Wenn ich auf die letzten 2 Monate hier in Thessaloniki zurückblicke, kommt mir nicht ein bestimmtes Bild in den Kopf, es ist eher ein Gefühl, entstanden aus all den neuen Erfahrungen die ich hier gesammelt habe. Das Gefühl den Mut gehabt zu haben etwas Neues zu wagen, die Dankbarkeit hier so viele einzigartige und nette Menschen kennenzulernen und die Gewissheit, dass die Stadt immer vertrauter wird, so dass ich mich hier von Tag zu Tag wohler fühle.
Den wohl größten und schönsten Teil meines Tages macht hier das Zusammensein mit anderen Menschen aus.
Mit ungefähr 20 Freiwilligen leben wir in einem großen Haus, wir teilen uns eine Küche, ein Wohnzimmer, Waschmaschienen… und die meisten von uns auch ein Zimmer mit einer anderen Person.
Besonders in der Zeit vor der Anreise habe ich mir oft vorgestellt, wie es wohl sein wird, mit so vielen Menschen zusammenzuleben und konnte nur hoffen, dass die Menschen nett und das Haus in gutem Zustand ist.
Auch wenn ich mich am Anfang natürlich an einige Dinge gewöhnen musste, bin ich total dankbar und froh Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Durch das intensive Zusammenleben lernt man die Anderen auf eine ganz neue Art und Weise kennen und bei den meisten kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass wir uns erst vor zwei Monaten das erste Mal getroffen haben.
Auch wenn manche Dinge mich manchmal anstrengen, wie der Lärm, der nachts von der Straße zu uns hoch hallt oder die 4 geteilten Duschen für 20 Leute, machen gemeinsame Spieleabende, Begegnungen auf dem Flur, abendliche Gespräche und das gemeinsame Essen den Charakter des Hauses aus!
Alles in allem kann ich für mich sagen, dass es mir total gut tut, von so vielen Menschen umgeben zu sein und immer die Möglichkeit zu haben, etwas mit anderen zu unternehmen.
Thessaloniki hält dafür allerhand bereit, schöne Cafés, Spaziergänge am Hafen, die Altstadt oder größere Ausflüge in die Natur. Durch unsere kurzen Arbeitszeiten habe ich schon vieles von der Stadt gesehen und mittlerweile finde ich mich immer häufiger auch ohne Google Maps zurecht, was ich am Anfang niemals geglaubt hätte.
Das Ambiente der Stadt empfinde ich als sehr lebhaft und schnell. Es ist immer etwas los und wenn man Augen und Ohren offen hält, findet man immer wieder neue Events und Orte.
Abseits der großen Straßen bringt die Stadt aber immer wieder auch ein sehr persönliche Seite entgegen. Häufig kommen besonders ältere Menschen auf mich zu und sprechen mich auf Griechisch an, nach einem lieb gemeinten „Μιλάτε αγγλικά;“[ „sprechen Sie Englisch?“] ist die Interaktion dann zwar meistens leider vorbei, aber das Gefühl, dass Menschen hier füreinander da zu sein scheinen, kommt trotz Sprachbarriere an.
Auch dadurch, dass das Zentrum recht klein ist, treffe ich durchaus Leute, die ich kennen, zufällig auf der Straße, was der zweitgrößten Stadt Griechenlands widererwartens ein mir sehr vertrautes Kleinstadtgefühl verleiht.
Genauso wie ich mich in der Stadt jetzt besser zurechtfinde, habe ich mich auch auf der Arbeit eingewöhnt.
Ich weiß noch genau, wie ich in den ersten Tagen vor die Aufgabe gestellt wurde, einen Artikel zu schreiben und nicht richtig wusste, wie ich anfangen soll. Denn leider wurde uns bezüglich der fachlichen Aspekte nicht viel erklärt, aber mit der Zeit und vielen Fragen habe ich mich in die Arbeit für den Blog ganz gut eingefunden.
Neben der „journalistischen“ Arbeit, helfen wir häufig auch bei Events mit. Diese sind zwar meist ganz nett, dadurch, dass aber sehr viele Freiwillige zur Unterstützung vor Ort sind, ist oft nichts zu tun, was teilweise etwas frustrierend ist.
Insgesamt verläuft die Arbeit hier sehr spontan, auch wenn wir theoretisch einen Terminplan für November und Dezember erhalten haben, hat sich vieles spontan geändert und teilweise haben wir erst durch eine kurze Nachricht am Abend erfahren, dass wir am nächsten Tag statt vormittags statt nachmittags arbeiten. Diese Spontanität ist für mich zwar teilweise etwas anstrengend, andererseits lerne ich so auch, mich schneller anzupassen und flexibel zu sein.
Alles in allem gefällt es mir hier nach zwei Monaten sehr gut, besonders die Menschen machen die Erfahrung zu dem, was sie ist und all die spannenden Erlebnisse und neuen Möglichkeiten machen die unbequemeren Stellen des Projekts wieder gut.
Nach den ersten zwei Monaten besuche ich jetzt zu Weihnachten meine Familie und freue mich schon wieder in die Gemeinschaft hier einzutauchen!
Charlotte verbringt ihren Freiwilligendienst bei United Societies of Balkans (USB), ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Charlotte erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.




