Charlotte in Thessaloniki, Griechenland // 2. Bericht

Januar-März

Nach zwei ruhigeren Wintermonaten nahm das Leben hier so richtig Fahrt auf und ich habe die letzten zwei Monate zwischen Sofia in Bulgarien, Athen und Besuchen von Freunden und Familie verbracht.

Seit meinem letzten Bericht im Dezember hat sich hier in Thessaloniki bei der Organisation Balkan Hotspot und vor allem an meiner Wohnsituation erneut einiges verändert.

Wohnsituation

Das System hier ist so aufgebaut, dass alle internationalen Freiwilligen der Organisation United Societies of Balkans in einem großen Haus zusammenleben. Hier leben also je nachdem zwischen ca. 10 und 35 Freiwillige zwischen 18 und 29 Jahren. Ich bin im letzten Oktober angekommen und bleibe bis Ende Mai, entsprechend gehöre ich hier zu den „Long-term“ Freiwilligen. Dass ich hier länger bleibe, war mir letzten Dezember noch gar nicht so richtig aufgefallen, weil alle „short-terms“, die meistens für 6 bis 8 Wochen kommen, noch da waren.

Jetzt erlebe ich gerade das dritte Kurzzeitprojekt mit und das Begrüßen und verabschieden der Leute wird langsam leider etwas zur Routine.

Im Haus ist also die ganze Zeit ein Wandel zu spüren, da alle 6 Wochen neue Freiwillige einziehen, man sich kennenlernt und Freundschaften schließt und es dann wieder heißt: Abschied nehmen und sich, bis wir uns besser kennen lernen, mit Fremden ein Haus zu teilen. Das kann auf Dauer auch etwas ermüdend werden, andererseits gibt es so immer neue Ideen und Dynamiken und mit jeder Gruppe lerne ich wieder andere und neue Seiten der Stadt kennen. Als Highlight mit der letzten Gruppe haben wir Karneval gefeiert, für mich das erste Mal und ich kann sagen, der griechische Karneval hat mich überzeugt.

Besonders schätze ich hier aber die Freundschaften, die ich zu anderen geknüpft habe, die etwa gleich lange hier bleiben wie ich. Dadurch kenne ich den Kern der Leute inzwischen wirklich sehr gut. Bei Spieleabenden, Ausflügen und auch einfach dem täglichen gemeinsamen Essen in der Gemeinschaftsküche lernen wir uns immer weiter besser kennen.

Durch diese Menschen kann ich mich hier wirklich zu Hause fühlen und merke, wenn ich von einer Reise wiederkomme, dass hier im Haus eine Gemeinschaft entstanden ist, die wirklich füreinander da ist und jede*n einzelnde*n schätzt.

Reisen

Apropos Reisen, nachdem ich mich im November und Dezember gut eingelebt hatte und wir den Januar und Februar ganz entspannt angegangen sind, habe ich gemeinsam mit einigen anderen Freiwilligen Reisen nach Sofia und Athen unternommen. Auf diesen Städtetrips haben wir nicht nur die anderen Städte besser kennengelernt, sondern auch gemerkt, dass wir das, was wir uns vornehmen, auch wirklich umsetzen können. Am Anfang hört sich die Idee eines gemeinsamen Trips in totaler Ferne an, doch dann ist die Zeit schneller gekommen, als wir dachten, und wir haben gebucht. Die beste Entscheidung, denn beide Städte haben etwas ganz Eigenes an sich, was wir sonst sicher nicht entdeckt hätten.

Gleichzeitig hat das Eintauchen in neue Städte mir gezeigt, wie sehr ich in Thessaloniki angekommen bin. Es ist hier selbstverständlich geworden, den Weg zum Supermarkt zu kennen und zu wissen, bei welcher U-Bahn-Station ich aussteigen muss, doch dass mich das im Alltag sehr viel mehr Zuhause fühlen lässt, ist mir erst bewusst geworden, als ich wieder angekommen bin.

Arbeitsalltag

Während ich meine Freizeit hier wirklich abwechslungsreich gestalte, bleibt auf der Arbeit das meiste recht ähnlich.

Die Zeit im Büro setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Morgens starten wir meistens mit einer kleinen “ Besprechung“, bei der wir erzählen, was wir an diesem Tag schaffen wollen und wie es uns geht. Die typischen Aufgaben bestehen darin, Artikel für den Blog zu schreiben, Social Media Posts für unseren Insta-Account zu erstellen und Events vorzubereiten. Die Ideenfindung ist dabei immer noch sehr frei; wir können die Themen unserer Artikel selbst entscheiden und auch Events organisieren.

In den letzten Monaten haben andere Freiwillige einen Buchclub ins Leben gerufen und einen Kurzfilm-Workshop gehalten. Ansonsten haben wir von der Organisation ausgehend einen „Bracelet-making & self love“ Workshop zum Valentinstag unterstützt, einen Abend mit Spielen, Karaoke und Kahoot Quizzes für eine Gruppe aus einer spanischen Sprachschule, die hier einen Englischkurs macht, organisiert und bei verschiedenen Müllsammelaktionen mitgeholfen.

Die Arbeit hier ist wirklich entspannt, besonders die Büroarbeit beruht hier viel auf Selbstmotivation und Eigeninitiative, wenn ein Projekt dann am Ende zusammenkommt und ein Artikel veröffentlicht wird, fühlt sich das richtig gut an, allerdings würden wir uns häufiger auch etwas mehr Unterstützung wünschen, sei es bei technischen Aspekten oder bei der Findung von aktuellen und relevanten Themen. Die Arbeit hier ist also auf jeden Fall einfacher für Menschen, die gerne die Initiative ergreifen und von sich aus etwas bewegen wollen.

Mir gefällt die Arbeit hier immer noch gut, auch wenn es natürlich ein paar Dinge gibt, die einfach abgearbeitet werden müssen.

Alles in allem habe ich hier in Thessaloniki wirklich eine unglaublich schöne Zeit, die ich nie wieder vergessen werde! Ich habe ganz viele unglaubliche Menschen kennengelernt und auch mich selbst von einer neuen Seite entdeckt. Ich freue mich auf alles, was jetzt noch kommt, und will es gar nicht wahrhaben, dass die letzten zwei Monate anbrechen.

Charlotte verbringt ihren Freiwilligendienst bei United Societies of Balkans (USB), ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

Wenn du etwas Ähnliches wie Charlotte erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.