Leonie in Thessaloniki, Griechenland // Abschlussbericht
Jetzt bin ich wieder zuhause, irgendwie kaum zu fassen. Vor ein paar Monaten hätte ich wahrscheinlich niemals gedacht, dass mir der Abschied von Thessaloniki einmal so schwerfallen würde. Ich erinnere mich noch genau an die ersten Tage dort. Es war ein neues Land, neue Menschen und ein komplett neues Umfeld. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht so genau, was mich erwartet. Eigentlich habe ich mich damals nur für den Europäischen Solidaritätskorps-Freiigendienst entschieden, um die Zeit zwischen Schule und Studium sinnvoll zu überbrücken und einfach mal eine Pause vom „normalen Leben“ zu haben. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass es wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen meines Lebens war.
Wenn ich heute an die letzten 7 Monate zurückdenke, denke ich nicht zuerst an große Ereignisse oder perfekte Momente. Meine schönsten Erinnerungen sind eher die vielen kleinen Situationen im Alltag, wie gemeinsam abends in der Küche sitzen, spontane Gespräche mitten in der Nacht, zusammen lachen, Musik hören oder einfach nur gemeinsam auf dem Balkon sitzen und nichts Besonderes tun. Genau diese Momente haben den Freiwilligendienst für mich so besonders gemacht. Ich könnte mich niemals auf eine einzige schönste Erinnerung festlegen, weil es eher das Gesamtgefühl war, das alles so unvergesslich gemacht hat.
Besonders wichtig war dabei das Haus, in dem ich mit den anderen Freiwilligen gewohnt habe. Das war definitiv mein Lieblingsaspekt an diesem Projekt. Wir waren irgendwann wie eine kleine Familie. Natürlich gab es auch mal chaotische oder stressige Tage, aber wir haben uns immer wieder zusammengerafft. Ich habe dort zum ersten Mal erlebt, wie schön Gemeinschaft sein kann, wenn Menschen aus komplett unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammenkommen und trotzdem so gut miteinander harmonieren. Der Freiwilligendienst besteht nämlich nicht nur aus der Arbeit selbst, sondern vor allem aus den Menschen, mit denen man diese Zeit verbringt.
Die Arbeit in meiner Aufnahmeorganisation war insgesamt sehr angenehm, weil alle unglaublich herzlich und offen waren. Ich habe mich dort schnell willkommen gefühlt. Natürlich war nicht immer alles perfekt. Manchmal war die Arbeit in meinem Büro ehrlich gesagt ziemlich eintönig und repetitive Aufgaben können auf Dauer auch anstrengend werden. Aber ich glaube, das gehört irgendwo auch dazu. Dafür hatte ich genug Zeit, mich auf die Erfahrungen außerhalb der Arbeit zu konzentrieren und Thessaloniki wirklich kennenzulernen. Und Thessaloniki selbst ist wirklich eine wunderschöne Stadt für einen Freiwilligendienst. Das Leben dort fühlt sich viel entspannter an als in Deutschland. Die Menschen sitzen stundenlang in Cafés, treffen Freunde am Meer oder genießen einfach den Moment. Gerade daran musste ich mich am Anfang erst gewöhnen, weil ich aus Deutschland eher dieses „alles muss produktiv sein“-Denken kannte. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, langsamer zu werden und das Leben mehr zu genießen.
In den letzten Wochen vor meiner Rückreise haben wir noch unglaublich viel erlebt. Anfang Mai waren wir zusammen auf Skopelos, der Insel, auf der Teile von „Mamma Mia“ gedreht wurden. Allein die Fährenfahrt dorthin war schon wunderschön. Die Insel sah wirklich aus wie aus einem Film mit türkisblauem Wasser, kleinen weißen Häusern, engen Gassen und überall diese entspannte Atmosphäre.
Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni waren wir dann noch in Istanbul, sozusagen als Abschlussreise vor dem Ende unseres Projekts. Diese Reise war komplett anders als alles davor. Istanbul war laut, riesig, chaotisch und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Zwischen Moscheen, Märkten und den vielen verschiedenen Eindrücken wurde mir irgendwie bewusst, wie viel ich in diesen Monaten erlebt habe und wie selbstständig ich inzwischen geworden bin. Früher hätte mich so eine Reise wahrscheinlich komplett überfordert. Jetzt fühlte es sich einfach normal an, spontan mit einer Freundin durch eine riesige Stadt in einem anderen Land zu laufen.
Generell glaube ich, dass ich mich während meines Freiwilligendienstes ziemlich verändert habe. Ich bin viel selbstständiger geworden und habe gelernt, mehr an mich selbst zu glauben. Vor allem habe ich gelernt, dass man immer hundert Prozent man selbst sein sollte, egal (oder vor allem) wie komisch, cringe oder seltsam man manchmal wirkt. Gerade dadurch lernt man Menschen kennen, die wirklich zu einem passen. Ich glaube, früher habe ich oft versucht, mich anzupassen oder darüber nachzudenken, wie ich auf andere wirke. In Thessaloniki habe ich irgendwann aufgehört damit und genau dadurch echte Freundschaften gefunden.
Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig Zusammenhalt und Teamstärke sind. Wenn man so lange mit anderen Menschen zusammenlebt, lernt man automatisch, Rücksicht zu nehmen, Konflikte zu lösen und füreinander da zu sein. Das wird mir wahrscheinlich auch in Zukunft noch helfen, ob im Studium, im Beruf oder generell im Leben.
Natürlich war der Abschied am Ende schwer. Nach so vielen Monaten fühlt sich Thessaloniki irgendwann wie ein zweites Zuhause an. Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar für alles, was ich dort erleben durfte. Ich komme zurück mit unglaublich vielen Erinnerungen, neuen Freundschaften und vor allem mit viel mehr Vertrauen in mich selbst. Früher hatte ich oft Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen oder nicht genau zu wissen, wohin mein Weg führt. Jetzt weiß ich zumindest, dass irgendwie immer alles gut werden wird, egal welchen Weg ich einschlage.
Ich würde diesen Freiwilligendienst und generell einen ESK-Freiwilligendienst wirklich jedem empfehlen. Nicht nur wegen der Reisen oder der neuen Erfahrungen, sondern weil man dabei unglaublich viel über sich selbst lernt. Besonders meine Aufnahmeorganisation und das Zusammenleben im Haus haben diese Zeit für mich so besonders gemacht. Die Menschen dort waren offen, herzlich und haben dafür gesorgt, dass man sich nie allein fühlt.
Auch wenn ich jetzt wieder zuhause bin, wird ein Teil von mir wahrscheinlich immer in Thessaloniki bleiben.
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Leonie verbringt ihren Freiwilligendienst bei United Societies of Balkans (USB), ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.
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