Um zwei Uhr nachts in einem FlixBus sahen wir, Frida und Aimee, uns das erste Mal in der Wirklichkeit an. Vollkommen übermüdet und erfüllt mit Erwartungen und Unsicherheit an die kommende Zeit begrüßten wir uns kurz und ließen uns auf unsere Sitze sinken, die für die nächsten 12 Stunden unsere treuen Gefährten waren. Wir kannten die Person uns gegenüber nicht wirklich, wussten aber, dass wir die nächsten sieben Monate als Arbeitskollegen, Zimmergenossen und hoffentlich auch als Freunde gemeinsam verbringen werden. Durch den Bildschirm haben wir uns schon ein, zwei Mal kennengelernt, aber das ist keineswegs zu vergleichen mit der 32 Stunden Reise nur zu zweit, die uns bevorstand.
Angekommen in Miercurea Ciuc/Czíkszereda, Rumänien hatten wir eine größtenteils angenehme Reise hinter uns, mit ersten langen Gesprächen und ersten neuen Bekanntschaften. Noch ahnten wir nicht, wie viele davon noch auf uns zukommen würden.
Die erste Zeit hier in Rumänien lebten wir in einer zentralen Wohnung zusammen mit unseren engsten Arbeitskolleginnen Leonie und Mattea. Sie sind Teil des Projekts „Community Inclusion“, welches in enger Zusammenarbeit mit unserem Projekt „Volunteering with NaturKultur“ steht. Dabei sind wir verantwortlich für die Unterstützung der NGO „Care2Travel Romania“ durch Office Work, aber auch durch die Teilhabe an den anderen Projekten. Mit Leonie und Mattea sind wir zuständig für die Vorbereitung und Durchführung des Englisch- und Deutsch-Clubs. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie bei diesen Sprachklubs viele verschiedene Menschen zusammenkommen, die Spaß daran haben, eine neue Sprache zu lernen oder zu vertiefen. Manchmal kann man entdecken, wie bei unseren Aktivitäten auch das innere Kind der Erwachsenen zum Vorschein kommt und sie die Sorgen ihres Alltags vergessen können.
Vor kurzem haben wir ebenfalls zwei Deutschstunden an einer Kunstschule übernommen, bei welchen wir Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren durch non-formales Lernen Deutsch beibringen. Es überraschte uns, wie sehr wir das Lachen der Kinder und die Konversationen mit den Zwölftklässlern genießen.
Ein weiteres Highlight unserer Arbeit hier in Rumänien sind die monatlichen Quiznights und Spieleabende, die wir organisieren und unterstützen. Alle kommen zusammen, um Spaß zu haben und spielerisch um den Preis zu kämpfen. Teilweise wirkt die Arbeit sehr überwältigend und manchmal ein wenig zu viel, aber mit Mattea und Leonie haben wir bisher jede zeitliche, strukturelle oder motivationsbezogene Herausforderung bewältigt.
Bis jetzt ist die größte Lehre, die wir aus unserer Zeit hier in Rumänien und mit unserer Arbeit bei Care2Travel gezogen haben, dass man nie alles kontrollieren kann. Wir bemerken, wie wir lockerer mit Abweichungen unserer Pläne umgehen. Bei jedem Event, das wir veranstalten, passiert etwas, das wir nicht vorhergesehen haben. Man kann nicht auf alles vorbereitet sein. Durch eine flexible Einstellung und ein bisschen Vertrauen in unsere Fähigkeiten kamen wir bisher immer auf eine Lösung.
Nicht nur unsere Arbeitszeit ist gefüllt mit Lachen. Vor allem in der ersten Zeit, als wir mit Mattea und Leonie in einer Wohnung im Zentrum gewohnt haben, sahen unsere Abende mit chaotischem gemeinsamem Kochen und nächtlichen Filmabenden bunt und lustig aus. Es war ein Prozess, sich für das Gericht unserer Begierde des Abends zu entscheiden, dann das Rezept zu erfinden, während wir es umsetzten, und schlussendlich unsere Kreation auf unseren Tellern liegen zu sehen – mit einem stolzen Gefühl im Bauch und meistens einem guten Geruch in der Luft.
Nachmittags und abends begannen wir mit der kleinen Tradition, Spaziergänge zu unternehmen, die oft außer Kontrolle gerieten und zu kleinen Wanderungen mit wunderschönen Ausblicken auf einen der nahe gelegenen Hügel wurden.
Bereits jetzt schauen wir zurück auf diese Momente mit einer gewissen Melancholie. Denn vor ein wenig mehr als zwei Wochen sind wir in ein neues großes Haus umgezogen, wo wir uns den anderen sieben ESC-Freiwilligen anschlossen und eine große WG bildeten. Doch hier in der neuen Unterkunft entstehen neue Traditionen, wie gemeinsame Spieleabende oder nächtliche Ausflüge in die Stadt. Jetzt, zur Weihnachtszeit, überraschten wir uns gegenseitig mit einem geheimen Nikolaus und bringen so ein bisschen kindliche Magie in die gemeinsamen Räume.
Nach zwei Monaten Freiwilligendienst in Rumänien haben wir das Gefühl, mehr Menschen getroffen zu haben als jemals in unserem Leben. Durch das On-Arrival-Training wurde uns die Möglichkeit bereitet, andere Mitstreiter in dieser Freiwilligen-Erfahrung zu entdecken, wenn auch digital. Es lässt sich jedoch auch in die reale Ebene übertragen und so haben wir mit einem Trip nach Brașov ein paar der anderen ESC-Freiwilligen getroffen, mit ihnen die Stadt von oben betrachtet und eine 4D-Kinoerfahrung überlebt.
Unsere wochenendlichen Trips sind zu einem Favoriten der Gruppe geworden und mit dem Zugsystem, das im Vergleich zu den deutschen Verspätungen ein Traum ist, haben wir jede Gelegenheit genutzt, um Rumänien ein wenig besser kennenzulernen. Wir machten bereits einige Ausflüge nach Brașov, nahmen die Stadt in uns auf und besuchten die Touristenspots, da auch diese abgehakt werden müssen.
Letztes Wochenende sind wir in die Großstadt geflüchtet. Wir sind, leider von Regen begleitet, durch die Straßen Bukarests gezogen, beeindruckt und überwältigt von der Architektur und dem Kontrast zu unserer doch kleinen Existenz. Es war natürlich auch ein Muss, die Weihnachtszeit mit einem kleinen Glühwein einzuläuten und durch den Besuch von verschiedenen Museen und Gebäuden in die Geschichte Rumäniens einzutauchen.
Aber auch kleinere Trips in umliegende Städte versüßen unsere Wochenenden. Durch eine lokale Freiwillige können wir einen persönlicheren Einblick in das Leben und die Kultur erfahren, welche durch die hohe ungarische Population hier in Transsylvanien noch einmal komplexer und umfangreicher ist.
Obwohl wir bereits versuchen, das Größtmögliche aus unserem Leben hier herauszuschöpfen, wissen wir, dass es immer noch eine Unzahl an unentdeckten Ecken und Realitäten gibt. Wir können es kaum abwarten, sie ausfindig zu machen und zu erkunden.
Aimee & Frida verbringt ihren Freiwilligendienst bei Care2Travel, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Aimee & Frida erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.





