Vor etwa einem Jahr habe ich mich entschieden, mich für ein ESK-Projekt zu bewerben. Ich hatte das Bedürfnis, aus meinem gewohnten Alltag auszubrechen, etwas Neues zu erleben und dabei ein anderes Land, eine fremde Kultur und viele inspirierende Menschen kennenzulernen. Ich wollte etwas Sinnvolles tun, Neues lernen und mich selbst herausfordern – und genau das ist mir während meiner zwei Monate im Kosovo gelungen.
Ich verbrachte meine Zeit in Boževce, einem kleinen serbischen Dorf, wo ich gemeinsam mit der NGO GAIA Kosovo lebte und arbeitete. Dort durfte ich unglaublich viel lernen – über das Gärtnern, die Pflege von Nutzpflanzen, über Kompostieren und Mulchen, und am Ende auch über das Pflanzen und Pflegen von Bäumen. Außerdem lernte ich, mit natürlichen Materialien wie Sand, Lehm und Wasser zu arbeiten, was mir ein neues Verständnis für nachhaltiges und ressourcenschonendes Leben gegeben hat.
Das Leben auf dem Land war für mich eine völlig neue Erfahrung und ein starker Kontrast zu meinem Alltag in der Großstadt. Alles war einfacher, aber gleichzeitig intensiver. Besonders spannend fand ich die Vorbereitungen auf den Winter – Feuerholz hacken, Lebensmittel haltbar machen, Dächer abdichten, Tiere versorgen. Man spürt dort, dass die Jahreszeiten das Leben wirklich bestimmen. Dieses Bewusstsein für den Rhythmus der Natur habe ich sehr geschätzt. Ich mochte die körperliche Arbeit draußen und die Abende am warmen Ofen, wenn wir gemeinsam gekocht oder einfach nur geredet haben. Danach bin ich abends mit einem guten Gefühl ins Bett gegangen, weil ich wusste, dass ich etwas mit meinen eigenen Händen geschaffen hatte.
Besonders gut hat mir gefallen, dass ich mein Handy kaum benutzt habe – nicht nur, weil es in unserer Unterkunft kein Internet gab, sondern weil ich es schlicht nicht gebraucht habe. Ohne ständige Ablenkung habe ich die Natur, die Stille und die Gemeinschaft viel bewusster wahrgenommen und das Gefühl genossen, wirklich da zu sein.
Ein Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war ein starker Schneesturm, der viele Äste abbrechen und einige Bäume zerstören ließ. Erst da wurde mir richtig klar, wie verletzlich die Natur ist und wie eng unser Leben mit ihr verbunden bleibt. Dieses Erlebnis hat in mir ein großes Interesse an Klimaforschung und Umweltschutz geweckt, und ich überlege nun, in diesem Bereich beruflich Fuß zu fassen.
Während meiner Zeit in Boževce durfte ich viele tolle Menschen kennenlernen, die im Rahmen unterschiedlicher Projekte zu Besuch waren. Durch das gemeinsame Arbeiten, Kochen und Leben sind enge Freundschaften entstanden. Ich habe gelernt, für größere Gruppen zu kochen, mit einfachen Zutaten kreativ umzugehen und dabei viele leckere Gerichte aus dem Balkan kennengelernt.
Sprachlich hatte ich kaum Barrieren, da vor Ort fast alle sehr gut Englisch gesprochen haben. Trotzdem habe ich großes Interesse daran, Serbisch zu lernen, um mich bei meinem nächsten Besuch auch mit den Nachbarn, die wir häufig besucht haben, ohne Übersetzung unterhalten zu können. Ich habe gemerkt, wie herzlich und offen die Menschen dort sind, und es wäre schön, mich beim nächsten Mal direkter austauschen zu können.
Was mich an diesem Projekt besonders berührt hat, war das Gefühl von Gemeinschaft. Wir haben miteinander gelebt, gelacht, gearbeitet – und uns gegenseitig unterstützt, wenn etwas nicht so lief. Daher würde ich mich jederzeit wieder für einen Freiwilligendienst bei der NGO GAIA Kosovo entscheiden, weil aus Kolleginnen Freundinnen geworden sind und ich dort Menschen getroffen habe, die mich wirklich inspiriert haben.
Der Abschied ist mir ehrlich gesagt schwer gefallen. Nach zwei Monaten im ruhigen, einfachen Leben auf dem Land wieder in die Hektik der Großstadt zurückzukehren, war nicht leicht. Die Entschleunigung in Boževce hat mir unglaublich gutgetan – das Arbeiten im Rhythmus der Natur, die klaren Tage, die stillen Abende und das einfache, zufriedene Leben ohne ständige Ablenkung.
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, bin ich einfach dankbar. Ich habe gelernt, im Einklang mit der Natur zu leben, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die kleinen Dinge wertzuschätzen – das gemeinsame Essen, den Duft von frisch gebackenem Brot, den Schnee, der in der Sonne glitzert. Mein Aufenthalt im Kosovo hat mir nicht nur neue Fähigkeiten vermittelt, sondern auch meine Sicht auf das Leben verändert. Ich bin ruhiger, achtsamer und motivierter geworden, meinen Weg weiterzugehen – mit einem tieferen Bewusstsein für Umwelt, Gemeinschaft und Einfachheit.
Sarina verbringt ihren Freiwilligendienst bei GAIA, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Sarina erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.
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