Romy in Vouzela, Portugal // Abschlussbericht

Meine Zeit in Portugal verging so schnell – es fühlte sich an wie höchstens zwei Wochen.
Und doch sitze ich jetzt in unserer Unterkunft, soll meinen finalen Report schreiben, die Koffer sind gepackt und wir sind mehr oder weniger bereit für die Abreise.

Der letzte Arbeitstag ging schnell vorbei: Zusammen mit einem Koordinator der Organisation mussten wir ein letztes Mal in unser Waldstück, um zu zeigen, was wir in den letzten zwei Monaten gemacht haben. Dabei sahen wir noch einmal, was wir alles erreicht haben und welchen Einfluss unsere Arbeit wirklich hat.

Ich habe mich für den ESK beworben, um aus meiner Komfortzone herauszutreten und neue Erfahrungen zu sammeln – beides habe ich auf jeden Fall geschafft. Nicht nur bin ich alleine mit all meinen Sachen nach Portugal geflogen, um mit zwei Mädels zusammenzuleben, die ich erst einmal gesehen hatte, sondern auch an einen Ort, der so klein ist, dass keiner, den ich kenne, jemals dort war oder überhaupt davon gehört hat.

Ich hatte mir gewünscht, viele neue Leute kennenzulernen. Leider waren wir in den zwei Monaten dann doch nur zu dritt, die hier arbeiteten, und in unserem Dorf war weit und breit niemand zu sehen. Das entsprach natürlich nicht unseren Vorstellungen, aber umso enger sind wir zusammengewachsen und haben uns unglaublich schnell super angefreundet.

Meine schönste Erinnerung ist definitiv eine Aktivität, bei der wir mit der Organisation campen waren. Wir packten all unsere Sachen zusammen und fuhren los – ohne eine Ahnung, wohin wir fahren, wie viele Menschen wir betreuen oder welche Arbeit wir mit ihnen erledigen sollten.

Nach etwa 45 Minuten kamen wir an einem kleinen See an, umgeben von Hügeln, auf denen riesige Steinhaufen zu sehen waren. Danach hatten wir einen geführten Spaziergang, bei dem wir etwas über die Steinformationen gelernt haben, die unter anderem ehemalige Häuser waren. Besonders hat mir das Beisammensein mit den anderen Teilnehmenden gefallen, die uns bei allem helfen wollten, zum Beispiel beim Essen.

Auch unsere kurzen Trips nach Porto, Aveiro und Lissabon waren sehr schön – dort konnten wir viel über die Kultur lernen.

In meiner Zeit hier habe ich auf jeden Fall gelernt, wie stark die Waldbrände den Wald zerstören und wie schwer es ist, die Schäden wieder aufzuarbeiten. Die invasiven Arten, die hier wachsen, erhöhen die Gefahr von Waldbränden enorm. Deshalb ist es wichtig, sie zu kontrollieren, um das Risiko zu minimieren.

Außerdem habe ich gelernt, dass eine Sprachbarriere nichts Schlimmes ist – egal, wie gut oder schlecht man sich verständigen kann, es ist den Versuch wert, und Kommunikation kann trotzdem gut und wertvoll sein.

Da wir fast immer das Gleiche gemacht haben und unsere Arbeit dadurch sehr eintönig war, war es umso schöner, dass wir zusammen waren und uns gegenseitig aufmuntern konnten, selbst wenn wir mal keine Lust hatten.

Das, was mir am wenigsten gefallen hat, war, dass wir fast gar keine Abwechslung in unserer Arbeit hatten. Meistens beschäftigten wir uns mit der invasiven Art Akazie, bei der wir die Rinde bis etwa 80 cm über dem Boden abschälten, damit die Bäume absterben und wir die Art langfristig eindämmen konnten.

Die einzige wirkliche Abwechslung war, diese Arbeit an einem anderen Ort zu machen oder etwas für die Organisation aufzuräumen oder zu putzen.

Am besten hat mir gefallen, dass ich in den zwei Monaten die Kultur kennenlernen durfte und viele verschiedene Gerichte probieren konnte. Die Portugiesen essen zwar viele Gerichte aus Brot, Käse und Fleisch, aber es war trotzdem schön, alles einmal zu probieren und die Empfehlungen auszutesten.

Außerdem habe ich gelernt, dass es hier üblich ist, zu spät zu kommen, um dem Gastgeber mehr Zeit zu lassen, und dass man in geschlossenen Räumen auf keinen Fall einen Schirm öffnen darf, weil das Unglück bringt.

Der Freiwilligendienst hat mir geholfen, zu reflektieren, ob ich etwas in diese Richtung machen möchte. Vorher hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Forstwirtschaft zu studieren, und mein Interesse wurde bestärkt.

Für mich selbst habe ich gelernt, nicht immer alles so ernst zu nehmen, im Moment zu leben und zu verstehen, dass die Gedanken, die man über eine Situation hat, stark beeinflussen, wie man sich in ihr fühlt.

Es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert, einen Freiwilligendienst zu machen. Man lernt so viel Neues und bekommt so viele Eindrücke.

Meine Erfahrung mit der Organisation war insgesamt gut, aber die Organisation selbst hätte besser sein können. Mir hat es gefallen, an den Aktivitäten teilzunehmen und anderen zu zeigen, was wir tun.

Allerdings fühlten wir uns dabei oft ausgeschlossen – wegen der Sprachbarriere oder weil man uns erst auf Nachfrage erklärte, was wir machen sollten. Der Wochenplan war grundsätzlich eine gute Idee, aber es gab oft spontane Änderungen oder zu wenig Informationen, z. B. welche Akazien wir bearbeiten sollten.

Insgesamt war die Arbeit nicht ganz so, wie wir sie uns vorgestellt hatten – die Arbeit mit den Akazien war sinnvoll, aber die einzige Abwechslung bestand im Autoaufräumen oder Organisieren, was nicht Teil unserer Aufgaben sein sollte.

Romy verbringt ihren Freiwilligendienst bei Montis , ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

Wenn du etwas Ähnliches wie Romy erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.

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