Eika in Tiflis, Georgien// 1.Bericht

Granatäpfel, Khinkali, Khachapuri, himmelhochgewachsene quadratische Häuser, Obststände an der Straße, Holzbalkone mit Ornamenten, Straßenhunde, Straßenkatzen, Leute aus verschiedenen Ländern kennenlernen, Berge, Toasts, Bohnen, Proteste, chaotischer Verkehr, Zusammensein, lustige Bürositzungen, sehr viel Brainstorming, Besuch, das Meer, unbeschreibliche Ausblicke, liebe Menschen … das sind nur die ersten Paar Dinge, die mir einfallen, wenn ich an die letzten zwei Monate in Tiflis zurückdenke, die für mich sehr von Ankommen und Entdecken geprägt waren. Trotzdem hört das Entdecken in Tbilisi, oder eher in Georgien, nie auf. Anfangs hätte ich nie gedacht, dass ein Land (von der Fläche her kleiner als Bayern, funfact) mich so in den Bann ziehen kann. Georgien ist ein superschönes vielseitiges Land mit einer sehr ausgeprägten kulturellen Identität und viel Tradition. Ein Drittel der Gesamtbevölkerung lebt in Tbilisi. Für mich gehört sie zu den (wenn nicht sogar die) schönsten Städten, die ich bis jetzt erlebt habe. Sehr lebendig, viele Menschen, laut, wuselig und unglaublich viele Ecken zu entdecken. Verwinkelte Innenhöfe und Gassen, verspielte und von der Zeit gezeichnete Häuserfassaden mit hervorstehenden Balkonen, postsowjetische Architektur und Monumente, kletternde Weinranken, Obst- und Straßenstände aber auch ein starker Kontrast zwischen Alt und Neu. Man entdeckt immer etwas Neues. Und egal, wo du dich in der Stadt befindest, du kannst zu jeder Zeit die Berge am Stadtrand sehen.

Es gibt viel schmackofatziges traditionelles Essen – geprägt von Käse, Weißbrot, Bohnen, Walnuss, Kräutern wie Koriander, herzhaften Fleischgerichten, frischem Gemüse, Wein und Chacha. Mein absolutes Highlight sind Khinkali mit Pilzfüllung. Das sind sehr saftige, georgische Teigtaschen. Einmal pro Woche Khinkali essen zu gehen ist quasi Pflicht.

Wir hatten bis jetzt auch schon zweimal die Ehre, bei einem traditionellen georgischen Festessen, der “Supra”, dabei zu sein – eines meiner schönsten Erlebnisse der letzten Zeit. Eine Supra erstreckt sich über Stunden, die Stimmung ist gesellig und ausgelassen, es gibt Essen in rauen Mengen und regelmäßig wird neu aufgetischt. Ganz wichtig ist dabei der Tamada, aka der Toastmeister. Er leitet die Toasts an, denn in Georgien gibt man dem Trinken gern eine Bedeutung. Das heißt vor dem Anstoßen wird erst eine Rede über meist Liebe, Freundschaft, Gemeinschaft oder Heimat gehalten. Am besten lang und verschachtelt, damit man am Ende kaum noch weiß, womit es angefangen hat. Dann wird die Toastverantwortlichkeit an die nächste Person weitergereicht.

Man kann nicht über Georgien reden, ohne die politische Situation zu erwähnen, die immer präsent ist – von Straßenkunst, Plakaten, EU- und Georgienflaggen an Balkonen bis zu den täglichen Protesten vor dem Parlament. Am Anfang haben wir die sehr viel mitbekommen, weil Lokalwahlen anstanden und die Regierung auch zunehmend Repression ausübt, Es gibt Verhaftungen von Opposition und Aktivist*innen sowie Polizeigewalt. Wir sind da natürlich als Außenstehende in einer sehr privilegierten Lage und bekommen nur mit, wie die Bevölkerung unter diesen Umständen lebt und ihnen trotzt.

Mein Arbeitsumfeld ist superlieb und entspannt. Einmal pro Woche gebe ich Englisch- und einen Kreativclub in einem Jugendzentrum. Es gibt aber auch einen English und German Speaking Club für Erwachsene, den wir alle abwechselnd leiten. Ansonsten brainstormen, schreiben und realisieren wir diverse Workshops, Programme und Events mit Schwerpunkt Jugendarbeit, demokratisches Miteinander und Menschenrechten. Canva ist mein bester Freund geworden. Zurzeit arbeiten wir beispielsweise auch an unserem eigenen Erasmus+ Youth Exchange – das ist ein EU-Programm, das junge Menschen aus verschiedenen Ländern für kurze internationale Austauschprojekte zusammenbringt. Wir sind dabei unser eigenes Projekt zu schreiben, reichen es dann ein und drücken ganz fest die Daumen, dass es gefördert wird. An unserer Arbeit mag ich, dass wir dabei richtig in Themen eintauchen können und das Miteinander mit den anderen Freiwilligen.

Außerdem haben wir zwei Mal pro Woche Georgisch Unterricht, es ist super interessant und super herausfordernd. Ich liebe das georgische Alphabet, aber die Aussprache multipler Buchstaben erscheint mir derzeit noch unmöglich (typisch für das Georgische sind nämlich markante Kehllaute). Aber mein ultimatives Ziel ist trotzdem eine klitzekleine Konversation halten zu können.

In unserer freien Zeit gehen wir dem Erkunden und Entdecken nach, was wie anfangs geschildert, in Tbilisi nie aufhört. Süße Cafés, Parks, Restaurants, Straßenkonzerte, Kinos, Kunstmuseen, Kirchen, die typischen Sehenswürdigkeiten, Second-Hand Shops, bunte und duftintensive Basare, lokale Events, Bars und Clubs. Die Stadt ist ein Hotspot für Techno, mit einer ausgeprägte queere Underground-Szene und einem lebendigen Nachtleben, von dem wir gern Teil sind.

Aber natürlich darf man den Rest Georgiens nicht außer Acht lassen. Wir waren schon im Schwarzen Meer schwimmen und in den Kaukasusbergen mit malerischer Aussicht wandern (siehe Bild unten :)). Auf unserem On-Arrival Seminar haben wir viele Kontakte mit anderen Freiwilligen aus Georgien, Armenien sowie Aserbaidschan geknüpft und es ist schön, sich jetzt gegenseitig zu besuchen und Geschichten auszutauschen.

Alles in allem bin ich super froh in Tbilisi und bei Droni gelandet zu sein und freu mich auf die ganzen Erlebnisse, Momente und Begegnungen, die noch kommen!
ნახვამდის! (Nakhvamdis = Auf Wiedersehn!)

Eika verbringt ihren Freiwilligendienst bei DRONI, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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