Als ich mein Freiwilliges Soziales Jahr im Rahmen eines Erasmus+-Projekts begann, wusste ich,
dass mich eine besondere Zeit erwarten würde – aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie
tiefgreifend diese Erfahrung mein Denken, Fühlen und mein Selbstbild verändern würde.
Rückblickend war dieses Jahr nicht nur ein freiwilliges Engagement, sondern eine intensive
Lebensphase voller Herausforderungen, Wachstum, Begegnungen und emotionaler Momente.
Der Anfang war für mich besonders herausfordernd. In ein neues Land zu ziehen, eine fremde
Sprache zu hören und sich in einer neuen Kultur zurechtzufinden, brachte viele Unsicherheiten
mit sich. Ich erinnere mich gut an die ersten Tage, in denen ich mich oft überfordert, einsam und
gleichzeitig neugierig gefühlt habe. Alles war neu: die Umgebung, die Arbeitsweise der
Organisation, die Menschen und auch der Alltag. Es gab Momente, in denen ich mich gefragt
habe, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin. Gleichzeitig spürte ich aber auch eine starke
Motivation, mich einzulassen und diese Chance zu nutzen.
Mit der Zeit entwickelte sich ein Gefühl von Routine. Ich begann, mich sicherer zu fühlen, sowohl
in meiner Arbeit als auch im privaten Umfeld. Die NGO, in der ich tätig war, wurde für mich zu
einem Ort, an dem ich mich einbringen und Verantwortung übernehmen konnte. Besonders
wichtig war für mich das Gefühl, gebraucht zu werden und einen echten Beitrag zu leisten.
Meine Aufgaben waren vielfältig und reichten von organisatorischer Unterstützung über
Projektarbeit bis hin zu direkter Arbeit mit Menschen. Dabei lernte ich, flexibel zu sein und mich
auf unterschiedliche Situationen einzustellen.
Emotional war dieses Jahr sehr intensiv. Es gab Tage, an denen ich stolz auf mich war und
gemerkt habe, wie sehr ich gewachsen bin. An anderen Tagen war ich müde, frustriert oder habe
mein Zuhause und meine Familie vermisst. Gerade diese Tiefpunkte waren jedoch entscheidend
für meine persönliche Entwicklung. Ich lernte, meine Gefühle ernst zu nehmen, mir selbst
gegenüber geduldiger zu sein und Hilfe anzunehmen, wenn ich sie brauchte. Zum ersten Mal
hatte ich das Gefühl, wirklich eigenständig zu leben und Entscheidungen für mich selbst zu
treffen.
Besonders prägend waren die Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Ländern und
Kulturen. Durch die internationale Umgebung habe ich gelernt, offener zu kommunizieren und
unterschiedliche Perspektiven zu respektieren. Gespräche mit anderen Freiwilligen,
Kolleg*innen und Teilnehmenden haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Lebenswege sein
können – und wie viel man voneinander lernen kann. Diese interkulturellen Erfahrungen haben
mein Weltbild erweitert und mir geholfen, Vorurteile abzubauen.
Ein wichtiger Teil meines Lernprozesses bestand auch darin, meine eigenen Grenzen
kennenzulernen. Ich habe verstanden, dass Engagement nicht bedeutet, sich selbst zu
überfordern. Selbstfürsorge wurde für mich zu einem zentralen Thema. Ich lernte, Pausen zu
akzeptieren, Nein zu sagen und auf meine mentale Gesundheit zu achten. Diese Erkenntnis
nehme ich als eine der wichtigsten Lehren aus diesem Jahr mit.
Im Laufe des Projekts entwickelte sich auch mein Selbstvertrauen deutlich weiter. Aufgaben, die
mir zu Beginn Angst gemacht haben – wie selbstständiges Arbeiten, Verantwortung zu
übernehmen oder vor Gruppen zu sprechen – wurden nach und nach selbstverständlicher. Ich
erkannte, dass ich mehr kann, als ich mir selbst zugetraut hatte. Dieses gestärkte
Selbstbewusstsein wirkt sich bis heute positiv auf meine Zukunftsplanung aus.
Neben der persönlichen Entwicklung haben sich auch meine beruflichen Interessen klarer
herauskristallisiert. Die Arbeit im sozialen Bereich und in internationalen Projekten hat mir
gezeigt, wie wichtig gesellschaftliches Engagement, Bildung und Chancengleichheit sind. Ich
habe gelernt, dass ich meine Zukunft in einem Bereich sehe, in dem ich mit Menschen arbeite
und etwas Sinnvolles beitragen kann.
Am Ende meines Freiwilligendienstes blicke ich mit Dankbarkeit zurück. Dankbarkeit für die
Menschen, die mich begleitet haben, für die Herausforderungen, die mich wachsen ließen, und
für die Erfahrungen, die mich geprägt haben. Dieses Jahr hat mir nicht nur neue Kompetenzen
vermittelt, sondern mir auch geholfen, mich selbst besser kennenzulernen. Ich fühle mich heute
reflektierter, selbstständiger und emotional reifer als zu Beginn des Projekts.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Freiwillige Soziale Jahr im Rahmen von
Erasmus+ eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens war. Es war eine Zeit des Lernens,
des Zweifelns, des Wachsens und des Ankommens bei mir selbst. Ich gehe aus diesem Projekt
mit einem starken Gefühl der Erfüllung, vielen Erinnerungen und der Gewissheit, dass ich diese
Erfahrungen für meinen weiteren Lebensweg nutzen werde
—
Ece-Naz verbringt ihren Freiwilligendienst bei NGO Kalmars. Ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
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