Leyre in Izmir, Türkei // 1. Bericht

Hoş geldiniz!

Stell dir vor, du fährst jeden Tag übers Mittelmeer zur Arbeit – das ist jetzt mein Alltag 🙂

In meinen ersten beiden Monaten in der Türkei habe ich schon viele ungeplante Erfahrungen gemacht. Ich war auf einer internationalen Messe, in einem türkischen Krankenhaus, in Quarantäne, auf einer türkischen Hochzeit, einem fünf Sterne Hotel, auf der schwersten Wanderung meines Lebens und in für zwei Tage in Istanbul.

Ich bin am ersten September Abends in unserem Apartment in Karşıyaka angekommen. Zwei Mentor*innen haben uns am Flughafen abgeholt und nach Karşıyaka gebracht, wo ich unseren Koordinator Muhsin und einige andere Freiwillige getroffen habe. Es gibt seit diesem Jahr zwei Apartments in Karşıyaka und eins in Buca. Ich wohne in dem unteren Apartment in Karşıyaka und als ich ankam, war schon meine erste Mitbewohnerin da. Ich musste dann aber noch einmal raus und Wasser kaufen gehen gegen Mitternacht, weil das Leitungswasser in Izmir nicht trinkbar ist.

Am nächsten Tag haben wir alle anderen Freiwilligen, die schon da waren (einige sind sehr gestaffelt angekommen) bei einer Stadttour getroffen. Wir sind mit der Fähre nach Pasaport, in das Stadtzentrum von Izmir, wo unser Büro ist, gefahren. Wir haben uns kurz unser Büro angeguckt, besonders den Trainigsraum, wo wir jetzt auch Workshops veranstalten und vorbereiten.

Am Nachmittag sind wir auf die internationale Messe von Izmir gegangen, die gerade stattgefunden hat und auf der ich in den nächsten Tagen auch drei Bremer*innen getroffen habe, die dort waren, um Bremer Jugendbeteiligung vorzustellen, aufgrund der Partnerschaft von Bremen und Izmir.

In den nächsten Tagen haben wir relativ viele Stadttouren gemacht. Ich finde, dass Izmir eine wunderschöne Stadt ist, vor allem die Nähe zum Mittelmeer und den Bergen. Besonders Fähre fahre ich sehr gerne und das kann ich auch immer, wenn ich ins Büro gehe. Auch die Menschen hier sind wirklich nett und hilfsbereit und es ist relativ einfach, lokale Freiwillige und junge Menschen aus Izmir zu treffen.

Im September haben wir also die Stadt erkundet und ein bisschen Papierkram gemacht, vor allem für das Visum. In unserem Fall waren wir auch fast zwei Wochen in Quarantäne, weil drei Freiwillige Corona bekommen hatten. Außerdem haben wir die Jugendzentren besucht, in denen wir jetzt arbeiten. Anfang Oktober waren wir in Afyonkarahisar auf dem on-arrival-trainig, vier Tage in einem Hotel, was vor allem schön war, weil wir ganz viele Freiwillige, die ihren Dienst in anderen Teilen der Türkei machen, kennengelernt haben. Nachdem wir zurückgekommen sind, haben wir angefangen zu arbeiten.

Es gibt zwei Freiwillige, die im Büro arbeiten und dort mithelfen, alle anderen Freiwilligen (zu denen auch ich gehöre), machen Workshops. Das heißt vor allem conversation clubs, man bereitet also einen Workshop mit Aktivitäten in einer Sprache vor, die man spricht und macht diesen dann meist einmal die Woche einen Monat lang. Es ist aber auch möglich, Workshops zu anderen Themen zu machen, diese finden auch immer unter dem Motto des informellen lernens statt. Außerdem kann man auch Veranstaltungen planen, die nur ein mal stattfinden.

Wir bekommen jeden Monat einen neuen Plan und dafür haben wir immer ein Meeting. Meist arbeiten wir zwei Tage im Büro, von 10-17h und die anderen Tage haben wir Workshops.

Der September war etwas sehr chaotisch und auch wenn wir viele Sachen gemacht haben, die Spaß machen, war er sehr voll und es war ziemlich anstrengend. Außerdem haben wir unser Bankkonto erst Ende September bekommen, also mussten wir erst einmal selber bezahlen und dann haben wir Ende September das Geld für September und Oktober bekommen.

Ein großes Problem, vor allem Anfang, war/ist, dass es ein Apartment in Buca gibt, wo bis zu sechs Freiwillige wohnen können. Da Buca sehr weit weg ist, haben die Personen die dort Leben sehr lange Wege und es ist schwieriger für uns sie zu sehen…

Insgesamt muss man sich aber auf lange Wege gefasst machen, Izmir ist sehr groß.

Wir werden erst ab nächsten Monat Türkischunterricht bekommen, was schade ist, denn diese letzten beiden Monate war es sehr schwierig ohne oder mit wenig Türkisch auszukommen. Die meisten Menschen in Izmir sprechen kein Englisch und Verständigung ist so etwas schwer.

Shoppen ist hier aber sehr einfach und fun, ich habe ein paar Freundinnen, die fast nichts anderes machen 😉

Auch wenn ich jetzt einige Sachen geschrieben habe, die sich vielleicht nicht besonders einladend anhören, trotz aller Schwierigkeiten, die wir Anfangs hatten und manchmal noch haben, ist der Freiwilligendienst bei Pi Youth wirklich toll. Vor allem die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sind supernett und mit einigen bin ich schon richtig gut befreundet. Auch die Personen, die für die Organisation arbeiten sind, nett, auch wenn es manchmal echt chaotisch zugeht. Andererseits ist die Arbeit auch nicht superanstrengend und die Atmosphäre immer gut.

Und Izmir ist einfach eine superschöne Stadt mit viel Leben und vielen Möglichkeiten. Und die türkische Kultur und Küche ist super 🙂 – auch wenn es hier schwieriger ist vegetarisch/vegan zu leben.

Ein paar Tipps zum Schluss: übersetzt Beipackzettel von Medikamenten immer bevor ihr sie nehmt, lernt ein bisschen Türkisch bevor ihr kommt und nehmt alle kulturellen Erfahrungen mit, die ihr könnt. Es ist wirklich ganz anders als in Deutschland hier, aber es lohnt sich auf jeden Fall sehr einen Freiwilligendienst in Izmir zu machen!

Leyre

Leyre verbringt ihren Freiwilligendienst bei PI Youth Association, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.