Jetzt sitze ich wieder in unserem Wohnzimmer zuhause und mein Freiwilligendienst fühlt sich so nah und fern zugleich an, obwohl ich erst seit ein paar Tagen nicht mehr in Lettland bin. Ich bin einerseits schon wieder ganz hier in Deutschland und andererseits habe ich noch nicht so ganz realisiert, dass meine Zeit in Lettland jetzt vorbei ist. Als wäre ich aus einem Paralleluniversum zurückgekommen.
Ich habe mich für diesen Freiwilligendienst entschieden, weil ich nicht gleich studieren, sondern etwas von der Welt sehen wollte, und vor allem, weil ich einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten, helfen und etwas Sinnstiftendes tun wollte. Nun kann ich sagen, dass ich nicht nur das erreicht habe, sondern so unendlich viele schöne Erinnerungen gesammelt, Freundschaften geknüpft und Entdeckungen gemacht habe.
Kommen wir also mal zu einer kleinen Zusammenfassung:
1. die schönsten Erlebnisse
Ich glaube es gab in meiner Zeit als Freiwillige viele ganz verschiedene besondere Momente, die mich berührt haben. Mal waren sie laut, mal leise, mal mit vielen Menschen, zu zweit oder alleine, mal waren sie bunt und ganz deutlich zu sehen für alle und mal waren sie versteckt in meinem Inneren. So hatten wir zum Beispiel ein paar ganz besonders lebendige und fröhliche Aktivitäten in den Jugendzentren und im Kindergarten: ein von mir und einer anderen Freiwilligen aus Riga organisiertes Camp in Balvi zum Thema Selbstreflexion mit vielen tollen Menschen aus Riga und Balvi; ein interkultureller Abend im Jugendzentrum mit vielen verschiedenen Nationalitäten, die von unseren internationalen volunteer-Freunden vorgestellt wurden, zu dem so viele Jugendliche wie nur selten kamen und wir gemeinsam bis in die Nacht gefeiert und getanzt haben; unsere Weihnachtsfeier im Kindergarten, bei der die Kinder einfach mal ganz viel spielen und Spaß haben durften; und Vieles mehr. Daneben gab es auch viele gemütliche Freitagabende, an denen wir mit unseren Freund*innen in Balvi einfach im Jugendzentrum Spiele gespielt und gequatscht haben oder Nachmittage, an denen wir mit den Kindern in Viļaka gebacken oder gebastelt haben. Neben der Zeit auf Arbeit habe ich auch unsere gemeinsamen Filmabende oder entspanntes Quatschen und Spielen mit meinen zwei Mitfreiwilligen sehr genossen. Und auch die Zeit, die ich für mich hatte, Freizeit, in der ich ganz allein entscheiden konnte, was ich tun möchte, war sehr erholsam und inspirierend. Große Highlights waren für uns alle auf jeden Fall aber auch die Trainings. Beim On-arrival- und Mid-term-training von der Nationalagentur haben wir Freundschaften geknüpft, uns ausgetauscht, Neues gelernt, Spiele gespielt, getanzt, gesungen und vor allem viel Spaß mit einer bunten Gruppe aus ganz unterschiedlichen, sehr offenen, motivierten, coolen und freundlichen internationalen Freiwilligen gehabt.
2. die herausforderndsten Erlebnisse
Meine größte Herausforderung während meines Freiwilligendienstes war das Heimweh und das Gefühl, allein zu sein. Ich wusste zwar, dass ich nie wirklich allein war, dass immer jemand zum Reden da war, ob nun im Nebenzimmer oder übers Telefon, und trotzdem gab es Momente, in denen ich mich doch einsam gefühlt habe. Diese Momente haben aber nicht sehr lange angedauert und am nächsten Tag war meist wieder alles gut. Überdies kam es vor, dass ich mich überfordert oder überwältigt gefühlt habe, aber auch das war nicht von langer Dauer und meine Kolleginnen und Freund*innen haben mir dabei sehr geholfen. Abgesehen von diesen persönlichen Schwierigkeiten war es jedes Mal herausfordernd, sich mit den Kindern und Jugendlichen zu verständigen, die nicht so gut Englisch gesprochen oder verstanden haben. Aber mit der Hilfe Lettisch und Englisch sprechender Menschen, unserem dürftigen Lettisch, Händen und Füßen und Übersetzer, haben wir auch das gemeistert.
3. was ich gelernt habe
Das ist nun ein wirklich großes Thema. Ich habe so viel gelernt und vermutlich noch viel mehr, dessen ich mir gar nicht bewusst bin. Ganz augenfällig sind neues Wissen und Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, neue Fähigkeiten in Bezug auf Projektmanagement, Arbeit mit online Tools wie canva, mündlicher und schriftlicher Ausdruck auf Englisch und Selbstständigkeit. Ich glaube auch, dass ich viel über mich selbst gelernt habe, über meine Bedürfnisse, Fähigkeiten, wie ich im Team und generell arbeite, meine Privilegien, meine Werte und Ziele und Vieles mehr. Außerdem habe ich sehr viel über verschiedene Kulturen und Nationen gelernt. Mein Horizont wurde enorm erweitert durch all die wundervollen Menschen, die so bereitwillig, offen und reflektiert ihre Erfahrungen, Ansichten und Kulturen geteilt haben. So habe ich Einblicke in ganz unterschiedliche Lebenswelten und Meinungen bekommen und habe so nicht nur Einiges über z.B. die lettische Kultur und verschiedene Religionen gelernt, sondern auch über meine eigene Welt mit den verschiedenen Bräuchen und auch Privilegien in Deutschland und als weiße, christliche Europäerin.
4. was ich mitnehmen werde
Ich konnte es mir vorher nicht so ganz vorstellen oder bei anderen Menschen verstehen, aber auch ich fühle jetzt nach meinem Freiwilligendienst im Ausland eine besondere Verbindung zu dem Land, in dem ich für fast acht Monate gelebt habe. Ich weiß nicht, ob es übertrieben ist, zu sagen, dass es wie eine zweite Heimat geworden ist, aber irgendwie habe ich mich schon auch zuhause gefühlt und eine Faszination und Verbundenheit in Bezug auf Lettland und lettisches Kulturgut entwickelt. Am wichtigsten zu erwähnen sind hier aber für mich die Begegnungen, Erfahrungen, Erkenntnisse und Freundschaften aus meiner Zeit in Lettland. Ich denke die Menschen dort haben mich am meisten geprägt. Die Offenheit, Gastfreundschaft, Toleranz, das Engagement, die Begeisterung, Fürsorge, Kreativität und Verbundenheit der Menschen, die ich kennenlernen durfte, haben mich sehr inspiriert, bereichert und hoffnungsvoll gemacht.
5. top oder flop?
Definitiv top! Und ich muss sagen, ich kann diese Art von Freiwilligendienst nur weiterempfehlen. Es ist wirklich eine großartige Chance, neue Dinge zu entdecken, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und gleichzeitig auch noch viele tolle internationale Menschen kennenzulernen und dabei exzellente persönliche und finanzielle Unterstützung zu erhalten.
Am Ende kann ich nun sagen, dass zwar meine wundervolle Zeit in Lettland vorbei ist, ich aber weiß, dass sie nicht verloren ist, weil die Erinnerungen bleiben, die Verbindungen bestehen, die neuen Erkenntnisse Teil von mir sind, das Gelernte mich weitertragen wird, die Fürsorge, Lebensfreude und Hoffnung, die ich erfahren habe, mich weiter beflügeln wird und das Wachstum andauert. Für diese wundervolle und einzigartige Erfahrung bin ich unendlich dankbar! : )
—
Miriam verbringt ihren Freiwilligendienst bei NGO Kalmars, ihr Projekt wird kofinanziert von der Europäischen Union.
Wenn du etwas Ähnliches wie Miriam erleben möchtest, schau dir unsere Calls hier an.





