Wie schnell die Zeit vergehen kann, habe ich in den letzten zweieinhalb Monaten auf eine ganz intensive Weise erfahren. Vor allem dann, wenn diese Zeit mit unzähligen kleinen und großen Glücksmomenten gefüllt ist– und man diese mit Menschen teilen darf, die von Fremden zu Freunden geworden sind.
Dass nun bereits der dritte und vierte Monat meines Freiwilligendienstes vorbei sind, bedeutet für mich: Halbzeit. Ein wenig beängstigend ist es schon, wie schnell die Zeit verfliegt. Doch wenn ich zurückblicke und mir bewusst mache, was ich bisher alles erleben durfte und wie viel mir diese Zeit gezeigt und beigebracht hat, erfüllt mich das mit Dankbarkeit. Mit einem Lächeln denke ich an die vergangenen Monate – und mit demselben Lächeln blicke ich voller Vorfreude auf die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes. Doch niemand hat mich darauf vorbereitet, wie viele Erlebnisse ich in so kurzer Zeit sammeln und wie viele Menschen mir ans Herz wachsen würden.
Worauf man mich aber definitiv vorbereitet hat, war die Hitze hier, als mir meine Kollegen von der Wärme berichteten und schon vorwarnten. Im April, als noch Schneeflocken gefallen sind, konnte ich mir das kaum vorstellen. Doch der Sommer kam schneller als erwartet: Von einem Tag auf den anderen standen die 40 Grad mit jeden Tag Sonnenschein vor der Tür. Skopje im Sommer ist ruhiger als gedacht. Viele fliehen in den Urlaub in die Berge, an Seen oder ins Nachbarland. Auf den Straßen ist tagsüber kaum jemand, weil die Sonne einfach zu stark ist. Und trotzdem haben wir Freiwilligen die Zeit genutzt und alles Mögliche zusammen unternommen, um unsere gemeinsame Zeit zu genießen. Der Sommer hat nicht nur Hitze gebracht, sondern auch viele unvergessliche Momente. Wir haben versucht, wirklich jeden Tag auszukosten, weil wir wussten, dass die meisten im August abreisen. Besonders schwer fallen mir in dieser Phase die vielen Abschiede. Ich hätte niemals gedacht, dass mir hier so viele Menschen so wichtig werden würden. Mit jedem Abschied geht nicht nur eine Person, sondern auch ein Stück vertrauter „Safe Space“. Natürlich macht das auch nachdenklich – über Zuhause, über die Zeit davor, über das, was noch kommt. Aber die schönen Momente überwiegen: Wir sind zum Beispiel durch Mazedonien gereist, haben viele kleine Orte entdeckt, sind in „Hot Pools“ baden gegangen, waren auf Festivals und haben die traditionelle Galichnik-Hochzeit miterlebt. Viele Abende verbrachten wir bei gutem Essen und Spielen auch hier in Skopje – einfach typisch schöne Sommerabende.
Am liebsten wäre ich auch wandern gegangen, aber das war wegen der Waldbrandgefahr nicht ganz so einfach und in den meisten Regionen nicht möglich. Für mich als Naturliebhaberin, die manchmal aus der chaotischen Stadt heraus kommen möchte, war das echt hart, weil ich sonst zwischen Wälder und nun auch hier in den Bergen, meine Ruhe finde. Stattdessen musste ich aus der Ferne mit ansehen, wie Wälder abrennen. Jetzt, wo es etwas abkühlt und ab und zu regnet, wird es langsam besser. Zum ersten Mal habe ich in so einer extremen Hitzeperiode gelebt – und direkt gespürt, wie sich der Klimawandel hier auswirkt. Selbst Menschen aus Mazedonien erzählen mir, dass die Temperaturen seit Jahren kontinuierlich steigen. Das hat meine Motivation, mich bei GoGreen zu engagieren, noch stärker gemacht.
Ich bin nach wie vor froh, hier bei GoGreen zu arbeiten. Die letzten Monate waren super spannend. Besonders beeindruckend war ein Event in Tirana, an dem ich teilnehmen und mithelfen durfte, wo wir für 4 Tage Teil eines Forum waren, wo unterschiedliche Organisationen Panels und Workshops anboten. Dort organisierten wir eine Zero-Waste-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung. Gemeinsam mit Teilnehmenden kochten wir aus geretteten Lebensmitteln, die auf dem Markt aussortiert worden wären, leckere Mahlzeiten. Für dieses Event durfte ich außerdem unser Logo und Plakate gestalten – eine Aufgabe, auf die ich sehr stolz bin. Auch meine ersten Instagram-Posts waren ein Highlight. Besonders mein Reel zum „Plastic Free July“ kam super an. Das Feedback hat mir die Motivation gegeben, die ich in dem Moment gebraucht habe, denn zwischendurch war die Arbeit auch herausfordernd. Wir sind mit dem Büro umgezogen, viele meiner Kolleg:innen waren im Urlaub, und ich musste lernen, mir meine Aufgaben selbst einzuteilen, da ich einige Tage auf mich alleine gestellt war. Anfangs gar nicht so leicht, aber im Nachhinein hat es mir geholfen, selbstbewusster zu werden, Verantwortung einzufordern, meine Ideen einzubringen und auch mal aktiv nach Aufgaben zu fragen. Ich bin echt froh, dass ich mit meinen Kolleg:innen offen reden kann und wir zusammen Lösungen finden. Jetzt gerade plane ich zusammen mit einem Kollegen ein Climate Justice Camp, das im Oktober in Prespa stattfinden soll. Außerdem organisieren wir die 15-Jahr-Feier von GoGreen, und ich versuche, mich weiter bei Social Media einzubringen. Es stehen spannende Wochen bevor, auf die ich mich sehr freue.
Die vergangenen Monate waren intensiv, turbulent und voller Veränderungen. Ich habe viele Freundschaften geschlossen, zahlreiche Reisen unternommen, wertvolle Erfahrungen gesammelt – und gleichzeitig lernen müssen, besser auf mein eigenes Zeitmanagement zu achten. Zwischen all den Projekten, Begegnungen und Erlebnissen vergesse ich manchmal, innezuhalten, das Geschehene wirklich sacken zu lassen und auch einfach mal Pause zu machen.
Für die zweite Hälfte nehme ich mir genau das vor: bewusster genießen, dankbar sein für alles, was schon war – und offen bleiben für das, was noch kommt. Denn eins ist klar: Die Zeit vergeht schneller, als man denkt, und am Ende sind es die gemeinsamen Momente, die bleiben.
Kristin verbringt ihren Freiwilligendienst bei GoGreen, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Kristin erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.






