Sonja in Spain // Abschlussbericht

Neun Monate voller Freude, Lernen, Dankbarkeit, aber auch Frustration und Unsicherheiten gehen zu Ende. Ein schwerer Abschied, den ich selbst noch gar nicht richtig begreifen kann. Es fühlt sich an, als wäre mir ein Teil meines Lebens weggerissen worden. Zwischen der sich nur langsam einfindenden Realisation, dass ich nun wieder in Deutschland angekommen bin und mein liebgewonnenes Zuhause in Spanien verlassen musste, schreibe ich nun diesen Bericht – meinen Abschlussbericht.

Mit diesem möchte ich die Gelegenheit nutzen, noch nicht Erzähltes festzuhalten, die vergangenen Monate zu reflektieren und gleichzeitig den Blick auf das zu richten, was nun vor mir liegt.

Seit meinem letzten Bericht ist auf der Arbeit noch einmal einiges passiert. Alles im Detail zu schildern, würde den Rahmen sprengen, dennoch möchte ich zum Abschluss noch einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche geben, in denen ich tätig sein durfte.

Im Büro durfte ich unter anderem eine Einführungstour für deutsche Besucher vorbereiten und durchführen. Dafür habe ich den vorhandenen Text übersetzt, angepasst und schließlich selbst präsentiert. Außerdem habe ich bei der jährlichen Familienveranstaltung von Marimurtra an einem Stand mitgearbeitet, an dem Traumfänger geflochten und Samenbomben hergestellt wurden. Dafür sammelte und trocknete ich Blumen und half sowohl beim Aufbau als auch bei der Durchführung des Workshops. Die wiederkehrenden Aufgaben wie das Überprüfen der QR-Codes und die Vogelbeobachtung gingen mir gegen Ende meines Freiwilligendienstes mittlerweile leicht von der Hand. Es war ein schönes Gefühl zu merken, wie selbstverständlich viele Tätigkeiten geworden waren, die mir zu Beginn noch völlig neu erschienen. Einer meiner letzten Aufgaben bestand darin, Samen aus unserer Samenbank zu verpacken und für den Versand vorzubereiten. Diese werden im Rahmen eines Solidaritätsprojekts an Institutionen auf der ganzen Welt verschickt und leisten dort einen Beitrag zum Erhalt pflanzlicher Vielfalt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei der Büroabteilung bedanken. Mir wurden dort viele Möglichkeiten gegeben, Neues auszuprobieren und in unterschiedliche Aufgabenbereiche hineinzuschnuppern. Gerade die Mischung aus kreativen Projekten, gelegentlicher Arbeit im Freien und meiner persönlichen Lieblingsaufgabe – der Vogelbeobachtung – hat mir ausgesprochen gut gefallen. Hinzu kamen die offenen und herzlichen Mitarbeitenden, die dafür sorgten, dass ich mich willkommen und wohlgefühlt habe.

Auch in den drei Gartenbereichen durfte ich in den vergangenen Monaten noch viele neue Erfahrungen sammeln. Im ersten Garten bereiteten wir ein neues Feld vor auf dem Bewässerungsschläuche verlegt und anschließend Kürbisse ein eingepflanzt wurden. Im zweiten Garten half ich beim Heckenschnitt, sammelte Samen getrockneter Blumen und lernte verschiedene Techniken kennen, um diese von Insekten und anderem organischen Material zu trennen.

Der dritte Garten entwickelte sich schließlich zu meinem absoluten Lieblingsbereich. Eine der größten Aufgaben dort war die vollständige Überarbeitung der beiden großen Teiche. Ich selbst habe nur an einem der beiden mitgearbeitet. Dabei mussten Wasserpflanzen, Algen und heruntergefallene Blätter entfernt, Äste zurückgeschnitten und unzählige Himbeersträucher beseitigt werden. Hinzu kamen das Wegtragen zahlreicher Steine und Holzstämme sowie die anschließende Kultivierung der umliegenden Fläche. Danach konnte der Teich sich aber wieder in seiner ganzen Schönheit sehen lassen. Auch rund um die Tomatenbeete gab es einiges zu tun. Ich durfte neue Tomatensamen aussäen, später die Jungpflanzen einsetzen und beim Platzieren der Zuckerrohre sowie beim Festbinden der Pflanzen mithelfen. Daneben gehörten das Schneiden von Hecken, das Schreddern von Palmenblättern sowie klassische Gartenarbeiten wie Unkraut jäten, Umtopfen, Gießen oder Arbeiten in den Gewächshäusern zu meinem Arbeitsalltag.

Was ich zu Beginn noch eher als Routinearbeit wahrgenommen hatte, begann mir mit der Zeit immer mehr Freude zu bereiten. Je länger ich im Garten arbeitete, desto besser lernte ich auch die Pflanzen kennen. Irgendwann kam der Moment, an dem ich zwischen dichtem Grün stand und die Pflanze vor mir erkannte, ohne noch einmal nachfragen zu müssen. Genau dieser Moment löste in mir eine kleine innere Freude aus, weil ich bemerkte, wie viel ich in dieser Zeit bereits gelernt hatte. Am Ende war der dritte Garten nicht nur wegen der abwechslungsreichen Aufgaben mein Lieblingsbereich, sondern vor allem wegen der Menschen. Ich habe dort unglaublich herzliche, humorvolle und hilfsbereite Mitarbeitende getroffen, die mich jederzeit unterstützt und ihr Wissen mit mir geteilt haben. Gleichzeitig machte der ständige Blick auf das Mittelmeer jeden Arbeitstag noch ein kleines Stück schöner.

Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle besonders bei den Gärtnern und dem Maintenance-Team bedanken. Mit ihrer Hingabe für ihren Beruf, ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem umfangreichen Wissen haben sie mir nicht nur die Pflanzenwelt nähergebracht, sondern auch die Freude am Gärtnern vermittelt. Bis heute verbinde ich mit diesem Bereich einige meiner schönsten Erinnerungen aus meinem Freiwilligendienst.

Rund um den Garten und auch abseits der Arbeit ist in den vergangenen Monaten ebenfalls einiges passiert. So jährte sich beispielsweise der Todestag von Karl Faust, dem Gründer des Botanischen Gartens Marimurtra. Gemeinsam besuchten wir sein Grab und ließen den Tag anschließend bei einem gemeinsamen Essen ausklingen. Auch technisch gab es immer wieder spannende Einblicke. So wurde beispielsweise eine riesige Drohne eingesetzt, um Insektizide über von Schädlingen befallenen Palmen zu versprühen, was ich so zuvor auch noch nie erlebt hatte. Darüber hinaus nahmen wir an einem Erste-Hilfe-Kurs teil, bei dem insbesondere der richtige Umgang mit einem Defibrillator vermittelt wurde. Gerade solche zusätzlichen Angebote haben den Arbeitsalltag abwechslungsreich gestaltet und mir auch über die eigentliche Gartenarbeit hinaus wertvolle Erfahrungen mitgegeben. Mit den steigenden Temperaturen wurde auch der Garten immer lebendiger und ich bin immer häufiger auf die unterschiedlichsten Tiere gestoßen. Neben Fröschen und neuen Vogelarten konnte ich Schlangen beobachten und bin sogar einem frei herumlaufenden Pfau begegnet.

Natürlich fand auch außerhalb der Arbeit einiges statt. Beim Zwischenseminar habe ich viele andere Freiwillige wiedergetroffen, konnte über die vergangenen Monate reflektieren und mir neues Wissen aneignen. Außerdem habe ich an einem Workshop für traditionelle katalanische Tänze teilgenommen und die Gelegenheit genutzt, Valencia zu bereisen. Auch kulturell durfte ich noch viele neue Eindrücke sammeln. Dazu gehört unter anderem ein Besuch von Vorführungen von Sardanes und Gegants. Ein besonderes Highlight war für mich Sant Joan. Die zahlreichen Feuerwerke, Lagerfeuer und Feierlichkeiten haben Blanes in ein großes Lichtspektakel verwandelt. Für mich war es beeindruckend zu erleben, welche Bedeutung dieses Fest für die Menschen hier besitzt und mit welcher Begeisterung es gemeinsam gefeiert wird.

Auch privat hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert. Besonders hervorheben möchte ich jedoch, wie sehr sich das Arbeitsklima im Laufe der Zeit entwickelt hat. Während am Anfang vieles noch neu und ungewohnt war, fühlte ich mich gegen Ende meines Freiwilligendienstes richtig angekommen. Ich wusste, was mich erwartete, kannte die Menschen und die Abläufe und ging jeden Morgen mit einem guten Gefühl zur Arbeit. Es gab sogar Tage, an denen ich gar nicht nach Hause gehen wollte, weil ich mich im Garten so wohlgefühlt habe.

Abschließend kann ich sagen, dass diese neun Monate unfassbar bereichernd für mich waren. Sie haben mir neue Türen geöffnet, mir viele Dinge gelehrt und mich viele wunderbare Menschen kennenlernen lassen. Vor allem aber haben sie mir geholfen, mich selbst, meine Interessen und meine Vorstellungen für die Zukunft besser kennenzulernen. Mein Spanisch hat sich in dieser Zeit deutlich verbessert. Auch wenn ich noch lange nicht perfekt spreche und es weiterhin Situationen gibt, in denen mir Worte fehlen, habe ich gelernt, dass Sprache vor allem verbindet und Kommunikation nicht von Perfektion lebt. Gleichzeitig habe ich einige Monate damit verbracht, Katalanisch zu lernen. Auch wenn dies wahrscheinlich dazu geführt hat, dass sich mein Spanischlernen etwas verlangsamt hat, war es für mich dennoch eine wertvolle Erfahrung. Durch die Sprache konnte ich einen noch tieferen Einblick in die katalanische Kultur, ihre Geschichte und ihre Identität erhalten. Ich weiß nicht, ob ich sagen würde, dass ich durch diese neun Monate ein vollkommen anderer Mensch geworden bin. Vielmehr habe ich das Gefühl, mich selbst besser kennengelernt und viele neue Erkenntnisse über mich und meine Umwelt dazugewonnen zu haben. Besonders meine eigene Mentalität hat sich verändert. Ich habe gelernt, mehr auf meinen Körper zu hören, meine eigenen Grenzen bewusster wahrzunehmen und mir selbst mehr zu vertrauen. Gleichzeitig habe ich Gemeinschaft, Solidarität und ein friedliches Miteinander noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennengelernt. Gerade das Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe hat mir dabei gezeigt, wie wichtig gegenseitige Unterstützung, Offenheit und Verständnis füreinander sind. Auch habe ich in Spanien meinen Alltag oft gelassener erlebt. Ich war nicht immer so konsequent oder streng mit mir selbst wie zuvor, sondern habe gelernt, Dinge manchmal auch einfach passieren zu lassen und den Moment mehr zu genießen. Dabei habe ich gemerkt, dass ein erfüllter Alltag nicht immer daraus entsteht, alles perfekt nach einem Plan umzusetzen, sondern auch daraus, Raum für Spontanität und Begegnungen zu lassen. Darüber hinaus habe ich durch verschiedene kleine kreative Projekte wieder neu entdeckt, wie wichtig Kreativität und Kunst für mich sind. Diese Seiten von mir möchte ich auch in Zukunft nicht wieder aus den Augen verlieren und mir weiterhin Raum für kreative Ideen schaffen. Während des Freiwilligendienstes habe ich außerdem begonnen, das Konzept von Freiwilligendiensten differenzierter zu betrachten. Die Zeit in Spanien hat mir nicht nur gezeigt, wie wertvoll solche Erfahrungen sein können, sondern auch dazu angeregt, mich intensiver mit Fragen nach ihrer Bedeutung, ihrem Ziel und ihrer Wirkung auseinanderzusetzen. Gerade diese kritische Auseinandersetzung empfinde ich als einen wichtigen Bestandteil meines persönlichen Lernprozesses.

Wenn ich heute auf diese neun Monate zurückblicke, nehme ich deshalb weit mehr mit als nur schöne Erinnerungen. Ich nehme neue Fähigkeiten, neue Sichtweisen und unzählige kleine Momente mit, die mich nachhaltig geprägt haben. Ich kann aus tiefstem Herzen sagen, dass ich unglaublich dankbar für diese Möglichkeit bin. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die ich aus diesen neun Monaten mitnehme, ist, dass ich gelernt habe, die Welt mehr als mein Zuhause zu sehen. Durch die vielen Begegnungen, Erfahrungen und Momente, die ich in Spanien sammeln durfte, fühlt sich die Welt nun ein Stück vertrauter an. Genau deshalb weiß ich auch, dass Blanes für mich nie einfach nur ein Ort sein wird, an dem ich gelebt habe, sondern immer ein Teil meines Zuhauses bleiben wird. Und Marimurtra wird für mich deshalb nie einfach nur eine vergangene Station meines Lebens sein, sondern ein Ort, an den ich mich immer mit einem Lächeln zurückerinnern und zu dem ich jederzeit gerne zurückkehren werde.

Sonja verbringt ihren Freiwilligendienst bei Marimurtra Botanical Garden, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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