Kalte Winde, warme Herzen und triste Fassaden.
So und nicht anders würde ich anderen Leuten wohl Lettland beschreiben (wenn ich mich kurz fassen müsste).
Das trifft es an und für sich auch ganz gut, ist aber natürlich nicht die ganze Wahrheit und definitiv nicht das was ich erwartet habe, als ich mich vor gut einem Jahr entschlossen habe ein FSJ dort zu machen.
Ich wollte mich entwickeln, meine Grenzen austesten, neue Leute kennenlernen und Dinge ausprobieren. Mich einfach mal neu erfinden. Damit gleichzeitig ein wenig mehr Bedenkzeit für die Studienwahl zu erhalten war dann natürlich ein willkommener Bonus.
Die ganze Erfahrung hat mir aber auch neben diesen offensichtlichen Vorteilen einiges mitgegeben, mit dem ich zu Beginn dieses Projekts wohl nie gerechnet hätte. Ob jetzt der sanfte, geduldige Umgang mit Kindern, das organisieren von Aktivitäten oder wie leicht Menschen eigentlich mit sich reden lassen, wenn man nur freundlich genug ist.
Unsere Arbeitsstellen waren zu jeder Zeit recht vielfältig mit sehr unterschiedlichen Aufgabenbereichen in den verschiedenen Stellen. Dabei wird einem dann auf jeden Fall nicht mehr langweilig. Neben der Ausführung selbst steht dann ja auch noch die Ideenfindung und die Planung der Aktivitäten auf dem Plan. Was durch die unterschiedlichen Zielgruppen in den Arbeitsstellen dann halt auch für jede einzeln erledigt werden muss.
Ich will mich natürlich nicht beschweren, denn die Gesichter (besonders der kleinen) Kinder wenn sie bei einem Spiel, einem Kochkurs oder einem anderen Event mitmachen können sind den ganzen Aufwand dann auch wieder mehr als wert.
Es war auf jeden Fall eine neue und vor allen Dingen auch herausfordernde Erfahrung. Dabei wunder der gesamte Prozess von den Kollegen vor Ort wundervoll begleitet und man hatte zu keiner Zeit das Gefühl mit irgendetwas allein gelassen zu werden. Es war immer jemand da den man um Rat fragen konnte, ob nun privat oder dienstlich hat da gar keine Rolle gespielt.
Und auch wenn die Arbeit selbst, die Kinder oder das unbekannte, sehr ruhige Umfeld einem manchmal echt viel abverlangt haben und mich immer mal an meine Grenzen gebracht haben, bi ich doch unfassbar dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Natürlich war das überwinden dieser Hindernisse auch nicht immer leicht für mich, doch die Hobbys, die meine Woche während des Projekts stetig voll gehalten haben waren eine große Hilfe bei der Stressbewältigung und ich würde diesen simplen, aber effektiven Trick auch jedem Freiwilligen weiterempfehlen.
Die Letten als Menschen sind so vielfältig wie wohl überall und so habe ich selbst in einer so kleinen Stadt schnell einige Freundschaften geschlossen. Einige durch meine Hobbys, andere über die Arbeit. Doch es war in jedem Fall unfassbar schön so mit offenen Armen aufgenommen zu werden und sogar bei einer Geburtstagsfeier
eingeladen zu sein. Da hab ich mich schon richtig geehrt gefühlt und bin wirklich dankbar für diese Offenheit die mir da trotz der Sprachbarriere und allem entgegen gebracht wurde.
Ich bin daran als Mensch unfassbar gewachsen und sehr stolz auf die Entwicklung, die ich hinter mir habe. Ob nun in meiner Geduldsspanne, meinen häuslichen Fähigkeiten, den verschiedenen neuen Ansätzen zum Umgang mit fremden oder der allgemein viel offeneren Einstellung. Der positive Einfluss ist in jedem Fall nicht von der Hand zu weisen.
Am beeindruckendsten war jedoch zweifelsfrei der phänomenale Winter dieses Jahr.
Ob nun der Anblick eines 3 Meter hohen Schneebergs, vollkommen zugefrorener Seen oder des gefrorenen Meers, das sind wohl alles Bilder die ich nie vergessen werde.
Der Höhepunkt dieser extremen Jahreszeit war an der stelle jedoch die anhaltende Kältewelle über die ersten Monate des Jahres. Minus 20 grad auf dem Gesicht vergisst man nicht so schnell wieder. Diese unfassbare Naturgewalt ist an der Stelle aber auch einfach nur noch atemberaubend.
Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in mein FSJ gefallen und damit
Tschüssli musli ^^
Julien verbringt seinen Freiwilligendienst bei der NGO Kalmars, sein Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Julien erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.



