In Deutschland fällt mir der Winter meist schwer, besonders die Monate Dezember und Januar, wenn es früh dunkel wird und alles schwerer wird. Hier in Blanes ist das ganz anders. Der Garten bleibt grün, die Sonne scheint fast täglich und nur an ein paar Tagen ist mir wirklich bewusst geworden, dass Winter ist. Zum ersten Mal zu dieser Jahreszeit wollte ich, dass die Zeit langsamer vergeht.
Die Arbeit im Garten ist weiterhin abwechslungsreich geblieben. Wir haben viele Bäume und Pflanzen zurückgeschnitten, damit sie wieder gesünder und kräftiger nachwachsen können. Dabei haben wir verschiedene Schnitttechniken angewendet und gelernt, welche Wirkung sie haben. Inzwischen kann man auch schon die Austriebe sehen, was mich echt überrascht hat, weil ich nicht mit so schnellem Austrieb gerechnet hatte. Außerdem haben wir uns um Sukkulenten gekümmert, bei denen ein Fungus die Erde befallen hatte. Wir haben jede Pflanze kontrolliert, befällige entfernt und nach ein paar Tagen konnten wir die gesunden Pflanzen wieder ins Gewächshaus stellen. Meine Lieblingsaufgabe ist weiterhin das Einpflanzen von Stecklingen, weil ich es sehr beruhigend finde.
Auch im Büro ging die Arbeit weiter. Wir haben die Birdfeeder jede Woche aufgefüllt, die Vögel beobachtet und Daten für das Projekt „Ocells dels Jardins“ gesammelt. Zudem haben wir die Blackboards weitergestaltet und Informationen über die verschiedenen Pflanzenarten recherchiert. Besonders spannend war es, mehr über die Unterschiede zwischen Luft-, Boden- und Wasserpflanzen zu erfahren. Außerdem haben wir Kürbiskerne weiter extrahiert und dabei gelernt, unsere Beobachtungen wissenschaftlich zu dokumentieren.
Die Weihnachtszeit im Garten war besonders schön. Wir hatten ein Weihnachts-BBQ, bei dem jeder seine Kultur einbringen konnte. Sonja und ich haben Glühwein gekocht, ein Gärtner bereitete Paella zu und danach haben wir alle zusammen „Amic Invisible“ gespielt. Ein katalanisches Geschenkspiel, bei dem alle Geschenke in die Mitte gelegt werden und jeder nacheinander entweder ein Geschenk auswählt oder ein bereits genommenes stiehlt. Solche Momente zeigen mir, wie herzlich alle im Garten sind und wie schön es ist, die Arbeit mit persönlichen und kulturellen Momenten zu verbinden.
Zwischen den Feiertagen habe ich meine Familie und Freunde in Deutschland besucht, was eine sehr schöne und entspannte Zeit war. Es tat gut, vertraute Menschen um mich zu haben und die Winterstimmung zu genießen. Die Rückkehr nach Blanes hingegen begann für mich etwas holprig: Ich hatte meinen Rucksack verloren und fühlte mich zunächst ziemlich hilflos. Zum Glück konnte ich mich auf unsere Mentorin verlassen, sie half mir die Leute zu kontaktieren und auch mit der Verständigung mit der Polizei. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie sehr hier auf uns Freiwillige geachtet wird und wie gut man unterstützt wird, wenn einmal etwas schiefgeht.
Neben der Arbeit habe ich die letzten Monate genutzt, um meine Hobbys wieder aufleben zu lassen und Neues zu entdecken. Ich habe wieder mit dem Häkeln angefangen und auch das Backen für mich wiederentdeckt. Ein Highlight in Barcelona war, dass ich einen sehr süßen Store gefunden habe, in dem ich nun meine analogen Fotos entwickeln lassen kann. Ich war außerdem auf weiteren Festivals und habe neue Musikrichtungen wie ‚Makina‘ entdeckt, die hier in Katalonien stark verwurzelt ist. Auch der Weihnachtsmarkt am Hafen von Barcelona hatte mit den Lichtern und den Palmen am Wasser eine ganz besondere Atmosphäre. Mit anderen Erasmus-Studierenden habe ich ein internationales Dinner veranstaltet, bei dem jeder ein typisches Gericht aus dem eigenen Land mitgebracht hat. Das war eines meiner Highlights, weil ich dabei viele neue Menschen kennenlernen und Einblicke in ihre Kulturen erhalten durfte.
Ich habe gemerkt, dass ich mich in neuen Situationen besser anpassen kann, als ich gedacht hätte. Ich habe auch gelernt, dass unangenehme oder schwierige Situationen mit der Zeit leichter werden und dass es oft danach sogar noch besser wird. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich mich, obwohl ich noch nicht lange hier bin, auf mein Umfeld verlassen kann. Ich habe Vertrauen darin gewonnen, dass man die Menschen findet, die zu einem passen. Auch als wir einmal ein kleines Motivationstief hatten, hat unsere Mentorin ein Gespräch mit uns gesucht und unsere Aufgaben gemeinsam angepasst, dadurch habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt.
Ich hoffe, dass ich in den nächsten Monaten weiterhin die Möglichkeit habe, mein Spanisch zu verbessern, meinen Hobbys nachzugehen, Freundschaften zu vertiefen und weitere Projekte im Garten umzusetzen. Besonders gespannt bin ich auf das On-Arrival-Seminar und darauf, das Blackboard-Projekt weiterzuführen. Ich bin dankbar für alles, was ich bisher erlebt habe, und freue mich auf die weiteren Monate hier in Blanes.
Lilia verbringt ihren Freiwilligendienst bei Marimurtra Botanical Garden, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
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