Abschlussbericht ESK Portugal 2026
Liebe Interessierte,
wenn ihr mich fragen würdet, welche Momente mir aus meiner Zeit in Portugal besonders in Erinnerung geblieben sind, dann denke ich an die ersten Arbeitstage. Wir standen am Morgen, nach einem anstrengenden Aufstieg in felsigem Gelände und durch dichtes Gestrüpp, auf einem Hügel oberhalb von Vouzela. Die Sonne stand noch tief am Horizont, alles war noch leicht feucht von Tautropfen und wir hatten die Aufgabe, uns um einen jungen Eichenwald zu kümmern. Bevor wir anfingen zu arbeiten, blieben wir alle für einige Momente still. Vor uns lag ein Panorama verschiedener Grüntöne, und außer Wind und Vogelstimmen war nichts zu hören. Dabei dachte ich: „Ganz schön anstrengend, so früh hier hochzukraxeln.“ Mittlerweile denke ich, dass genau solche Momente in der Natur den Freiwilligendienst für mich besonders gemacht haben…
Im April und Mai 2026 habe ich einen ESK-Freiwilligendienst bei MONTIS in Portugal absolviert – einer Naturschutzorganisation mit Sitz in Vouzela im Zentrum Portugals, die verschiedene Flächen in der Region mit dem Ziel bewirtschaftet, ökologisch degradierte heimische Ökosysteme wiederherzustellen bzw. in natürliche Lebensräume umzuwandeln. Bevor ich losgefahren bin, hatte ich zwar die Projektbeschreibung gelesen und mich über Instagram und die Website ein wenig über die Organisation informiert, wusste aber ehrlich gesagt nicht genau, was mich erwarten würde. Ich stellte mir vor, draußen im Wald zu arbeiten, interessante junge Menschen kennenzulernen und nebenbei ein paar andere Ecken von Portugal zu entdecken. All das hatte mich an der Anzeige gereizt und überzeugt, mich für den Freiwilligendienst zu bewerben. Tatsächlich wurden meine Erwartungen erfüllt, die Erfahrung war aber noch viel intensiver und vielfältiger, als ich es mir vorgestellt hatte!
Mein Arbeitsalltag bei MONTIS war ziemlich abwechslungsreich. Wir arbeiteten in verschiedenen Waldgebieten rund um Vouzela und fuhren an manchen Tagen sogar zu weiter entfernten Flächen. Eine unserer Hauptaufgaben war die Unterstützung der natürlichen Regeneration eines jungen Eichenwaldes in der Nähe von Vouzela, der bei einem Waldbrand vor ca. 10 Jahren zerstört worden war. Die jungen Eichen, die aus den alten Wurzeln ausgetrieben waren, schnitten wir bis auf die zwei oder drei stärksten Äste zurück und entfernten alle Zweige im unteren Bereich sowie angrenzende Büsche, damit bei einem erneuten Waldbrand das Feuer nicht die Kronen erreichen kann und die Eichen sich schneller gegen kleinere Büsche auf der Fläche durchsetzen.
Eine weitere Arbeit, die wir des Öfteren ausführten, war die Kontrolle invasiver Spezies von Akazienbäumen. Diese sich stark ausbreitenden und schnell wachsenden Arten verdunkeln den Waldboden so stark, dass nicht mehr viele andere Arten wachsen können. Deshalb sollten wir die Akazien durch das Abziehen der Rinde rundherum bis nach unten absterben lassen, da so keine Nährstoffe mehr in die Wurzeln geleitet werden können. Vor dem Freiwilligendienst hatte ich ehrlich gesagt kaum darüber nachgedacht, welchen Schaden invasive Pflanzen anrichten können. Nun weiß ich, wie schnell sie heimische Arten verdrängen und ganze Ökosysteme nachhaltig verändern können.
Vor allem hat sich durch den Freiwilligendienst mein Blick auf die Natur verändert. Früher habe ich Wälder oft einfach als schöne Landschaft wahrgenommen. Nun sehe ich stärker die Zusammenhänge dahinter: die Bedeutung verschiedener Arten, die Folgen menschlicher Eingriffe und die zielgerichtete Arbeit, die notwendig ist, um natürliche Lebensräume zu erhalten. Besonders spannend fand ich auch, dass hinter vielen Aufgaben ein langfristiger Plan steht. Was zunächst wie einfache Handarbeit aussah, war Teil eines langfristigen Naturschutzkonzepts. Heute ist mir dadurch viel klarer, wie komplex die Arbeit im Naturschutz tatsächlich ist und wie viel spezifisches Wissen über die Gegebenheiten vor Ort für gute Entscheidungen erforderlich ist.
Die körperliche Arbeit war dabei teilweise anstrengender, als ich erwartet hatte. Einige Einsatzorte lagen an steilen Hängen oder in schwer zugänglichem Gelände. Besonders an warmen Tagen war ich abends erschöpft. Aber überwogen hat immer das Gefühl, wie zufrieden ich nach dem Arbeitstag war, weil ich sehen konnte, was wir gemeinsam mit unseren Händen geschafft hatten!
Neben der praktischen Naturschutzarbeit wurden regelmäßig Aktivitäten für die lokale Community organisiert. Wir nahmen in diesem Rahmen z.B. an einer Biodiversitätswanderung zum Thema Schmetterlinge und Blühpflanzen mit einem Biologen teil und arbeiteten dabei mit der App iNaturalist, um beobachtete Tiere und Pflanzen zu fotografieren, zu identifizieren und zu kartieren. Diese Aktivität hat mir besonders gefallen, weil sie mir gezeigt hat, dass Naturschutz nicht nur etwas für Expertinnen und Experten ist, sondern sich auch Menschen vor Ort gerne freiwillig als „citizen scientists“ engagieren und damit zu Naturschutz und Forschung beitragen.
Auch sprachlich war der Aufenthalt interessant. Die Arbeitssprache war zwar Englisch und Portugiesisch nicht wirklich notwendig, aber im Alltag hörte ich es natürlich überall. Zu Beginn konnte ich kaum mehr als „Bom dia!“, „Obrigado!“ oder „Pastel de Nata“ verstehen. Doch nach einigen Wochen erkannte ich immer mehr Ausdrücke wieder und konnte manche Gespräche verstehen. Es war ein schönes Gefühl, nach und nach im Land anzukommen und mich weniger fremd zu fühlen.
Ein wichtiger Teil war auch das Zusammenleben mit anderen Freiwilligen. Wir kamen zum Teil aus verschiedenen Ländern und hatten unterschiedliche Hintergründe bzw. Motivationen. Natürlich lief nicht immer alles reibungslos und mit der Privatsphäre war es nicht immer so einfach. Dennoch oder gerade deswegen war die Zeit in der zusammengewürfelten WG superschön und hat die Tage noch viel schneller vergehen lassen – das müde Vorbereiten der Lunchpakete am Morgen, das Warten auf die Dusche nach Feierabend oder das gemeinsame Kochen, Spielen und Quatschen am späten Abend.
Außerhalb der Arbeit blieb auch Zeit, die Umgebung zu erkunden. Natürlich war ich im wunderschönen Porto und dem vielseitigen Lissabon unterwegs und wir haben zusammen an den Wochenenden in Küstenorten wie Peniche und Aveiro tolle Tage am Strand verbracht. Besonders beeindruckt haben mich aber die Landschaften Zentralportugals. Die Mischung aus Bergen, Wäldern, kleinen Dörfern und Bächen war ganz anders als vieles, was ich bisher aus Portugal kannte. An den Nachmittagen wanderten wir in der Umgebung umher, ließen die Füße im eiskalten Bach baumeln oder saßen nachts auf den Felsen und schauten in den Sternenhimmel. Diese gemeinsamen Erlebnisse haben tiefe Freundschaften entstehen lassen, die hoffentlich noch lange erhalten bleiben!
Rückblickend war der Freiwilligendienst bei Montis eine der prägendsten Erfahrungen der letzten Jahre für mich. Nicht jeder Tag war perfekt, und manche Aufgaben waren herausfordernd. Aber genau diese Mischung aus praktischer Arbeit, beeindruckender Natur, interessanten Menschen und ganz persönlicher Entwicklung hat den Aufenthalt so bereichernd gemacht.
Wenn ich jetzt an die Momente am Morgen auf dem Hügel zurückdenke, verstehe ich, warum sie mir so im Gedächtnis geblieben sind. Sie stehen für etwas, was ich aus Portugal mitgenommen habe: wieder achtsamer zu sein, die Natur bewusster wahrzunehmen und ihren Wert zu schätzen, der oft erst auf den zweiten Blick so richtig verständlich wird.
Ich kann euch also einen Freiwilligendienst mit NaturKultur und insbesondere bei MONTIS in Portugal nur ans Herz legen – und falls ihr euch dazu entscheiden solltet: habt eine tolle Zeit! 🙂
Liebe Grüße
Axel
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Axel verbringt seinen Freiwilligendienst bei MONTIS, sein Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert.
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