Leonie in Mercurea Ciuc, Rumänien // Abschlussbericht

Sechs Monate können überraschend schnell vergehen, und trotzdem hinterlassen sie oft Spuren, die noch lange bleiben. Genau das merke ich jetzt, nachdem meine Zeit in Miercurea Ciuc vorbei ist: Auch wenn ich längst wieder zuhause bin, begleitet mich diese Erfahrung noch immer im Alltag und in meinen Gedanken. Es fühlt sich fast ein bisschen seltsam an, auf diese Zeit zurückzublicken, weil sie mir im Nachhinein viel kürzer vorkommt, als sie sich am Anfang angefühlt hat.

Es stand schon länger für mich fest, dass ich nach der Schule meinen Horizont erweitern wollte, ohne direkt mit einer Ausbildung oder einem Studium zu beginnen. Der Europäische Solidaritätskorps kam mir dafür sehr gelegen, weil ich die Möglichkeit gesucht habe, etwas Neues zu erleben und für eine Weile aus meiner Komfortzone herauszukommen.

Nach einer etwas holprigen Suche bin ich dann glücklicherweise durch Zufall über NaturKultur gestolpert und habe so von dem Projekt in Rumänien erfahren. Ich hatte mich für mehrere Projekte beworben, bin aber am Ende unglaublich froh darüber, dass ich in Miercurea Ciuc/Csikszereda bei Care2Travel gelandet bin. Dort habe ich nicht nur viele tolle Menschen kennengelernt, die ich mir inzwischen kaum noch aus meinem Leben wegdenken könnte, sondern auch Erfahrungen gemacht, die ich an einem anderen Ort wahrscheinlich so nie gesammelt hätte!! Mit so vielen schönen Voraussetzungen verging das halbe Jahr dann letztendlich doch viel schneller, als ich es anfangs befürchtet hatte.

Wenn ich an die schönste Erinnerung an meinen Freiwilligendienst denke, fällt es mir schwer, nur eine einzelne Situation herauszugreifen. Ich würde diese Zeit eher wie ein Mosaik-Kunstwerk beschreiben. Jedes Steinchen steht für ein Erlebnis, eine Begegnung oder einen besonderen Moment. Im Großen und Ganzen ein Kunstwerk voll mit farbenfrohen Steinchen, die sich überall verteilen, vereinzelt vielleicht auch eher trübere und dunklere Steinchen, die allerdings so selten vorkommen, dass sie in der gesamten Farbenpracht untergehen.

Jedes einzelne Steinchen hat dieses Abenteuer unvergesslich gemacht, aber was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es ohne die Leute, die ich dort kennengelernt habe, sicher nicht so farbenfroh geworden wäre und all´ die gemeinsamen (Spiel-)Abende, Ausflüge, Wizard-Runden (die ich bedauerlicherweise verloren habe), spontanen Tanzeinlagen, Spaziergänge, Koch-Sessions und noch so vieles mehr einen beachtlichen Teil zu meinen positiven Erlebnissen beigetragen haben!

Aus meiner Zeit in Rumänien habe ich vor allem drei Dinge mitgenommen. Erstens habe ich gelernt, wie sich das Leben in einer großen internationalen WG anfühlt. Für sechs Monate die eigenen vier Wände gegen das Zusammenleben mit einer 11-17-köpfigen Gruppe an Freiwilligen zu tauschen, war definitiv eine spannende Erfahrung. Am Anfang habe ich noch in einer kleineren Unterkunft mit weniger Personen gelebt, was durch meine deutsche Zimmerpartnerin und auch meine deutschen Nachbarinnen (Aimee und Frida, von denen ihr gerne die Berichte über ihre Zeit in Rumänien abchecken könnt :)) einen sehr angenehmen Einstieg ermöglicht hat.

Später sind wir zu den restlichen Freiwilligen gezogen, was das gemeinsame Leben noch intensiver gemacht hat. Auch wenn man sich das vielleicht anstrengend vorstellt, war es tatsächlich genau das Gegenteil: Man hatte immer jemanden zum Reden, konnte spontan etwas unternehmen und kam sehr schnell mit anderen Menschen in Kontakt. Gerade durch dieses enge Zusammenleben mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern konnte ich viel über andere Sprachen, Kulturen und Lebensweisen lernen.

Zweitens habe ich im Bereich der Arbeit viel mitgenommen. Zu viert haben wir Deutsch- und Englischsprachclubs geleitet, monatliche Quiz-Nights organisiert und selbst Deutschunterricht auf spielerischer Art und Weise an einer Schule gegeben. Das war für mich etwas Neues, aber auch etwas sehr Bereicherndes. Es war zwar manchmal etwas monoton, gleichzeitig doch auch cool, Unterrichtsstunden eigenständig mit Spielen, Aufgaben und Ähnliches vorzubereiten und dabei zu merken, dass die Teilnehmenden wirklich Interesse hatten. Besonders schön war es, wenn unsere Inhalte nicht nur irgendwie „durchliefen“, sondern wenn man wirklich gesehen hat, dass die Teilnehmenden mitmachen und dabei etwas lernen. Diese Sprachclubs und die Quiz-Night haben mir definitiv geholfen, sicherer vor größeren Gruppen zu sprechen und nicht mehr ganz so nervös zu sein.

Drittens habe ich gelernt, wie sehr so eine Erfahrung Einfluss auf die eigene Selbstständigkeit und Offenheit haben kann. Man wächst automatisch daran, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, mit Menschen verschiedener Herkunft zusammenzuleben und sich auf ungewohnte Situationen einzulassen. Dabei merkt man oft erst im

Nachhinein, wie viel man in so kurzer Zeit eigentlich mitnimmt. Ich glaube, diese Monate haben mich offener, flexibler und auch ein Stück mutiger gemacht.

Am besten gefallen hat mir an meinem Freiwilligendienst vor allem die Mischung aus Gemeinschaft, Freiheit und neuen Erfahrungen. Ich hatte das Gefühl, meinen Alltag aktiv mitgestalten zu können, und genau das hat die Zeit für mich so besonders gemacht. Weniger gut fand ich eigentlich nur, dass manche Dinge in der Organisation manchmal etwas holprig liefen. Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, dass genau dadurch Raum für eigene Ideen entstand. Diese konnten oft eingebracht und in vielen Fällen auch umgesetzt werden, was ich als sehr wertvoll empfunden habe. So hatte man nicht nur eine passive Rolle, sondern konnte die Organisation auch aktiv mitprägen.

Trotz alledem bin ich glücklich, dieses sechsmonatige Abenteuer bei Care2Travel erlebt zu haben! Das Team im Office war immer sehr bemüht, uns Freiwilligen eine gute Zeit zu ermöglichen und uns so gut wie möglich zu unterstützen!

Aus dieser Zeit nehme ich mit, dass ich mich auch in ungewohnten Situationen zurechtfinden kann und dass ich es mag, wenn ich Verantwortung übernehmen und etwas mitgestalten darf. Außerdem habe ich gemerkt, wie bereichernd internationale Zusammenarbeit sein kann. Ich glaube, dass mich diese Zeit darin bestärkt hat, offen für neue Wege zu bleiben und Chancen wahrzunehmen, auch wenn sie am Anfang vielleicht ein wenig unsicher wirken.

Leonie verbringt ihren Freiwilligendienst bei Care2Travel, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.

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