Jana in Tbilisi, Georgien // 3. Bericht

Nach einer sehr langen Zeit zuhause in Deutschland hatte ich Sorge, wie es wieder sein würde, nach Tbilisi zurückzukommen und mit meinen alltäglichen Aktivitäten bei der Arbeit weiterzumachen.

Jedoch war der Übergang nicht so schwer wie erwartet, weil meine Heimkehr mit dem Besuch einer Freundin aus Deutschland begrüßt wurde. Sama, mit der ich mich vor allem in der Oberstufe angefreundet habe, war bei mir für mehr als zwei Wochen zu Gast. Ich habe ihr typische Sehenswürdigkeiten und meine Lieblingsorte in der Stadt gezeigt und habe georgische Spezialitäten mit ihr gegessen. Zudem habe ich sie meinen neuen Freunden*innen hier vorgestellt. Wir haben echt viel Zeit zusammen verbracht, weshalb es umso trauriger war, als sie wieder abreisen musste.

Meine folgende Zeit allein war aber trotzdem nicht allzu lang, weil der Besuch einer weiteren Freundin kurz darauf anstand. Mitte Februar hatte mich Amelie besucht, eine meiner engsten Freundinnen, die ich ebenfalls schon seit Ewigkeiten kenne. Es hat mich echt gefreut, dass sich, obwohl ich so weit weg wohne, meine Freunde und davor Familie die Zeit genommen haben, mich zu besuchen. Interessant war es auch, ihnen die Stadt zu zeigen und dabei selbst Neues zu sehen. Amelie hat mich mit ihrem Vater besucht, weshalb sie, während ich arbeiten war, eigene Eindrücke von Georgien sammeln konnte. Mich hat es echt gefreut, wie viel die zwei auch schon davor über Georgien recherchiert haben und sich so Reiseziele setzen konnten. Ich muss gestehen, dass es mir echt gefehlt hat, so viel Zeit mit meinen Freundinnen zu verbringen. Hoffentlich werde ich auch noch die restlichen vier Monate besucht!

Mitte Januar bis Mitte Februar habe ich an einem Projekt teilgenommen, was „Ma petite Planéte“ hieß. Es war ein Projekt aus Frankreich und sollte insgesamt drei Wochen dauern. Während dieser Zeit hatte man die Möglichkeit, an verschiedenen umweltfreundlichen Challenges teilzunehmen. Die Challenges bestehen aus verschiedenen ökologischen Herausforderungen zu verschiedenen Themen wie Lebensmittel, Abfall, Mobilität, Energie usw. Das Projekt wurde von einer französischen Familie vorgestellt, die mit dem Auto aus ihrer Heimat bis nach Georgien gereist ist. Während der drei Wochen wurden auch Treffs organisiert und ich habe viele neue Menschen kennengelernt. Was mir echt gefallen hat, war auch wieder mehr lokale Georgier*innen kennenzulernen! Wir haben uns oft in einem kleinen Grüppchen getroffen und die georgischen Mädchen haben uns immer tolle neue Orte gezeigt, die ich davor noch nicht kannte. Man könnte meinen, dass man sich in sechs Monaten wenigstens ganz gut in einem Viertel auskennen würde, aber ich war immer wieder überrascht davon, wie viel in Tbilisi versteckt ist! Die Mädchen haben mir auch einen Zero-Waste- Laden gezeigt, der mir echt gefallen hat. Generell waren die zwei wirklich nett! Im Sommer wollten sie uns auch in ihr Sommerhaus außerhalb Tbilisi einladen, worauf ich mich auch schon freue!

Während dieser Wochen habe ich echt viele umweltfreundliche Herausforderungen absolviert und bin sehr stolz darauf, dass ich wenigstens etwas Positives bewirken konnte. Als ich einmal mit Sama Zigarettenstummel im Park gesammelt habe, weil es eine Herausforderung gab, bei der man eine min. 50ml-Flasche voll bekommen musste, wurden wir mit vielen komischen Blicken verfolgt. Ein Mann wollte uns auch die ganze Zeit filmen und fotografieren, weil er so sehr von uns begeistert war. Er hatte sich auch ebenfalls „im Namen Georgiens“ bei uns für unsere Bemühungen bedankt. Diese Begegnung hat mir gezeigt, dass es echt wichtig ist, mehr umweltfreundliche Projekte auszuführen, um Menschen aufzuklären und weitere klimabewusste Alternativen zu zeigen. Ich habe mich bei der Challenge angestrengt, weil ich sie echt wichtig fand!

Anfang Februar haben wir uns in einer kleinen deutsch-österreichischen Gruppe das Rugbyspiel zwischen Deutschland und Georgien angeschaut. Ich war davor noch nie in einem Stadion während eines Spiels, sodass das für mich ein komplett neues Erlebnis war! In Georgien ist Rugby ein nationaler Sport. Die georgischen Fans waren so laut und leidenschaftlich, sodass man direkt mitjubeln wollte. Nicht erstaunlicherweise hat Deutschland gegen Georgien verloren, aber allzu traurig war man trotzdem nicht durch den großen Teamgeist der georgischen Fans. Anschließend haben Malin und ich sogar ein Foto mit einem der georgischen Rugbyspieler gemacht! Das wird eins meiner Lieblingsandenken und-fotos an Georgien sein.

Mitte Februar habe ich auch einen Ausflug mit zwei Freundinnen, Malin und Mirja, zur Schwarzmeerküste gemacht. Während der fünf Tage dort haben wir uns drei Städte besonders genau angeguckt: Poti, Kobuleti und Batumi. Wir hatten vor, uns den kleinen Städten zu widmen, aber sind ungeplant auch nach Batumi gefahren. Während der fünf Tage sahen wir verschiedene Sehenswürdigkeiten in den einzelnen Städten sowie auch die Petra-Festung, die eher abgelegen war, und haben viel Zeit am Strand und an Seen verbracht. Es war eine echt schöne Zeit und wir hatten viel Spaß! Obwohl ich schonmal in Batumi war, fand ich unseren Tagesflug echt toll, da das Wetter dieses Mal echt gut mitgespielt hat. Es war sehr sonnig, sodass sich dieses Mal auch Ali und Nino gedreht haben und nicht stehen blieben wie letztes Mal.

Im März hatte ich mit drei weiteren Freiwilligen endlich das Nachbarsland Armenien besucht. Wir sind mit einer Marschrutka gefahren und haben vier Tage in der Hauptstadt Yerevan und 2 Tage in der zweitgrößten Stadt namens Gyumri verbracht. In Yerevan haben wir uns die typischen Sehenswürdigkeiten angesehen, wie den Republic Square, die Cascades und das armenische Genozid Memorial. Wir waren auch einige Male typisch armenisch essen, was mir auch sehr gefallen hat. Vor allem habe ich Dolma genossen, gehacktes Fleisch eingewickelt in Weintraubenblättern. Dieses Gericht hat mich sehr an Golubzi/Kohlroulade erinnert, die ich schon davor kannte.

Armenien hat mir gezeigt, dass es eine gute Wahl war nach Tbilisi zu gehen und dass sich die Länder innerhalb des Kaukasuses sehr stark unterscheiden. Tbilisi liegt mir sehr viel mehr am Herzen und ich fühle mich hier in der Stadt sehr viel fröhlicher. Außerdem habe ich aber auch ebenfalls Garni, Geghard und Khor Virap in Armenien gesehen. Ich bin mir sicher, dass es noch sehr viel mehr zu entdecken gibt!

Anfang März wurden die Medien von dem Aufruhr Georgiens komplett übernommen. Ich war zu der Zeit in Armenien, aber konnte noch die letzte Demonstration persönlich sehen. Die Demos davor habe ich durch meine georgischen Freund*innen mitverfolgen können. Ich bin froh, dass ich auch meinen Einsatz zeigen konnte. Wenn man schon 6 Monate in einem Land lebt, schließt man es sehr in sein Herz ein. Das Agentengesetz hat auch mir große Sorgen bereitet und ich konnte auch nicht anderes als Angst bei diesen Gesetzentwurf haben. Es war mir richtig warm ums Herz, als ich so viel Besorgnis auch von meinen Freund*innen, meiner Familie, anderen Freiwilligen und in den Medien zu sehen bekam.

Gerade bereite ich mich auf einen dreitägigen Skiurlaub in Bakuriani vor. Ich bin wirklich gespannt, ob alles gut klappt, da die letzten Tage die Sonne Tbilisi besucht hat. Man hat wirklich den Frühling gespürt, der die Stadt langsam vom Winterschlaf erweckt. Ich freue mich auf die kommenden Sommertage. Mal sehen, was ich in den kommenden vier Monaten noch sehen und bereisen werde!

Jana

Jana verbringt ihren Freiwilligendienst bei GoGroup, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.