Fast 5 Monate ist es schon her, seit ich das erste Mal einen Fuß auf mazedonischen Boden gesetzt habe.
Diese 5 Monate in 1000 Wörtern zusammenzufassen, scheint mir unmöglich. Wir Freiwilligen hier sagen oft, dass sich jeder Tag hier anfühlt, als würden wir in einem Film leben. Und wie nah an der Realität das tatsächlich ist, merke ich immer wieder, wenn ich Freunden und Familie zuhause von meinen Erlebnissen hier berichte, oder abends die Ereignisse des Tages kurz aufschreibe.
5 Monate sind eine lange Zeit, egal wo man sie verbringt oder in welcher Lebenssituation. Aber ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so unfassbar intensiv gefühlt und gelebt wie in den vergangenen fünf Monaten.
Meine Anfangszeit in Mazedonien war, sagen wir mal, ein wenig von Startschwierigkeiten geprägt. Einige Dinge auf der Arbeit, wie auch in unserem WG- Leben, waren sehr anders als erwartet, und die Sehnsucht nach Familie und Freunden zu Hause haben definitiv nicht zu einer Besserung beigetragen.
Ehrlich gesagt habe ich mich ziemlich oft gefragt, wie genau ich auf die Idee zu diesem Jahr eigentlich gekommen bin. Aber meine Mitbewohner, und schließlich auch irgendwo ich selbst, haben mich sehr durch diese Zeit getragen.
Und ich habe auch sehr, sehr viel Tolles erlebt. Ich habe ein Fußballspiel der mazedonischen Nationalmannschaft sehen dürfen, habe einen etwas chaotischen, aber wunderschönen Roadtrip durch Mazedonien machen dürfen, die Umgebung von Skopje mehr erkundet, und vieles weiteres.
Mit der tatsächlich sehr extremen Luftverschmutzung kämpfend haben wir uns trotzdem eine schöne Zeit in Skopje gemacht, und ich hatte bereits in den ersten Monaten die Möglichkeit, viele tolle neue Menschen kennen zu lernen.
Nach einem wunderschönen Besuch zu Hause in Deutschland über Weihnachten und einem anschließenden Trip nach Thessaloniki mit Nelli startete das neue Jahr und somit auch eine neue Phase für mich hier in Mazedonien.
Ich lebte mich immer mehr in das Land und mein Leben hier ein und begann es wirklich zu lieben. Zusammen mit den anderen Freiwilligen setzten wir uns wirklich für unsere Rechte ein und erreichten auch einige Veränderungen in unserem Alltag. Dieses Gefühl, Dinge zum Guten ändern zu können, war und ist wunderschön und macht mich sehr stolz auf uns alle hier.
Ich begann, monatlich den „Silent Book Club“ zu hosten, fuhr einige Male nach Shutka, um mit den Kindern in einem Day Care Centre zu arbeiten, und lernte erneut ganz tolle neue Menschen kennen.
Mittlerweile baue ich mir auch immer mehr Routinen und eine Art neuen „Lebensalltag“ hier auf. Ich entdecke ganz neue Dinge und Themen, die mich interessieren, und liebe es, von den unterschiedlichen Menschen hier Geschichten aus ihrem Leben und von ihren Hobbies und Leidenschaften zu hören.
Was ich bereits sehr aus der Zeit hier gelernt habe, ist, dass nicht immer alles im ersten Moment schon genau so ist, wie ich es will. Es braucht Zeit, an einem neuen Ort anzukommen. Es braucht Zeit, Menschen kennenzulernen und zu verstehen. Es braucht Zeit, sich selbst kennenzulernen.
Und auf dem Weg ändern sich vielleicht Vorstellungen und Wünsche, die man immer für unveränderter gehalten hat. Ich lerne hier so viel Neues, wie noch nie in meinem Leben. Und das auf jeder erdenklichen Ebene.
Das liebe ich gerade am meisten an meinem Leben hier in Mazedonien. Es ist so voll an Geschichten, Emotionen, Abenteuern.
Und ich bin sehr gespannt, an welche neuen Erfahrungen ich mich dankbar zurückerinnern kann, wenn ich erneut in meinem Zimmer Platz nehme, und den nächsten Erfahrungsbericht über dieses verrückte, aber wirklich tolle Jahr schreiben darf.
Lea verbringt ihren Freiwilligendienst bei Volunteers Centre Skopje, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Lea erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.




