Nach insgesamt fünf Monaten in Tiflis fühle ich mich hier regelrecht zuhause. Umso erschreckender ist es für mich, dass schon die Hälfte meiner Zeit um ist. Nachdem ich mich in den ersten Monaten eingelebt und an mein neues Umfeld gewöhnt hatte, konnte ich es auch guten Gewissens wagen, für einen kurzen Besuch mal wieder in meine Heimat zurückzukehren. Schließlich ist die Weihnachtszeit für mich ein alljährlicher Grund meine Familie und meine Freunde in Hamburg wiederzusehen. So schön und besinnlich diese kleine Episode in Deutschland auch war, befand ich mich schon auf den Weg zurück nach Georgien, bevor das Jahr überhaupt endete. Denn die Neujahresfeierlichkeiten in Tiflis wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! In der Tat war ich überglücklich, wieder mit meinen Mitfreiwilligen und meinen Freunden zusammenzukommen und gemeinsam mit ihnen den Beginn des neuen Jahres zu feiern. Und das Beste an all dem war, dass wir wenige Tage später ein zweites Mal Weihnachten feiern durften! Schließlich findet der Orthodoxe Weihnachtstag am 7. Januar statt. Am Vorabend gingen wir Khinkali essen und besuchten gegen elf Uhr abends den Gottesdienst in der großen Sameba-Kathedrale, die hoch auf einem Hügel über Tiflis wacht. Ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Die Leute kamen und gingen, denn der Gottesdienst dauerte quasi die ganze Nacht an. Dennoch herrschte eine feierliche und besinnliche Stimmung, die von mehreren beeindruckenden Chören untermalt wurde. Am nächsten Tag veranstalten wir selbst ein kleines Weihnachtsessen in unserer Wohnung. Es gab viel Kartoffelsalat, aber wir probierten uns auch an georgischen Gerichten wie zum Beispiel Lobio.
Da die erste Januarhälfte in Georgien von Ferien bestimmt ist, hatten wir noch etwas Zeit uns von den vielen Feierlichkeiten zu erholen, bevor es mit der Arbeit bei Droni wieder richtig losging. Und das tat es dann auch, denn bis Mitte Februar waren wir damit beschäftigt, verschiedene Projekte zu planen. Genauer gesagt handelte es sich um Jugendaustausche und Trainingskurse im Rahmen des Erasmus+-Programms, die wir zusammen mit europäischen Partnerorganisationen entwickelten und für die wir eine Förderung von der Europäischen Kommission beantragen mussten, was eine Menge Papierkram bedeutete. Auch wenn dies eine der intensiveren Phasen unseres Arbeitsalltags war, bin ich trotzdem dankbar, wie viel wir gelernt haben, über Projektmanagement, Kommunikation und, ja, Bürokratie. Mit der Arbeit im Jugendzentrum bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Es ist schön zu sehen, wie die Gruppen sich entwickeln, und mehr über die einzelnen Mitglieder zu erfahren. Außerdem bekommen wir bei Droni ständig neuen Zuwachs. Leider mussten wir uns im Februar von einer Freiwilligen verabschieden, deren Zeit hier zu Ende, aber seitdem haben wir schon zwei weitere in unseren Kreis aufnehmen dürfen. Hinzu kommt, dass unsere Organisation auch immer wieder Kurzzeitprojekte ausrichtet, die mittlerweile die dritte Gruppe an Freiwilligen aus verschiedensten Ländern hierhergeführt hat, die jeweils immer für zwei Monate bleiben. Somit bleibt die Arbeit hier belebt und voll mit spannenden Begegnungen.
Jetzt, wo der Frühling sich nähert, hoffe ich auch, endlich etwas mehr die anderen Regionen Georgiens erkunden zu können. Auch wenn man dieses Land gerne mit hohen Bergen und auch mit hohem Schnee in Verbindung bringt, sind die Winter in Tiflis für gewöhnlich eher milde. Nicht so in diesem Jahr. Im Januar herrschte hier ein Chaos, wir sind im Schnee versunken und jeder Gang vor die Haustür war eine einzige Rutschpartie. Trotzdem hatte ich in der ruhigen Zeit Anfang des Jahres das Bedürfnis ein wenig mehr zu entdecken und bin so endlich einmal dazu gekommen die „Chronicle of Georgia“, ein Monument, das der jahrhundertelangen georgischen Geschichte gewidmet ist, in einem Außenbezirk von Tiflis zu besuchen, auch wenn ich dafür durch tiefen Schnee stapfen und über eisglatte Stufen steigen musste. An einem Wochenende bin ich in den hohen Bergen von Kazbegi sogar Ski gefahren. Kürzlich hat es mich auch nach Gori verschlagen, das mir eine ganz andere Seite von städtischem Leben in Georgien als dem bunten Treiben in Tiflis gezeigt hat. Bevor ich Georgien im Juni verlassen werde, plane ich noch viele andere Ecken des Landes sowie Teile von Armenien zu entdecken.
Albert verbringt seinen Freiwilligendienst bei DRONI, ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.
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