Marie in Skopje, Nordmazedonien // 1. Bericht

Здраво, ich bin Marie, 19 Jahre alt und komme ursprünglich aus Köln. Ende Mai habe ich meinen Freiwilligendienst in Mazedonien angefangen, der nicht mein erster Auslandsaufenthalt ist, aber der, der die größte Veränderung und Umstellung für mich bedeutet hat.

Kulturell unterscheidet sich Skopje relativ stark zu Deutschland, wobei manche Unterschiede unfassbar liebenswürdig, andere hingegen ein wenig anstrengend sind. Dass die Menschen hier sehr entspannt mit Zeit und Verspätungen umgehen, gehören für mich zum Beispiel zu der ersten Kategorie. Kleinigkeiten wie diese beinah schon grundsätzliche Einstellung entschleunigen den Alltag wirklich sehr.

Was auch anders als in vielen Teilen Deutschlands ist, ist, dass sich viele Menschen sehr für Fremde interessieren und sehr hilfsbereit sind. „Ако поможиш, ќе ти поможет“ (If you help, they will help you.) ist ein mazedonisches Sprichwort – es ist ein Geben und Nehmen. An der Kasse werden dir die Münzen, die dir fehlen, von Kunden oder vom Personal geschenkt oder man wird nach einem Gespräch direkt eingeladen immer vorbeizukommen, wenn man was braucht. Man selbst passt sich daran an und versucht solche Nettigkeiten zurückzugeben. Funfact: Die Leute sind so nett, dass meine Mitbewohnerin letztens schon fast an den Sohn einer Nachbarin verheiratet wurde.

Freunde findet man in Mazedonien dementsprechend schnell. In der Zeit, in der ich hier bin, habe ich enge Freundschaften geschlossen mit Freiwilligen und Mazedoniern, aber musste teilweise diese Personen nach einigen Wochen wieder verabschieden. Das bricht einem wirklich das Herz, nur das Gute ist, dass man sich sicher sein kann, dass viele interessante Freiwillige noch kommen werden. Manchmal ist es aber ein bisschen schwer aus der „Volunteers-Bubble“ rauszukommen, das ist aber nicht unbedingt schlimm, weil viele ihre eigenen mazedonischen Freunde haben und so sich ein erweiterter Freundeskreis, der sehr gemischt und vielfältig ist, gebildet hat.

Hier wird sehr viel Deutsch gesprochen, das kommt daher, dass die Schulen schon früh Deutsch anbieten. Es gibt auch viele Familien, in denen Mitglieder in Deutschland oder z.B. der Schweiz gearbeitet haben und teilweise hierhin zurückgezogen sind oder Familienmitglieder haben, die weiterhin im Ausland leben. Allgemein werden hier aber viele Sprachen gesprochen. Die meisten sprechen Mazedonisch und Englisch, dann kommt oft Albanisch und fast jede slawische Sprache dazu, einige sprechen Türkisch, Französisch, Spanisch – ich habe Leute kennengelernt, die mehr als 7 Sprachen sprechen. Es wird gesagt, dass das wie mit dem Deutschen häufig mit der Familie zu tun hat, dass die Sprachen verwandt sind oder dass viele Kinder nicht übersetzte Fernsehserien in den Originalsprachen schauen und dadurch lernen.

Meine Arbeit hier ist hauptsächlich das Schreiben fürs VOICES Magazin und das Organisieren von Veranstaltungen, Workshops, usw. Mir macht vor allem das Planen für die Veranstaltungen viel Spaß, ich lerne z.B. wie man InDesign benutzt für das Designen von Artikeln oder wie man effektiv plant. Am meisten aber lerne ich über mich selbst – ich glaube ich habe mittlerweile eine Vorstellung, was ich bei meinem zukünftigen Arbeitsplatz suche oder nicht suche oder auch in welche Richtung ich mich bewegen möchte in Zukunft. Ich bin mir sehr sicher, dass das mitunter eine der wichtigsten Erfahrungen ist, die ich hätte machen können.

Mit den anderen Freiwilligen haben wir letzten sogar auf einem Festival in Dojran gearbeitet. Das Festival war an sich sehr gut aufgebaut, mit vielen lokalen Künstlern aber auch größere Künstler wie z.B. Zhu oder PurppSmoke und man konnte nach der Arbeit immer an den Konzerten teilhaben und mit den anderen Freiwilligen feiern. Das Ganze wurde über VCS organisiert und wir hatten die Tage plus den Tag danach frei. Alles in allem kann man sagen, dass Mazedonien und der Balkan wirklich begeistern. Skopje ist auf den ersten Blick vielleicht nicht die schönste Stadt, aber man kann mit großer Sicherheit sagen, dass man unglaublich viel Schönes entdecken kann – von den ganzen vielen Cafés, mit Freunden stundenlang in Gasthäusern zu sitzen, zu essen, zu trinken und zu rauchen, die vielen Laternen. Es sind die Kleinigkeiten, das Essen, die Menschen, die Kultur, die hier das Leben schön machen. Ich bereue es nicht, mich für Mazedonien entschieden zu haben. Ich kann es nur empfehlen.

Marie

Annik verbringt ihren Freiwilligendienst im Volunteers Centre Skopje. Das Projekt wird durch JUGEND für Europa und das Europäische Solidaritätskorps gefördert.