Kennt ihr das, wenn ihr am Morgen, direkt nachdem ihr aufgestanden seid, vorfreudig aus dem Fenster schaut, um zu sehen, wie das Wetter ist und vor allem im Winter, ob Schnee liegt? Ich mache das auf jeden Fall jeden Tag und werde gerade nie enttäuscht.
Bevor ich nach Lettland kam, hatte ich die Hoffnung bei einem Land im Nordosten von Europa vielleicht die Chance auf einen richtigen Winter mit Schnee und Kälte zu haben. Und tatsächlich wurde meine Rückkehr aus Deutschland von meinem Besuch Zuhause mit ordentlich viel Schnee und Minusgraden belohnt. Den gesamten Januar lang war es überall weiß und ich hatte die Ehre bis zu -25°C zu erleben. Und ich muss sagen, das ist wirklich ein Erlebnis. Wenn zwei Hosen nicht reichen, um deine Beine beim Laufen warm zu halten und entweder deine Nasenschleimhaut oder deine Wimpern zufrieren steigt die Dankbarkeit für die Arbeit drinnen. Ich muss aber zugeben, dass ich das Wetter mag. Der mindestens knöcheltiefe Schnee taut einfach nie weg und ist so pulverig, dass er beinahe wie Zucker aussieht, das Stadium von braunem Schneematsch gibt es einfach nicht. Leider kann man deswegen keine Schneemenschen bauen oder ordentliche Schneeballschlachten machen. Dafür ist der Anblick von Sonnenstrahlen auf den Schneekristallen einfach magisch! Alles glitzert und funkelt!
Neben meinen Hauptbeschäftigungen Kälte-überleben und Natur-bewundern, hatten wir in den letzten Monaten aber auch noch andere Dinge zu tun. Der Dezember brachte natürlich schöne Vorweihnachts- und Adventsstimmung mit sich. Dafür sorgte zum Beispiel der wunderschöne Weihnachtsbaum, der auf dem Platz vor dem Kulturzentrum in Balvi aufgestellt wurde. Groß, grün und voller Lichterketten und riesigen Weihnachtsbaumkugeln leuchtete und strahlte er immer und hat uns jedes Mal wieder zum Lächeln und Staunen gebracht, denn ich muss ehrlich sagen: das war einer der schönsten Weihnachtsbäume, die ich je gesehen habe. Generell habe ich eine neue Entdeckung über Lettland gemacht: Überall sind Lichter(-ketten)! Meine Theorie ist, dass die Letten einfach beschlossen haben, die Dunkelheit zu nutzen, um noch mehr Licht in die Welt zu bringen. Ich finde es wunderbar. Es macht mich immer wieder sehr glücklich, so viel Freude am kollektiven Erhellen der Stadt zu sehen. Im Dezember hatten wir außerdem einige Weihnachts- / Adventsaktivitäten auf unseren Arbeitsstellen, haben mit den Kindern und Jugendlichen Spiele gespielt, gebastelt und mit unseren Kolleginnen gewichtelt. Leider gehörte in den Dezember aber auch unsere Verabschiedung von Nika, unserem georgischen Mitfreiwilligen. Aber die Bye-bye-Party und unser letzter gemeinsamer Tag in Riga auf dem Weihnachtsmarkt waren wirklich schön.
Über Weihnachten und Neujahr ging es für uns drei verbliebenen Freiwilligen dann für einen Besuch zurück nach Deutschland. Ich habe die Zeit zu Hause sehr genossen, auch wenn sie ein wenig turbulent und so wie jeder Urlaub zu kurz war. Es war wunderschön, meine Familie und Freund*innen wieder zu sehen, zu Weihnachten beim Krippenspiel unserer Gemeinde mitzusingen und an einem Orchesterprojekt teilzunehmen. Zurück nach Lettland ging es dann am 08.01. zusammen mit einer Freundin aus Deutschland, die mich eine Woche lang hier besucht hat. Das war auch richtig schön und wir hatten eine tolle Zeit zu viert. Ein großes Event im Januar war außerdem der Youth Award in Balvi. Es ist eine Art Feier oder Zeremonie, bei der besonders engagierte Jugendliche ausgezeichnet werden. Wir durften dabei sein und den Preis für die Jugendlichen des Jahres überreichen! Es war wirklich eine tolle Erfahrung, so viele motivierte und aktive Jugendliche zu sehen, die sich für die Gesellschaft und füreinander einsetzen! Diese Art der Anerkennung solcher Leistungen finde ich inspirierend und ich würde sie mir viel mehr wünschen, weil ich glaube, dass diese Menschen unsere Welt zu einem besseren Ort machen und wirklich etwas bewegen können und deswegen mehr gesehen, belohnt und sichtbar gemacht werden sollten. Anfang Februar folgte dann schon das nächste Highlight: unser Mid-term-training. Für drei Tage waren wir in einem schönen Hotel in einem kleinen Ort in der Nähe von Riga und es war echt toll. Wir haben so viele liebe Menschen wiedergetroffen und neu kennengelernt und ich habe Vieles über mich Selbst, andere Menschen und Kulturen und Freiwilligenarbeit gelernt und vor allem viel Spaß gehabt. Ich bin sehr dankbar für dieses Erlebnis und die Möglichkeit, so viele wundervolle andere Freiwillige kennengelernt zu haben und neue Kontakte zum Beispiel auch für Kollaborationen geknüpft zu haben. Um noch einmal auf meine Faszination in Bezug auf das Wetter zurückzukommen: Wir waren dort sogar auf der gefrorenen Ostsee! Mindestens 50m vom Strand aus war das Meer mit einer Eisschicht bedeckt! Auch viele Flüsse und Seen sind zugefroren, aber das Meer gefroren zu sehen war schon besonders und ich habe mich gefragt, wie so etwas Gewaltiges wie das Meer frieren kann und ob nicht vielleicht doch Elsa einfach am baltischen Ostseestrand spazieren war.
Zuletzt gibt es noch ein Erlebnis, dass ich nicht vorenthalten kann. Es ist eine Schulfeier, bei der die 12.Klässler*innen ein Symbol überreicht bekommen, das sie an ihre Schulzeit erinnert. Die Feier heißt „Žetoni“ (ungefähr gespr.: Schetoni) und nach der Verleihung der Symbole (dieses Jahr in Balvi war es ein Ring) gestalten die Abiturient*innen den Abend. Ich habe noch nie zu einem Schulevent etwas so Beeindruckendes gesehen! So viele kreative, selbst ausgedachte Tänze und Darstellungen und Filme! Es war unglaublich zu sehen, wie viel Talent, Kreativität, Teamgeist und Anstrengung diese jungen Menschen, die sich gerade durch ihr letztes Schuljahr quälen, besitzen und aufgebracht haben für dieses Ereignis. Größten Respekt an diese Tanzkünste und Gemeinschaft! Es war mir eine große Ehre, dabei sein zu dürfen.
Abschließend muss ich natürlich auch noch meine beiden tollen Mitfreiwilligen erwähnen. Mit Ece und Julien verstehe ich mich weiterhin sehr gut. In unserer Freizeit kochen, backen und essen wir zusammen, gehen zum Volkstanz, spielen Spiele, gucken Filme oder quatschen. Ich bin immer wieder froh, sie an meiner Seite zu haben.
Nun bleibt mir nicht mehr zu sagen, als dass ich dankbar bin für die vielen tollen Momente, Erlebnisse und Menschen, die ich hier kennenlernen darf. Und natürlich für den Schnee.
Miriam
Miriam verbringt ihren Freiwilligendienst bei NGO Kalmars , ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
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