Nelli in Skopje, Nordmazedonien // 1. Bericht

Seit meiner Ankunft in Skopje habe ich oft das Gefühl, in einer Stadt voller Gegensätze zu leben – einer Stadt, in der man nie genau weiß, was einen erwartet, sobald man die Tür hinter sich öffnet. Kein Tag gleicht dem anderen, und genau darin liegt ihr ganz eigener Zauber.

Am Anfang war das alles ehrlich gesagt ziemlich überfordernd. Ich kam aus einem Alltag, in dem alles geregelt war – Stundenpläne, Routinen, klare Abläufe. Und plötzlich stand ich mitten in diesem bunten Durcheinander und musste erst einmal lernen, mich darin zurechtzufinden. Mein Start hat es mir dabei nicht gerade leichter gemacht: Schimmel im Zimmer, Motten in der Küche und eine Organisation, die das eher mit einem Achselzucken hinnahm. In solchen Momenten fragt man sich schon, worauf man sich da eigentlich eingelassen hat, und sehnt sich nach dem Gewohnten in der Heimat.

Aber dann waren da die anderen Freiwilligen. Menschen, die genau wussten, wie sich dieser Anfang anfühlt, und die alles darangesetzt haben, mich aufzufangen. Und langsam wurde aus dem Chaos etwas Vertrautes. Unser Alltag folgt seitdem einem einfachen Motto: „We are here to have fun.“ Und wir nehmen das ziemlich ernst. Ob wir zusammen in der WG kochen, spontan feiern gehen oder unsere nächsten Reisen planen es gibt immer etwas, das uns zusammenbringt. Und unterwegs waren wir viel. Ich erinnere mich an den ersten Blick auf den Ohridsee, an das Gefühl von Freiheit am Meer in Thessaloniki und an das pulsierende Leben in Sofia.

In dieser Zeit habe ich so viele Menschen kennengelernt wie noch nie zuvor. Unterschiedliche Sprachen, Hintergründe, Persönlichkeiten. Manche bleiben, andere ziehen weiter. Mit manchen verbindet einen sofort etwas, bei anderen dauert es länger. Und ja, manchmal ist die soziale Batterie einfach leer und das Heimweh schlägt zu. Aber langweilig wird es hier nie.

Auch auf Arbeit ist es ähnlich, zwar sind wir viel im Büro, aber trotzdem ist es jeden Tag anders. Am meisten arbeiten wir an unserem Jugendmagazin VOICES, schreiben Artikel und abends veranstalten wir die unterschiedlichsten Events von Karaoke bis Pub Quiz.

Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass all das ohne die anderen Freiwilligen nicht dasselbe gewesen wäre. Sie machen diesen Ort zu dem, was er für mich geworden ist. Deshalb blicke ich voller Vorfreude auf die kommende Zeit darauf, noch mehr Orte zu entdecken, weitere Länder von meiner Liste abzuhaken und noch mehr Menschen kennenzulernen.

Nelli verbringt ihren Freiwilligendienst bei VCS, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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