Charlotte in Thessaloniki, Greece // Abschlussbericht

Charlotte in Thessaloniki, Griechenland // Abschlussbericht

In den letzten sieben Monaten habe ich eine völlig fremde Stadt, viele Menschen, die mir inzwischen sehr vertraut sind, und eine neue Kultur kennengelernt.

All das habe ich nur erlebt, weil ich mich Anfang 2025 für ein ESK-Projekt bei der Organisation Balkan Hotspot in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, beworben habe.

Damals steckte ich mitten im Abitur und wusste wenig darüber, wie meine Zukunft aussehen soll, aber dass sie mich erstmal ins Ausland führen soll. Als ich angefangen habe nach Freiwilligensdiensten im Ausland zu suchen, wollte ich zuerst am liebsten nach Italien. Ich habe dann aber die Ausschreibung für dieses Projekt gesehen und mein gutes Bauchgefühl hat mich dazu gebracht, mich noch kurz vor der Frist zu bewerben. Medien haben mich schon lange interessiert und die Idee selbst, für ein paar Monate in die Rolle der Journalistin einzutauchen, hat mir sehr gut gefallen.

Zu dem Zeitpunkt habe ich mir vom ESK vor allem Abwechslung vom Schulalltag erhofft und wollte eine komplett neue Umgebung kennenlernen.

Nach Ende meiner wunderschönen Zeit dort kann ich auf jeden Fall sagen, dass meine Erwartungen erfüllt wurden, und bin mehr als zufrieden, dass ich mich damals für Griechenland statt Italien entschieden habe.

In der Zeit dort habe ich so viele neue und wunderbare Erfahrungen gesammelt, dass ich gar nicht genau sagen könnte, was meine schönste Erinnerung ist. Sicher ist aber, dass mir die langen Abende, die ich mit meinen vielen Mitbewohnern in unserer „Riesen WG“ quatschend in der Küche verbracht habe, für immer besonders in Erinnerung bleiben werden. Im Allgemeinen war die Wohnsituation für mich das Beste, was mir für einen Freiwilligendienst hätte passieren können, obwohl ich genau davor vor der Anreise am meisten Respekt hatte (wir haben uns mit bis zu 30 Leuten ein Haus geteilt, das heißt Duschen, Küche, Waschmaschine,…). Ja, baulich war die Unterkunft nicht die schönste oder neueste, aber dank ihr habe ich total schnell neue Freunde kennengelernt, mich nie alleine gefühlt und es gab immer jemanden mit einer Idee, etwas zu unternehmen, wodurch ich in der Zeit in Griechenland noch einmal mehr erlebt habe.

Ganz besondere Erinnerungen sind natürlich auch die Reisen, die wir von Thessaloniki aus unternommen haben. Der Ort, der mich am meisten beeindruckt hat, war Skopelos, eine kleine Insel, auf der „Mamma Mia“ gedreht wurde. Gemeinsam mit 6 anderen Freiwilligen sind wir mit Bus und Fähre angereist und kamen aus dem Staunen über das unglaublich türkise Wasser, die surrealen Film Locations und die süßen Gassen im Dorf gar nicht mehr raus.

Von den Reisen, die ich dort gemacht habe, hab ich aber weitaus mehr als nur tolle Erinnerungen an unglaubliche Orte mitgenommen. Durch die Planung und Abhängigkeit von Transportunternehmen bin ich viel entspannter und flexibler geworden, wenn es darum geht, mit Plänen umzugehen, die scheinbar nicht aufgehen.

Bei besagter Reise nach Skopelos wurde zum Beispiel unsere Fähre eine Woche vorher gestrichen, wir mussten also schnell eine andere Lösung finden. Das hat geklappt und uns mehr Vertrauen gegeben, dass wir in Situationen, die nicht direkt laufen wie geplant, eine Lösung finden, was mich in gewisser Weise auch selbstsicherer und zuversichtlicher gemacht hat.

Erst einmal herauszufinden, wie wir unsere Reiseziele erreichen, hat mir auch viel über Organisation in einer Gruppe und Kompromissfindung beigebracht, genauso wie das Zusammenleben in unserem geteilten Haus.

Egal ob die Anreise auf die Insel oder das Aufteilen von Haushaltsaufgaben, es funktioniert nur mit einem Plan. Wie man diesen sinnvoll erstellen und auch ausführen kann, habe ich in diesen sieben Monaten auf jeden Fall im Rahmen der Aufgaben dort gelernt. Zum Glück stand uns Didi, der super nette Verantwortliche fürs Haus, dabei immer zur Seite und hat uns geholfen, wann immer es nötig war.

Was mir am Anfang schwerer fiel, sich am Ende aber ganz normal angefühlt hat, war das offene Ansprechen von Problemen. Wenn man sich ein Haus mit so vielen Leuten teilt, kommt es natürlich auch dazu, dass Dinge anders laufen als besprochen. Was ich aber definitiv aus meinem Aufenthalt mitnehme, ist, dass so gut wie alle diese Ärgernisse verschwinden oder geklärt werden können, wenn man offen sagt, was einen stört oder was man sich wünscht.

Was ich ansonsten von meiner Mentalität während des Freiwilligendienstes mitnehmen möchte, ist die Entspanntheit. In Thessaloniki ist kaum ein Bus pünktlich und auf die Anzeigen, wann sie zu erwarten sind, ist auch kein Verlass. Während mich das am Anfang eher gestresst hat, weil ich nicht wusste, ob ich wirklich pünktlich bin, hat es mich am Ende kaum noch gestört. Genau wie der Busfahrer, der erstmal noch Raucherpause gemacht hat, bevor er ohnehin schon zu spät losgefahren ist, habe ich mir auch die Zeit genommen, die ich brauchte, um entspannt loszukommen. Und wenn man dann mal zu spät war, hatte jeder Verständnis, was mir viel Stress genommen hat und das Leben dort sehr entspannt macht.

Diese Gelassenheit brauche ich definitiv auch in meinem Leben in Deutschland noch mehr. Insgesamt bin ich mir sicher, dass die Zeit dort mich mehr geprägt hat, als ich gerade vielleicht glaube und die Erfahrung auch bei der Gestaltung meiner Zukunft eine Rolle spielt. Sei es, dass ich noch offener geworden bin und viel weniger Hemmungen habe, mich neuen Menschen vorzustellen und in neue Umgebungen zu kommen oder dass ich mich in dieser Zeit das erste Mal intensiv mit dem, was ich studieren möchte, auseinandergesetzt habe.

Auch wenn ich jetzt eher weiß, was ich die nächsten Jahre machen möchte, habe ich in diesem Freiwilligendienst genauso einige etwas Ältere kennengelernt, die nochmal ein Gap-Year machen, weil ihnen das, was sie gerade machen, nicht mehr richtig gefällt. Es ist, finde ich, sehr schön zu wissen, dass das auch nach oder während des Studiums eine ganz normale Option ist.

Alles in allem nehme ich aus der Zeit hier in Thessaloniki also ganz viel mit und kann einen Freiwilligendienst bei Balkan Hotspot jedem empfehlen, der gerne Zeit mit Menschen verbringt und in einer wirklich lebhaften Stadt ein neues Zuhause finden möchte.

Für die Arbeit in Balkan Hotspot sollte man allerdings eine gute Portion Eigenmotivation mitbringen, da die Arbeit sehr offen gestaltet ist und wir größtenteils an unseren eigenen Projekten gearbeitet haben, ohne dass wir genauere Vorgaben der Organisation bekommen haben. Wenn das eher nicht dem entspricht, was du suchst, dir aber das Wohnen mit vielen Menschen zusagt, hat die Organisation „United societies of Balkans“, zu der Balkan Hotspot gehört, noch weitere Organisationen, deren Freiwillige im gleichen Haus untergebracht werden, aber einer anderen Arbeit nachgehen.

Einen Freiwilligendienst zu machen würde ich egal wo oder wann definitiv allen empfehlen, weil man so ganz viel an einem neuen Ort, aber auch in sich selbst entdeckt, was man sonst niemals gefunden hätte.

Charlotte verbringt ihren Freiwilligendienst bei United Societies of Balkans (USB), ihr Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.

Wenn du etwas Ähnliches wie Leonie erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.