Lilly in Kosovo // Abschlussbericht

Dass ich direkt nach dem Abi erstmal ins Ausland möchte, wusste ich eigentlich schon seit ein paar Jahren und war dann auch sehr froh, als ich das Projekt in Boževce gefunden habe. Dass ich dabei völlig neue Erfahrungen machen werde und ganz anders als in Deutschland in meiner Stadt auf einer einfachen Farm mitten im Nirgendwo leben werde, fand ich am tollsten daran. Trotzdem hatte ich erstmal einen ordentlichen Kulturschock wegen Straßenhunden, Armut und der schlechten Infrastruktur des Landes. Zum Beispiel hat es im Juli für längere Zeit jeden Nachmittag gewittert und somit hatten wir auf unbestimmte Zeit Stromausfall, einmal für drei Tage. Deshalb muss man sehr anpassungsfähig und spontan bleiben, und so ist auch das ganze Lebensgefühl dort, was ich sehr genossen habe und hier zurück in Deutschland sofort vermisst habe. Vor allem habe ich dabei aber auch gelernt, dass es immer möglich ist, etwas zu machen oder voranzubringen, dass es immer eine Lösung für ein Problem geben wird, da ich währenddessen ohne Strom und natürlich ohne WLAN meinen Urlaub geplant habe:). Gleichzeitig habe ich auch gelernt, wie unfassbar privilegiert ich in Deutschland lebe, im Kosovo gibt es manche Lebensmittel einfach nicht zu kaufen, oder sind zu teuer und Leute können es sich nicht leisten, so für ihre Tiere zu sorgen, wie es in Deutschland Standard wäre, sodass die Straßenhunde ein anhaltendes Problem bleiben. Die Menschen dort haben teilweise ihr Land nie verlassen, bis vor ein paar Jahren ging es nämlich nicht ohne Visum, weshalb ich mich umso glücklicher schätze dank ESK so viel über andere Länder und Kulturen lernen zu dürfen.

Die Abgelegenheit und die vergleichsweise wenigen Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, verglichen mit einer Stadt, vergisst man schnell dank der acht Hunde und acht Katzen, die täglich für Unterhaltung sorgten und einfach viel zu süß waren, auch wenn wir sie nicht zu sehr verwöhnen sollten. Mit so vielen Tieren zusammen zu leben war für mich etwas ganz Besonderes und jeder der Tiere mag, sollte sowas mal ausprobieren, wenn er kann, denn ihr wurdet halt noch nicht von 3 Baby Ziegen gleichzeitig abgeleckt! Die Tiere freuen sich einfach immer einen zu sehen, sind sehr viel lebendiger und lebensfroher als Haustiere in einer Wohnung, wie ich es kannte, und der perfekte Begleiter bei der Arbeit draußen in den Wiesen und Feldern. Ist schon cool, wenn einfach 3 Hunde mit dir chillen, während du Birnen erntest.

Auch mit den anderen Freiwilligen die Umgebung zu erkunden, Sonnenuntergänge und manchmal auch -Aufgänge (um 5:30!) zu sehen, zusammen schlecht Ukulele und Gitarre zu spielen und das gemeinsame Morgenyoga wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Einmal habe ich bewusst eine offline Woche gemacht, ziemlich genau dann als unser WLAN nach drei Wochen wieder repariert wurde, aber das hat mir auch nochmal gezeigt, wie viel mehr man im Moment präsent sein kann und sich an einfachen Dingen wie Schmetterlingen und mit Katzen in Hängematten chillen freuen kann, wenn man sein Handy mal für längere Zeit nicht hat.

Für ca. 3 der acht Wochen, die ich dort war, haben wir zu sechzehnt – mit neun verschiedenen Nationalitäten- zusammengewohnt und gekocht, dabei habe ich recht schnell gemerkt, wie einfach es trotz ganz verschiedener Gewohnheiten, Hintergründe oder Lebenserfahrungen ist, eine gute Zeit zusammen zu haben und allein durch das Zusammenleben wächst man unheimlich schnell als Gruppe zusammen, auch wenn der Abschied dann natürlich umso trauriger ist, aber es gibt ja immer noch WhatsApp, Busse und Züge:).

Ich glaube ich habe viel mehr Bewusstsein für Konsumentscheidungen bekommen, durch meinen Aufenthalt dort, man brauchte kaum viel mehr als gutes Essen, irgendwas zum Anziehen, es wird eh dreckig werden und einen warmen Schlafplatz. Und dieses Denken will ich irgendwie wieder nach Deutschland nehmen, ich war erstmal geschockt, dass man hier in Supermärkten auch Gartenmöbel kaufen kann??? Und ich gehe jetzt viel offener auf Menschen zu und finde es total toll mit fremden Menschen neben mir auf einer Bus- oder Zugfahrt ins Gespräch zu kommen und sich Reise- und Lebensgeschichten zu erzählen, was ich auch ganz viel auf meiner Rückreise über Albanien, Montenegro und Kroatien gemacht habe.

In Zukunft will ich mich mehr über Permakultur und Klimaschutzmaßnahmen informieren und nochmal an einem ähnlichen Projekt oder Workshop teilnehmen, es war wirklich schön jeden Tag im Garten bzw. draußen zu arbeiten und die Natur so nochmal näher zu erleben.

Ich würde es jedem weiterempfehlen, diesen Freiwilligendienst in Boževce zu machen, solange man damit klarkommt, den Großteil seiner Freizeit dann auch dort auf der Farm zu verbringen und nicht viele Möglichkeiten, außer dem Urlaub, hat in Städte zu fahren und kein Problem damit hat, auch mal schmutzig zu werden während der Arbeit.

Lilly

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Lilly verbringt ihren Freiwilligendienst bei GAIA Kosovo, ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.

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