Einstein hatte auf jeden Fall Recht mit der Aussage, dass Zeit relativ ist, denn obwohl ich schon seit etwas mehr als 2 Monaten hier bin, ist die Zeit geradezu verflogen.
Momentan absolviere ich meinen sechs-monatigen Freiwilligendienst in Miercurea Ciuc beziehungsweise Csikszereda im wunderschönen Transilvanien. Dort arbeite ich bei der Organisation Care2Travel, die sich fokussiert, der lokalen Bevölkerung etwas Gutes zu tun.
Insgesamt sind wir elf Freiwillige aus verschiedenen Ländern, wobei fünf von uns Deutsche sind, was einiges auf jeden Fall erleichtert. Trotzdem ist es auch sehr schön, Freundschaften mit Menschen aus allen möglichen Ländern und Kulturen zu knüpfen!
In meinem Projekt (“Community Inclusion”) arbeite ich theoretisch nur mit einer weiteren Freiwilligen zusammen, aber wir bekommen großzügigerweise auch viel Unterstützung von Aimee und Frida (die auch einen wundervollen Bericht geschrieben haben, schaut gerne rein!), sodass wir eigentlich zu viert arbeiten. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Sprachclubs zu organisieren und zu leiten. Momentan bieten wir Deutsch und Englisch an und auch wenn niemand von uns so etwas zuvor gemacht hat, muss ich schon sagen, dass wir gute Arbeit leisten! Zumindest haben wir noch niemanden vertrieben und konnten uns schon ein konstant-wiederkommendes Klientel aufbauen xD
Es ist durchaus ein belohnendes Gefühl, wenn man sieht, dass die Leute tatsächlich etwas durch unsere Spiele und unsere gelegentliche “Informations-Eindreschung” lernen können und mit Spaß ihre Sprachkenntnisse erweitern.
Zudem organisieren wir zu viert monatlich eine Quiznight in einem lokalen Café. Wir hatten bisher nur eine und ich muss schon sagen, dass der Andrang recht groß war und somit auch der Druck, den Mitspielenden ein unterhaltsames Erlebnis anzubieten. Nichtsdestotrotz war es eine Freude, die Quiznight von Grund auf zu gestalten und auch, wenn die Nervosität bei der Moderation am Anfang gekickt hat, war es auch nur eine Frage der Zeit bis man von der Begeisterung der Teilnehmenden angesteckt wurde und den Abend niemals enden lassen wollte!
Unsere Aufnahmeorganisation lässt uns schon einiges an Flexibilität und Entscheidungsmöglichkeiten, sodass wir auch andere Aufgaben übernehmen können, wenn wir danach fragen. So wurde uns zum Beispiel angeboten, an einer lokalen Schule ein bisschen Deutsch zu unterrichten. Nun ja, es beläuft sich dabei eher auf Spiele, damit die Schüler*innen mehr ins Reden kommen. Jetzt gehen wir wöchentlich jeweils in eine sechste und in eine zwölfte Klasse und versuchen, auf kreativer Art und Weise so viel wie möglich in 45 Minuten mit ihnen zu machen. Das ist manchmal mehr oder weniger anstrengend, aber auf jeden Fall lohnenswert!
Wenn wir mal nicht mit den Sprachclubs, der Quiznight oder dem Unterricht beschäftigt sind, machen wir auch jede Menge andere Aktionen. Vor kurzem waren wir zum Beispiel bei einer Seniorengemeinschaft und haben dort gemeinsam Croissants gebacken und Gulasch gekocht. Das war sehr schmackhaft! Das Highlight des Tages war allerdings definitiv das gemeinsame Tanzen! Wir haben zu traditioneller (Kinder-)musik aus der Region getanzt, und es hat allen Beteiligten einen Riesenspaß gemacht! Vermutlich wird mir dieser Tag bis zum Ende meines Lebens in meinem Kopf bleiben (auch wenn meine Tanz-Skills leider viel zu wünschen übrig lassen)!!!
Kurz etwas zur Stadt hier: Die Besonderheit des Ortes beziehungsweise sogar der gesamten Region besteht darin, dass hier überwiegend die ungarische Minderheit lebt, weshalb zwar auch der Großteil Rumänisch spricht, aber Ungarisch der eigentliche Standard ist. Das heißt, wir bekommen Ungarisch-Stunden von unserer Organisation gestellt. In unserer Gruppe macht das auf jeden Fall Spaß (auch wenn es nicht immer leicht ist) und wir lernen nicht nur einfach stumpf Vokabeln, sondern auch etwas über die Kultur.
Abseits der Freiwilligenarbeit haben wir auch etwas Freizeit und nutzen diese bis in die letzte Sekunde aus. Zum Beispiel wurden wir von einer weiteren Freiwilligen aus der Region und ihrer Familie eingeladen, an ihrer Allerheiligen-Tradition teilzunehmen, sodass wir einen ganzen Nachmittag von Friedhof zu Friedhof gefahren sind, gemeinsam Kerzen angezündet haben, uns Familiengeschichten angehört haben und am Ende des Tages sogar freundlicherweise bei ihrem Onkel zum Abendessen eingeladen wurden.
Zudem waren wir auch mal für ein verlängertes Wochenende in Bukarest, was eine gute und lebendigere Abwechslung im Vergleich zu dem kleinen Städtchen war. Da die Züge auch etwas zuverlässiger sind als bei der deutschen Bahn, hat der Trip auch super geklappt. Als großes Plus konnten wir auch noch die wunderschönen bergigen Landschaften beobachten!
Jenseits von diesen Erlebnissen mussten wir auch einmal in eine andere Unterkunft umziehen. Davor waren wir vier Deutsche und noch ein paar internationale Kurzzeitfreiwillige in der einen Unterkunft, was ziemlich entspannt war (vor allem weil die Sprachbarriere nicht wirklich vorhanden war). Jetzt sind wir allerdings zu den anderen Freiwilligen gezogen, sodass alle elf Freiwillige nun zusammenleben, was auf jeden Fall schön ist, weil man so besser etwas zusammen unternehmen kann!
Die anfängliche Angst, dass es zu überwältigend sein könnte, mit so vielen auf einem Fleck zu leben, ist dann auch schnell verflogen, da wir nun in einem größeren Haus leben und wir in gewisser Weise eine Art Rhythmus entwickelt haben, sodass sich alle wohlfühlen.
Ich bin auf jeden Fall super froh, all die Leute, die ich bisher kennengelernt habe, kennengelernt zu haben und kann kaum erwarten, was die nächsten vier Monate bringen werden!
Leonie verbringt ihren Freiwilligendienst bei Care2Travel, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Leonie erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.





