Man denkt nicht, wie schnell sieben Monate wirklich vergehen können. Im einen Moment stehe ich nach einer gefühlt endlosen Bus- und Zugfahrt in der Stadt, in der ich ein kleines neues Leben anfangen soll. Im nächsten Moment bin ich wieder zurück zu Hause in meinem alten, unterbrochenem Leben. Ein wenig traurig, Rumänien zu verlassen, aber auch unendlich froh, wieder zurück zu sein.
In meinem letzten Monat des Projekts gab es bereits einige Abschiede, aber auch ein paar Neuheiten. So haben mein Projektpartner und ich beispielsweise einen Art & English Club ins Leben gerufen, wo wir unsere Leidenschaft zu Zeichnen und zu Kreieren mit anderen Teilen konnten. Das endete in absurden Kreationen und einigen Lachausbrüchen. In unserer Freizeit haben wir nochmal die Karpaten genauer entdeckt und erkundet. Durch ein paar letzte kleine Trips zu Kleinstädten mitten zwischen den Bergen konnten wir die Natur ein letztes Mal richtig aufsaugen. Wir trafen uns mit anderen Freiwilligen in Rumänien, um zusammen die sich dem Ende neigende Zeit zu feiern und mussten auch schon Tschüss sagen zu den ersten, die gingen. Es war besonders so viel Veränderung, Unentdecktes und auch so viele Lebewohls in so kurzer Zeit zu erleben.
Während des Freiwilligendienstes habe ich etwas erlebt, was sich vollkommen von dem unterscheidet, was ich kannte. Und das war das Ziel. All das Unbekannte hat mich auf irgendeine Weise schon sehr geprägt. Meine Sicht auf die Dinge ist umfangreicher geworden und auch aufgeschlossener, weil ich besser gelernt habe mit unerwartetem umzugehen und mir selbst in Angesicht von Problemen oder unvorhergesehenen Situationen zu vertrauen. Ich bin entspannter geworden, irgendwie haben wir immer eine Lösung gefunden und ich habe gemerkt, dass alles gar nicht so strikt und wichtig war, wie ich gedacht habe. Am Ende wollten alle einfach nur Spaß haben, etwas Gutes tun und mit Leuten und Kulturen in Kontakt kommen.
Meine sieben Monate waren bestückt mit unzähligen schönen Momenten, demnach ist es schwer, sich für den Schönsten zu entscheiden. Am Ende werde ich mich wahrscheinlich am meisten an die scheinbar unwichtigen, aber im Endeffekt prägendsten Momente erinnern. Die alltäglichen Momente bildeten meine Erfahrung in Rumänien und ich werde für immer die Lachanfälle beim Abendessen, Kochen oder das einfache Beisammensein im Gedächtnis behalten. Ich dachte es würde mir schwerer fallen, mit so vielen Leuten zusammenzuleben, aber ich habe mich daran gewöhnt, eine Balance zwischen Allein-Zeit und sozialer Zeit gefunden. Es war toll, immer jemanden da zu haben, egal für was. Ob einfach zum Reden, zum gemeinsamen Kochen, für Kartenspiel-Kriege oder sonst irgendeinen Irrsinn.
Auch das chaotische Erkunden der Kultur, des Landes und der Natur hat mir immens viel Spaß gemacht und durch die verschiedenen Perspektiven der anderen Freiwilligen, aber auch locals, habe ich Dinge erfahren, die ich alleine nicht hätte bemerkt. Dieses eigenständige Erforschen und Leben hat mir einiges pragmatisches gelehrt. Selbstverantwortlich im Alltag sein, Trips planen, unterschiedliche Gerichte zubereiten, aus ein paar zu wenigen Zutaten etwas akzeptabel schmackhaftes zu zaubern, sauber machen, mit unterschiedlichen Gruppen umgehen und Events organisieren.
Natürlich gab es neben all den Sachen, die ich als unvergesslich schön in Erinnerung behalten werde, auch Dinge, die mir schwer fielen. Anfangs war es schwer für mich, Dinge mit Vertrauen auf mich zukommen zu lassen und nicht alles zu überdenken. Das wirkte sich auch auf die Arbeit aus, wo wir uns in den ersten paar Monaten viel zu viel Stress gemacht haben, bevor wir irgendwann unseren eigenen Rhythmus fanden. Zugegebener Weise war die Arbeit für mich manchmal etwas eintönig und ich weiß im Nachhinein hätte ich mir früher Projekte suchen sollen, auf die ich leidenschaftlich Lust hatte, die mich auch ein wenig forderten, wie den späteren Art & English Club.
Was mir zugegebener Weise nicht gefiel an meinem Freiwilligendienst, ein Nachteil daran mit vielen Leuten zusammen zu wohnen, war, dass zwischenmenschliche Konflikte, an denen man selbst nicht beteiligt war, sich manchmal auf das gesamte Haus legten und teilweise eine unangenehmer oder anstrengende Stimmung schufen. Aber auch das stärkte meine Kommunikation und auch die Fähigkeit, meine eigene Energie besser einzuteilen, sie für etwas einzusetzen, was sich lohnte.
Vielleicht habe ich in den letzten sieben Monaten nicht herausgefunden, was ich mit meinem Leben anstellen will, was ich mir eigentlich erhoffte. Aber das ist okay, denn ich habe gelernt, mich wohler und selbstsicherer in meinem Leben zu fühlen und habe nebenbei ein paar unvergessliche Erinnerungen gemacht. Die absurdesten und spaßigsten Momente entstanden immer dann, wenn wir keinen Plan hatten und die Ereignisse sich zufällig entfalteten, daher bin ich spontaner geworden und für die Zukunft will ich mir behalten öfter selbst die Initiative zu ergreifen um unerfahrene Dinge zu erleben und unerforschtes zu entdecken.
Für alle, die ähnliche Erfahrungen und Entwicklungen machen wollen, empfehle ich so einen Freiwilligendienst sehr. Besonders zwischen den hohen Bergen der Karpaten und den ruhigen Hügeln in Miercurea Ciuc/ Csíkszereda gibt es viele Möglichkeiten dazu.
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Aimee verbringt ihren Freiwilligendienst bei Care2Travel, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Aimee erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.



