Als ich im Februar mit einer schwarzen Jack-Sparrow-Piratenperücke auf dem Kopf durch die Straßen eines kleinen griechischen Küstenorts gezogen bin, hätte ich selbst ein paar Monate vorher wahrscheinlich nicht gedacht, dass so etwas einmal zu meinem Alltag gehören würde. Aber genau solche Momente zeigen mir immer wieder, wie viele unerwartete und schöne Erfahrungen ein Freiwilligendienst mit sich bringen kann. Jetzt, nach ungefähr fünf Monaten in Thessaloniki, fühlt es sich gleichzeitig ganz normal und immer noch ein bisschen surreal an, hier zu leben.
Wenn ich daran denke, wie ich mich am Anfang gefühlt habe, merke ich, wie viel sich verändert hat. In den ersten Wochen war alles neu. Mittlerweile kenne ich meine Lieblingsorte, weiß, welche Busse ich nehmen muss, dass die Metro aber sehr viel angenehmer ist und habe mich richtig eingelebt. Besonders verrückt finde ich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich bin ja jetzt schon etwa fünf Monate hier und habe nur noch etwas mehr als zwei Monate vor mir. Heimweh habe ich inzwischen fast gar nicht mehr und Thessaloniki fühlt sich wirklich ein bisschen wie ein zweites Zuhause an. Der Januar war insgesamt eher ruhig, aber genau das hat ihn irgendwie auch angenehm gemacht. Nach der Weihnachtszeit ging alles etwas langsamer weiter und wir hatten Zeit, unseren Alltag hier zu genießen. Ein Highlight war auf jeden Fall, dass wir zusammen selbst Pizza gebacken haben nach Anleitung von einem Italiener, der bei uns im Haus wohnt. Es war wie ein kleiner Kochkurs und die Pizza hat tatsächlich unglaublich gut geschmeckt. Außerdem waren wir bei einem Fußballspiel von PAOK. Leider haben sie verloren und man hat wirklich gemerkt, wie emotional Fußball hier ist, denn viele Fans waren ziemlich aufgeregt und haben sogar vor Ende des Spiels das Stadion verlassen. Trotzdem war es eine spannende Erfahrung, einmal die Stimmung in einem griechischen Stadion mitzuerleben. Neben solchen Ausflügen gab es auch einige Workshops. Mein Lieblingsworkshop war definitiv der Radio-Workshop. Es war super interessant zu sehen, wie Radiosendungen aufgebaut sind und selbst einmal etwas aufzunehmen. Außerdem waren wir in mehreren Museen und natürlich auch auf ein paar Partys. Im Februar wurde es dann wieder etwas voller mit Aktivitäten. Wir waren bei einer Ausstellung über Vintage Toys, was überraschend spannend war, weil viele Spielsachen aus verschiedenen Jahrzehnten gezeigt wurden. Als Team-Building-Aktivität waren wir zusammen bowlen und es gab auch ein Bracelet-Making-Event, bei dem wir Armbänder gebastelt haben. Solche Aktivitäten sind zwar manchmal simpel, aber sie machen Spaß und sind eine gute Gelegenheit, Zeit mit den anderen Freiwilligen zu verbringen. Ein großes Ereignis im Februar war unter anderem der Karneval in Thessaloniki. Er ist ganz anders als in Deutschland, aber trotzdem verkleiden sich alle und feiern auf den Straßen. Die Stimmung war richtig gut und es war spannend zu sehen, wie Karneval hier gefeiert wird. Besonders lustig wurde es dann ein paar Tage später, als wir nach Stratoni gefahren sind, einer kleineren Stadt in der Nähe. Dort sind wir bei einem Karnevalsumzug verkleidet als Piraten mitgelaufen. Meine Piratenperücke war definitiv mein Lieblingskostümteil. Im Februar waren auch meine Großeltern zu Besuch. Es war wirklich schön, sie wiederzusehen und ihnen mein Leben hier zu zeigen. Gleichzeitig war es auch ein bisschen anstrengend, den normalen Alltag aufrechtzuerhalten und trotzdem möglichst viel mit ihnen zu unternehmen. Wir waren zusammen in der Altstadt und haben eigentlich alle typischen touristischen Orte besucht. Trotzdem war es ein besonderer Moment, ihnen die Stadt zeigen zu können, in der ich gerade lebe. Neben all diesen Aktivitäten habe ich auch etwas Neues gestartet: einen Book Club. Jeden Monat lesen wir jetzt gemeinsam ein Buch und treffen uns, um darüber zu sprechen. Ich finde das richtig schön, weil es eine ruhige Aktivität ist und gleichzeitig eine gute Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Ende Februar sind wir für ein Wochenende nach Sofia in Bulgarien gefahren. Die Stadt hat mir sehr gut gefallen, vor allem die vielen Kirchen. Allerdings war es dort deutlich kälter als in Thessaloniki. Während ich hier teilweise schon mit Sonnenbrille und Top auf der Dachterrasse sitzen konnte, brauchte man dort wieder dicke Winterkleidung. Ein weiteres Highlight war eine Wanderung auf dem Olymp. Die Landschaft dort ist unglaublich schön, aber die Wanderung war auch ziemlich anstrengend. Trotzdem hat es sich absolut gelohnt, allein schon wegen der Aussicht und der Natur. Mein bisheriges absolutes Highlight seit Weihnachten war aber unser Trip nach Athen Mitte März. Wir waren fünf Tage dort und haben unglaublich viel gesehen. Natürlich waren wir auf der Akropolis und bei den anderen antiken Tempeln, im Dionysos-Theater und in der Altstadt von Athen. Wir sind durch kleine Straßen gelaufen, haben Eis gegessen, waren shoppen, am Hafen und sogar im Nationalpark. Ein Abend, der mir besonders in Erinnerung bleiben wird, war der Sonnenuntergang auf einem Hügel über der Stadt, von dort hatte man eine unglaubliche Aussicht. Als Stadt finde ich Athen sogar etwas schöner als Thessaloniki, vor allem wegen der vielen Grünflächen. Trotzdem würde ich persönlich lieber weiterhin in Thessaloniki wohnen, weil die Stadt kleiner ist und sich für mich ein bisschen gemütlicher anfühlt.
Wenn ich an meinen Freiwilligendienst denke, merke ich, wie viele unterschiedliche Erfahrungen dazu gehören. Die Arbeit in der Organisation, Workshops, Reisen, neue Freundschaften und ganz viele kleine Alltagsmomente. Für zukünftige Freiwillige würde ich sagen, dass man offen sein sollte für Neues und bereit, Dinge auszuprobieren, die man vielleicht zu Hause nie gemacht hätte. Genau dann entstehen oft die besten Erinnerungen.
Im Moment versuche ich einfach, die Zeit hier noch so gut wie möglich zu genießen. Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Monate vergangen sind. Gleichzeitig freue ich mich über alles, was ich hier noch erleben werde in den letzten zwei Monaten in Thessaloniki.
Leonie verbringt ihren Freiwilligendienst bei United Societies of Balkans (USB), ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.
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