perfekt zu machen, dass ich ganz vergaß, dass es viel mehr Spaß macht, wenn man nicht immer alles zu ernst nimmt.
Jetzt heißt das nicht, dass man schludern sollte, aber ein oder zwei Witze mit den Teilnehmern brechen das Eis, und auf einmal fühlt man sich nicht mehr wie eine inkompetente Lehrerin. Auf einmal bieten dir deine Teilnehmer an, dir Türkisch beizubringen, und ihr verbringt eine halbe Stunde damit, die Früchte nicht nur von Englisch auf Deutsch zu übersetzen, sondern auch auf Türkisch.
Danach spielen wir Bingo und alle lachen. Und auf einmal endet ein anstrengender Tag mit viel Spaß und Kameradschaft. Auf einmal fühlt es sich ein bisschen mehr nach zu Hause an, und man freut sich bereits auf die nächste Woche.
Meistens ganz oben, einfach zu greifen und einfach wieder zu verstecken, liegen Katzenleckerlis in meiner Handtasche. Das ist nun schon meine zweite Packung, die ich hier kaufe, und ich befürchte, es werden noch viele mehr werden.
Während ich mir sicher bin, dass die meisten Straßenkatzen sehr gut gefüttert werden (man sieht es ihnen deutlich an), wissen die kleinen Racker ganz genau, was bei uns Menschen funktioniert. Und ich meine – sie sind so niedlich, wie könnte ich ihnen da widerstehen?
Ich glaube, ich streichle etwa drei bis vier Katzen pro Tag, mittlerweile kenne ich alle Katzen, die es so in unserer Nachbarschaft gibt, und ich bin mir ziemlich sicher, sie kennen mich mittlerweile auch. Denn ein „psst psst“ hören sie, glaube ich, jeden Tag von mir.
Manchmal jedoch jucken meine Augen, ich höre nicht auf zu niesen und irgendwie schwillt mein Gesicht so an? Ist wahrscheinlich nur meine Einbildung! (Ich bin allergisch.)
Neuerdings sind zu den Katzenleckerlis auch, welche für Hunde dazugekommen – wenn es so weitergeht, dann renne ich bald wahrscheinlich mit einem Koffer voller Tierfutter herum.
Und wenn ich ehrlich bin, dann ist dies einer meiner neuen Lieblingsalltagsroutinen in der Türkei geworden. Also, wenn ihr jeden Tag Katzen streicheln wollt, bis euch die Hände abfallen, dann kommt einfach in die Türkei! (Der Freiwilligendienst ist auch ziemlich cool.)
Shayen verbringt ihren Freiwilligendienst bei PiYA, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Shayen erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.






