Lea in Nordmazedonien // Abschlussbericht

297 Tage. Das ist die Zeitspanne, in der ich nicht täglich auf dem Land in Deutschland, sondern in der Hauptstadt Nordmazedoniens in meinem Bett aufgewacht bin. Und selbst jetzt, zurück in Deutschland, fühlt sich dieser Fakt unfassbar surreal an.

Wie so viele Jugendliche habe ich mich nach meinem Abitur nach Freiheit gesehnt. Mal etwas ganz anderes zu sehen und zu erleben. Und besonders zu versuchen, bestmöglich in diesen Ort einzutauchen und mit den Menschen dort zu leben.

Also entschloss ich mich eines Sonntagmorgens, meine Bewerbung bei NaturKultur für einen ESK abzuschicken. Und wie viel ich seitdem erlebt habe, kann ich manchmal selbst kaum glauben.Das ewig lange Warten auf mein Visum, mein Abschied aus Deutschland, und der etwas holprige Start in Nordmazedonien beginnen schon in meiner Erinnerung zu verblassen. Darauf folgten in den nächsten Monaten unzählige Erfahrungen in diesem so ganz anderen Land, tolle neue Menschen, und so viele Reisen wie uns nur irgendwie möglich waren.

Und das war es auch, was mir in dieser Zeit am meisten Freude bereitet hat. Neue Länder und Kulturen zu entdecken, sei es in dem tatsächlichen Land, oder unserer WG- Küche mit den anderen Freiwilligen. Neben ein bisschen Mazedonisch habe ich in diesem Jahr auch sämtliche französische Schimpfwörter kennengelernt, ohne jemals das Land zu betreten.

Als ich eines Morgens in den Familienchat meiner deutschen Familie schrieb, dass wir jetzt spontan in den Kosovo fahren würden, wurde mir noch einmal klar, wie anders mein Leben im Vergleich zu einem Jahr zuvor doch war.

Und doch gab es auch nicht so schöne Seiten an meiner Zeit in Nordmazedonien. Das tatsächliche Einleben in dieses Land fiel mir an einigen Stellen lange schwer, und die Frage, warum ich das ganze eigentlich mache, habe ich mir ebenfalls oft gestellt. Ein großer Teil dessen war auch, dass das Projekt leider an einigen Stellen nicht so wirklich meine Erwartungen erfüllt hat.

Dennoch würde ich einen Freiwilligendienst im Ausland, oder auch eine andere Form des Reisens, insgesamt immer weiter empfehlen. Und auch ich habe in meinem Projekt Dinge gefunden, die mir sehr viel Spaß bereitet haben. Besonders waren dies mein monatlicher Buchclub und die Arbeit mit benachteiligten Kindern in einem Tageszentrum.

Etwas, dass ich neuen Freiwilligen und auch mir selbst gern mit auf den Weg geben würde, ist: trau dich. Wenn es etwas gibt, für das du dich interessiert, oder das du ändern möchtest, mach es. Das ist eine der vielen Dinge, die ich auf meinen nächsten Abenteuern behalten möchte.

Oft habe ich mich auch gefragt, wie meine Ankunft zurück in Deutschland sein würde. Ob ich mich wieder einleben könnte. Und hier muss ich zumindest für mich sagen: ich liebe es gerade. Ich habe gelernt, viele alltägliche Dinge in meinem Leben viel mehr zu schätzen. Ich bin selbstständiger geworden, und habe unfassbar viel über die Welt und mich selbst gelernt. Und für diese Erlebnisse würde ich immer wieder meine Koffer packen, und schauen, was die Welt noch für mich bereithält.

Lea Schwegmann

Lea verbringt ihren Freiwilligendienst bei VCS, ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.

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